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Kommentar: Mich kennt doch eh keiner! – Peinliches Fehlverhalten in Japan

Ausländer verhalten sich in Japan nicht selten daneben – sei es aus Unwissenheit oder aber aus mangelnder Bereitschaft, sich anzupassen. Derartiges Fehlverhalten kann zuweilen auch für Außenstehende sehr unangenehm werden. Ein Kommentar von Runeko.

Wenn man für längere Zeit im Ausland ist, fängt man irgendwann von ganz alleine an, sein Verhalten an das der Einheimischen anzupassen – oder vielleicht doch nicht? Das kommt ganz auf die persönliche Einstellung an, die man mitbringt. Für mich persönlich ist es selbstverständlich, mich anzupassen und nach Möglichkeit Fettnäpfchen zu vermeiden, um nicht unnötig negativ aufzufallen. Denn mir ist eine Sache bewusst: Wenn ich mich daneben verhalte, fällt das negativ auf das Bild aller Ausländer zurück. Doch leider habe ich in meiner Zeit in Japan mehr als genug Erfahrungen mit Leuten gemacht, denen das gelinde gesagt am Arsch vorbei gegangen ist.

Dieser Kommentar ist Teil einer Reihe von Erfahrungsberichten über das Fehlverhalten von Ausländern in Japan und soll einige Situationen beleuchten, in denen man als Ausländer in Japan nicht anders kann, als sich für seinesgleichen zu schämen. Den ersten Teil findet ihr hier.

Wo ist das Problem? Mich kennt doch eh keiner!
Situation 1: Wir sitzen im Zug auf einem unserer vielen Tagestrips und unterhalten uns ausgelassen, aber nicht zu laut. Immerhin ist laut sein in Japans öffentlichen Verkehrsmitteln ein absolutes No-go! Selbst Telefonieren ist in Zügen tabu und Anrufe werden für gewöhnlich mit einem „Sorry, bin gerade im Zug. Ich rufe später zurück.“ abgewimmelt.

Doch plötzlich fängt eine von uns lauthals an zu lachen. Sofort spüren wir alle dieses seltsame Unbehagen und tatsächlich, wir werden von allen Japanern um uns herum angestarrt. Schnell versucht jemand anders die Situation zu retten: „Psst! Mach mal etwas leiser, wir werden schon angestarrt!“ Doch anstatt Einsicht zu zeigen, fährt die Person in ähnlich lautem Ton fort: „Ach das ist mir doch egal! Mich kennt hier sowieso keiner, also was soll‘s?“

Haltet schon mal Plätze frei!
Situation 2: Besuch aus Deutschland. Unser Ausflug nach Nagoya neigt sich dem Ende zu und wir machen uns auf den Weg zum Zug. Der Rest will allerdings unbedingt noch mal schnell zu McDonalds und auf die Toilette, also sollen mein Freund und ich schon mal Plätze frei halten.
Dazu muss man sagen, dass das mit den Zügen in Japan etwas anders geregelt ist als bei uns. Zuallererst einmal gibt es vorgeschriebene Stellen für jede Tür, an denen man sich ordentlich in Zweierreihen anstellt und wartet. Sobald der Zug da ist, steigt man gesittet ein, sucht sich einen Platz und gut ist. Plätze freihalten und dabei andere Fahrgäste behindern – das geht überhaupt nicht.

Wir hatten Glück und der Rest der Gruppe war zurück bevor der Zug ankam. Auch hinter uns hatten sich gerade einmal ein oder zwei Leute angestellt, sodass die strafenden Blicke von der Seite eher gering ausfielen, als sich der Rest unserer Gruppe dazwischen schob.
Als der Zug dann ankommt, gibt es ein einziges Chaos bei dem Versuch, die gesamte Truppe auf zwei Vierer nebeneinander zu verteilen. Die Japaner dahinter sind genervt, mein Freund und ich schieben uns unauffällig in einen Zweier und tun so, als gehören wir nicht dazu.

Bikini im Onsen
Situation 3: In einem Onsen in Tokyo. Ein japanisches Onsen kann vermutlich am ehesten mit einer Saunalandschaft bei uns verglichen werden. Die Bereiche sind nach Geschlechtern getrennt und man betritt den Badebereich maximal mit einem Handtuch bekleidet. Außerdem ganz wichtig: Vor dem betreten der Becken muss man sich gründlich – und zwar wirklich gründlich – waschen.

Eine Person aus der Gruppe hielt all das jedoch nicht für notwendig und betrat das Onsen prompt im Badeanzug. Und als wär das nicht schon genug, lief sie schnurstracks auf die Becken zu, ohne die Waschstellen auch nur eines Blickes zu würdigen.

Zugegebenermaßen, hier war ich nicht persönlich dabei und kann mich daher nur auf die Erzählung meiner Bekannten berufen. Doch jedes Mal wenn ich darüber nachdenke, läuft es mir eiskalt den Rücken runter und ich bin froh, nicht dabei gewesen zu sein. Ansonsten wär ich vermutlich vor Scham im Boden versunken.

 

Für mich persönlich das Traurigste an der ganzen Sache ist, dass sich viele Leute darüber aufregen, wenn sich Ausländer in Deutschland nicht angemessen verhalten. Sie selbst hingegen verhalten sich im Ausland jedoch wie die Axt im Wald. Wer nicht gewillt ist, sich zumindest in einem gewissen Maß an die jeweiligen Verhaltensnormen anzupassen, hat nichts im Ausland verloren. Weder in Japan, noch in Deutschland noch in irgendeinem anderen Land dieser Welt. Bei Touristen mag das noch als Unwissenheit zu verzeihen sein, aber wenn man über die Verhaltensnormen Bescheid weiß und dennoch nicht gewillt ist, sich anzupassen, dann sollte man lieber zu Hause bleiben.

Im Übrigen hat mich das Buch Die Axt im Chrysanthemenwald unglaublich gut auf meinen Auslandsaufenthalt vorbereitet und mich vor einigen Fettnäpfchen bewahrt. Es ist nicht nur informativ, sondern auch wahnsinnig amüsant. Wenn ihr also ähnlich peinliche Situationen vermeiden wollt, kann ich es nur wärmstens empfehlen. Ohne die Bereitschaft, sich anzupassen, geht jedoch gar nichts! 😉

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3 Kommentare

  1. Tja, und all unsere deutschen Weeaboos wollen nach Japan gehen und die Sau rauslassen, wie? Ich an deren Stelle würde mir echt überlegen, ob ich mich wirklich blamieren will. Die denken auch, dass sich die Japaner so verhalten wie in den ganzen Animes, aber am Ende werden sie feststellen, dass sich die Japaner bedeutend normaler verhalten als diese ganzen Weeaboos selbst. Da ist keiner in Japan, der irgendwo mit einer Katana rumläuft oder in einer einsamen Ecke irgendwelche Jutsu-Techniken trainiert.

    Aber was weiß der deutsche Durchschnitts-Otaku schon von Japan? Von ein bisschen Anime angucken und Mangas lesen wird man noch lange kein Japan-Experte.

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