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Die alte Hauptstadt des Landes

Kanagawa – vom großen Buddha und der Öffnung des Landes zum Rest der Welt

Die Präfektur Kanagawa liegt in der Region Kantō auf Honshu. Sie ist die zweite bevölkerungsreichste Präfektur Japans. Kanagawa grenzt im Norden an Tokio, im Nordwesten an die Präfektur Yamanashi und im Westen an die Präfektur Shizuoka.

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Die Präfektur Kanagawa war das politische und wirtschaftliche Zentrum Japans während der Kamakura-Periode. Von 1185 bis 1333 war die Stadt Kamakura als Sitz des Kamakura-Shogunats die eigentliche Hauptstadt und größte Stadt Japans. Kanagawa ist ein beliebtes Reisegebiet in der Region Tokio, wobei die Städte Kamakura und die Stadt Hakone zu den beliebtesten Ausflugszielen gehören. Yokohama ist die Hauptstadt der Präfektur und die zweitgrößte Stadt von ganz Japan. Außerdem hat diese Stadt eine wichtige Bedeutung in der Geschichte des Landes und vor allem zu der Zeit, als sich Japan dem Westen öffnete.

Die Küste von Kanagawa und der Commodore Perry

Seit Beginn des 17. Jahrhunderts verfolgte das Tokugawa-Shogunat eine Politik der Isolierung des Landes von äußeren Einflüssen. Der Außenhandel wurde nur mit den Niederländern und den Chinesen aufrechterhalten und ausschließlich in Nagasaki unter einem strengen Regierungsmonopol abgewickelt.

Dieses hatte zwei hauptsächliche Gründe. Zum Ersten wollte man damit die Verbreitung des Christentums im eigenen Land unterbinden. Ferner befürchtete man, dass durch internationalen Handel, die herrschenden Daimyo einen zu großen Reichtum erlangen könnten. Somit würden sie leicht zu einer Gefahr für das herrschende Tokugawa Shogunat werden.

Im Jahr 1853 kam es jedoch zu einer Wendung, als die Vereinigten Staaten den Commodore Matthew C. Perry mit seiner schwarzen Flotte in Richtung Japan schickte, um das Land zu einer Öffnung für den Handel mit den Vereinigten Staaten zu zwingen.

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Perry traf am 8. Juli 1853 mit vier Kriegsschiffen in Uraga, an der Mündung der Edo-Bucht, ein. Er lehnte die Forderung der Japaner, nach Nagasaki weiterzufahren, das als Hafen für ausländische Kontakte vorgesehen war, entschieden ab. Er drohte damit, direkt nach Edo weiterzureisen und notfalls alles niederzubrennen. Schließlich durfte er am 14. Juli im nahe gelegenen Kurihama einlaufen und einen Brief mit seinen Forderungen überbringen.

Da der Commodore Perry nicht in Uraga einlaufen durfte, begann er mit einer eigenen Machtdemonstration. Mit Kanonen schossen die Schiffe in die Bucht von Edo und es wurden sogar Soldaten an das Ufer der Bucht geschickt. Hier kam es zu einem Zusammentreffen zwischen den mit Schwertern bewaffneten Japanern und den mit Schusswaffen ausgerüsteten Amerikanern.

Perrys Brief löste in den höchsten Kreisen des Tokugawa-Shogunats eine heftige Kontroverse aus. Der Shōgun selbst starb wenige Tage nach Perrys Abreise und wurde von seinem kränklichen jungen Sohn, Tokugawa Iesada, abgelöst, sodass die effektive Verwaltung in den Händen des Ältestenrats (Rōjū) unter der Leitung von Abe Masahiro lag. Abe war der Ansicht, dass es für Japan unmöglich war, sich den amerikanischen Forderungen mit militärischer Gewalt zu widersetzen, und zögerte dennoch, in einer solch beispiellosen Situation eigenmächtig etwas zu unternehmen.

Am 11. Februar 1854 kehrte Perry mit einer noch größeren Streitmacht von acht Kriegsschiffen zurück und stellte klar, dass er nicht abreisen würde, bevor ein Vertrag unterzeichnet sei. Er setzte seine manipulativen Maßnahmen fort, indem er sich beispielsweise von den niederen Beamten fernhielt, die Anwendung von Gewalt andeutete, den Hafen überwachte und sich weigerte, sich an den vorgesehenen Verhandlungsorten zu treffen. Die eigentlichen Verhandlungen begannen schließlich am 8. März und zogen sich über einen Monat hin.

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Auf japanischer Seite wurden fast alle Forderungen Perrys erfüllt, mit Ausnahme eines Handelsabkommens nach dem Vorbild früherer amerikanischer Verträge mit China, das Perry auf einen späteren Zeitpunkt verschieben wollte. Am 31. März im Jahr 1854 wurde schließlich das Abkommen unterzeichnet.

Dieses Ereignis und die noch folgenden Ereignisse der Meiji-Restauration sollten Yokohama zu einem Schmelztiegel der Kulturen machen. Diese Vielfalt erkennt man noch heute, vorwiegend in der Hafenregion der Stadt. Sie ist ein beliebtes Ziel von Einwanderern, aber auch Urlaubern, die die farbenfrohe Vielfalt Yokohamas bewundern möchten.

Kamakura, die alte Hauptstadt und der große Buddha

Im Norden, Osten und Westen von Hügeln und im Süden vom offenen Wasser der Sagami-Bucht umgeben, ist Kamakura fast schon eine natürliche Festung in Kanagawa. Vor dem Bau mehrerer Tunnel und moderner Straßen, die die Stadt heute mit Fujisawa, Ofuna und Zushi verbinden, konnte Kamakura auf dem Landweg nur über schmale künstliche Pässe betreten werden. Die sieben wichtigsten von ihnen werden als „Kamakuras sieben Eingänge“ bezeichnet.

Kamakura bietet schöne Strandküsten, die sehr beliebt für das Sonnenbaden oder für den Wassersport sind. Auch befinden sich in der Stadt zahlreiche Wanderwege durch die bewaldeten Berglandschaften und Parks, sowie der bekannte buddhistische Kōtoku-in Tempel, der den berühmten großen Buddha (Daibutsu) von Kamakura beherbergt.

Kanagawa grosser Buddha
Der Daibutsu in Kamakura. Foto: Ale Sansores, Unsplash

Der jetzigen Bronzestatue ging ein riesiger Holzbuddha voraus, der 1243 nach zehn Jahren ununterbrochener Arbeit fertiggestellt wurde. Diese Holzstatue wurde 1248 durch einen Sturm beschädigt. Die Halle, in der sie sich befand, wurde zerstört, sodass man vorschlug, eine neue Statue aus Bronze anzufertigen. Diese Bronzestatue wurde wahrscheinlich von Ōno Gorōemon oder Tanji Hisatomo gegossen, beides führende Bronzegießer der damaligen Zeit. Die Statue war ursprünglich sogar vergoldet. Es gibt noch Spuren von Blattgold in der Nähe der Ohren der Statue.

Im Jahr 1334 wurde die Halle durch einen Sturm zerstört, wieder aufgebaut und im Jahr 1369 durch einen weiteren Sturm erneut beschädigt und wieder aufgebaut. Das Gebäude, in dem die Statue zuletzt untergebracht war, wurde durch den Tsunami des Nankai-Erdbebens vom 20. September 1498 während der Muromachi-Periode weggespült. Seitdem steht der große Buddha unter Kanagawas freiem Himmel.

Das große Kantō-Erdbeben von 1923 zerstörte den Sockel, auf dem die Statue steht, doch wurde er 1925 repariert. Reparaturen an der Statue wurden in den Jahren 1960–61 durchgeführt, wobei der Hals verstärkt wurde und weitere Maßnahmen zum Schutz der Statue vor Erdbeben getroffen wurden. Im Frühjahr 2016 wurden weitere Forschungs-, Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten an der Statue durchgeführt.

Enoshima und die Gottheit der Unterhaltung

Die Insel Enoshima in Kanagawa ist die Heimat der „nackten Göttin“, der Gottheit der Unterhaltung. Dies mag ein Grund dafür sein, dass die Insel als Heimat einer lebenslustigen Strandgemeinschaft von Sightseeing-Paaren gilt, welche vorwiegend im Sommer zu Besuch kommen.

Die Insel ist seit Langem ein beliebtes Ausflugsziel für Tokioter und war in der Edo-Zeit hauptsächlich bei Menschen beliebt, die in der Unterhaltungsindustrie arbeiteten, wie z. B. Kabuki-Schauspieler. Heute ist die Insel eine lebhafte Mischung aus Tradition und Moderne, vollgepackt mit Geschäften, Gasthäusern, Restaurants und Sehenswürdigkeiten.

Auf Enoshima gibt es zahlreiche Strände, ein Aquarium und kleine Geschäfte, die bei den Besuchern besonders beliebt sind. Allerdings ist das Schwimmen im Meer um die Insel verboten. Enoshima ist zudem ein beliebtes Motiv für Drohnenpiloten. Auch wenn das Fliegen einer Drohne über Enoshima verboten ist, gibt es die Möglichkeit, von den Stränden Kamakuras wundervolle Fotos und Videos des Sonnenuntergangs zu machen, mit der Silhouette von Enoshima und der Seacandle im Hintergrund.

Kanagawa enoshima
Der Tag endet für Enoshima (Seacandle im Hintergrund). Foto: Natsuki, Unsplash

Auch ist die Region bei Fischern und Windsurfern beliebt und an klaren Tagen ist der Berg Fuji im Nordwesten am Horizont zu sehen.

Hakone und die Schwefelfelder von Owakudani

Ein beliebter Urlaubsort in Kanagawa ist außerdem die Region um die Stadt Hakone. Hier befindet sich nicht nur der bekannte Ashinoko See, auf dem man mit Piratenschiffen eine Tour machen kann. Es gibt zudem das berühmte Torii des Hakone Schreins, welches direkt am Ufer steht. Auch bietet es sich an, den See einmal komplett zu Fuß zu umrunden oder den kompletten Weg der alten Tokaido-Straße von Yumoto den Berg hinauf bis nach Moto Hakone zu wandern. Auf dem Weg findet man in Hatajuku einen verschlafenen kleinen Ort, der für sein Holzhandwerk bekannt ist und verschiedene Geschäfte und Ausstellungen anbietet.

Ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel ist das berühmte vulkanisch aktive Schwefelfeld von Owakudani, das mit einer Seilbahn erreicht werden kann. Hier gibt es auch die berühmten in Schwefelwasser gekochten schwarzen Eier, die bei Genuss das eigene Leben verlängern sollen. Wer mit der Seilbahn noch weiter bis nach Gora fährt, kann einen wunderschönen botanischen Garten entdecken, mit einem Teehaus und einem Gewächshaus mit verschiedenen Ausstellungen zum Thema Pflanzen. Es gab hier bereits Ausstellungen zum Thema Bonsai Bäume oder Orchideen.

Für viele ist Hakone durch seine Nähe zu Tokio vorwiegend das Ziel eines Tagesausflugs, doch kann man in der Region von Hakone zahlreichen Aktivitäten nachgehen. Dabei kommen Entspannung, Kreativität und aber auch Sportlichkeit nie zu kurz.

Erlebnisse und Genuss in Kanagawa

Die Vielseitigkeit der Präfektur Kanagawa zeigt sich nicht nur in der Landschaft, sondern auch in der Ess- und Unterhaltungskultur.

Chinatown in Yokohama und das Cupnoodles Museum

Die größte Attraktion im Chinatown von Yokohama ist das Essen. An einem der Stände im Außenbereich kann man sich gedünstete Teigtaschen oder andere kleine Häppchen holen, während man durch das Viertel schlendert und die kunstvolle Architektur bewundert.

Wer Appetit auf etwas Deftigeres hat, sollte einen Blick in die zahlreichen Restaurants werfen. Die Speisekarten und Kostproben in vielen Lokalen verraten schon vor dem Betreten, was einen erwartet, und es kann sein, dass man von der schwindelerregenden Vielfalt der chinesischen Küche angenehm überrascht ist.

Neben den unzähligen Möglichkeiten für den Genuss, finden sich hier auch Wahrsager, chinesische Massage Salons und Anbieter für traditionelle Akupunktur-Behandlungen.

Auch befindet in Yokohama das bekannte Cupnoodles Museum. Hier hat man sogar die Möglichkeit, seine eigenen Tassennudeln zusammenzustellen, um sie daraufhin zu genießen.

Kanagawa yokohama
Farbenfrohes Yokohama. Foto: Will Il, Unsplash

Die Enoden Linie

Der Zug der Enoden-Linie, der die Küste der Region verbindet, ist nicht nur ein Transportmittel, sondern auch ein sehr beliebtes Touristenziel. Er ist beliebt, weil die Bahnhöfe und der Zug an die gute alte Zeit Japans erinnern und er verschiedene Orte von der Innenstadt über die Berge und die Rückseite der Häuser bis zum Meer verbindet.

Diese Gegend und der Enoden-Zug sind Schauplatz vieler Dramen, Filme, Anime und Manga. In den vergangenen Jahren sind die Fans dieser Werke hierhergekommen, um den realen Ort zu sehen und die Stimmung der Protagonisten mitzuerleben.

Die Burg in Odawara

Als ein wichtiger Knotenpunkt der Vergangenheit ist die Burg in Odawara und die umliegende Stadt ein beliebtes Urlaubsziel. Von der Burg hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt, in der man zahlreichen kulturellen Aktivitäten nachgehen kann. Odawara bietet beispielsweise eine sehr lebhafte Geisha Kultur und bietet neben Teezeremonien verschiedenste Workshops an. Hier hat man mitunter die Möglichkeit, unter der Aufsicht eines Sensei einen Lampenschirm mithilfe der Technik eines traditionellen japanischen Regenschirmes, Wagasa genannt, herzustellen.

Die Burg in Odawara. Foto: Susann Schuster, Unsplash
Die Burg in Odawara. Foto: Susann Schuster, Unsplash

Viel zu entdecken

Kanagawa bietet mit seiner praktischen Lage nahe der Hauptstadt Tokyo viele Möglichkeiten, Tagesausflüge oder mehrtägige Trips in die Präfektur zu unternehmen. Hier gibt es die Geschichte des Übergangs vom alten Japan in die Moderne. Die Menschen in Kanagawa sind stolz auf ihre Präfektur und möchten jeden herzlich dazu einladen, sie zu besuchen. Auf der offiziellen Tourimuswebseite von Kanagawa gibt es die zahllosen Facetten der Region zu entdecken.

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