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Minimalismus und nachhaltiger Lifestyle

Wenn man die japanischen Inseln auf einer Landkarte sieht, denkt man vielleicht, dass es doch eigentlich genügend Platz und Wohnraum für die etwas über 125 mio. Einwohner geben sollte. Doch von der ganzen Landfläche sind nur etwa 20% (die Küstenregionen) tatsächlich bewohnbar, denn der Rest besteht aus Gebirgen und aktiven Vulkanen.

Es ist also kein Wunder, dass die Menschen sich in den Großstädten entlang der Küsten Japans drängen. Die Meisten müssen sich deshalb mit sehr wenig persönlichem Wohnraum begnügen. Dieser Mangel an Platz führt allerdings auch zu Kreativität im Umgang mit Platz. So schlafen viele Japaner nicht in einem geräumigen Bett, sondern auf Futon-Matten, die sie tagsüber in einem Wandschrank (Oshiire) verstauen, um das Zimmer für andere Zwecke zu nutzen. Aufgrund des Platzmangels haben sich viele Japaner auch dazu entschieden ihre Wohnung in einem minimalistischen Stil einzurichten und bewusst schlicht zu halten.

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Bild: wanamour

Tradition des Minimalismus

Das Konzept des Minimalismus existiert in Japan in der einen oder anderen Form schon seit dem Mittelalter. Damals kam gerade der Zen-Buddhismus in Japan auf und mit dieser Bewegung wurde der Minimalismus Gedanke, also die Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche, deutlich stärker. Eine der Schlüsselpersonen war der Mönch und Teemeister Sen no Rikyu. Er veränderte die Teezeremonie zu der Form, die sie auch heute noch innehat. Zuvor waren eher elaborierte Zeremonien und Tee-Räume mit viel Prunk beliebt. Man wollte seinen Reichtum zur Schau stellen und servierte den Tee in feinen, handbemalten Teeschalen aus China. Doch dies änderte sich grundlegend mit dieser Reform. Sen no Rikyu entfernte alles aus der Teezeremonie, was die pure Erfahrung stören könnte und begann außerdem  japanische Teeschalen im schlichten Wabi-Sabi Stil zu verwenden. Mit diesen Maßnahmen sollte es den Teilnehmern einer solchen Zusammenkunft erleichtert werden, sich ohne Störung auf das Wesentliche zu konzentrieren und ihren Blick in sich hinein und gleichzeitig nach außen zu lenken. Genau diese Intention verkörpert auch der Minimalismus.

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Bild: wanamour

Eine andere Form des Minimalismus in der traditionellen, japanischen Kultur zeigt sich in Form von Blumen- und Pflanzengestecken. Ikebana vereint in sich sowohl den Gedanken des Minimalismus und der klaren Struktur, als auch den Gedanken des Wabi-Sabi. Bei der Wahl der Pflanzen gelten einige Regeln, die diese Konzepte in die Kunst integrieren sollen. So wählt der Ikebana-Meister stets eine ungerade Anzahl von der gleichen Blume für das Zentrum des Werks (da auch die Natur selten gerade Zahlen von etwas hervorbringt). Das Gesteck darf außerdem nicht zu voll aussehen, auch wenn viele verschiedene Pflanzen verwendet werden dürfen. Das Kernelement dieser Kunst ist, bei dem Betrachter den Eindruck von Perfektion und Ordnung in der Unperfektion zu erwecken und mit dem Arrangement eine Geschichte zu erzählen.

Moderner Lifestyle & japanisches Design

Japan sieht auf eine lange Geschichte des Minimalismus zurück und daher ist es wohl kaum verwunderlich, dass er auch im modernen Leben der meisten Japaner eine Rolle spielt. Seit einigen Jahren gewinnt die Bestsellerautorin Marie Kondo mit ihrer Aufräum-Methode auch international immer mehr an Bekanntheit und Beliebtheit. Sie sagt, dass die Umgebung, in der sich jemand befindet auch Auswirkung auf den inneren Zustand dieser Person hat. Wenn man sich also nur mit Gegenständen umgibt, die für einen selbst Glück und Freude ausstrahlen, wird man auch innerlich glücklich und zufrieden. Noch eine Stufe weiter geht dann das Dan-Sha-Ri-Prinzip. Dan = Verzicht, Sha = Wegwerfen und Ri = Freiheit sind die Kernpunkte dieser Methode. Man behält nur die Gegenstände, die man gerade braucht, wirft alles Andere weg und verzichtet auf zusätzliche Dinge. Durch diese drastische Entrümpelung soll dann laut der Autorin Hideko Yamashita auch die Seele aufgeräumt und frei werden.

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Bild: wanamour

Doch nicht nur als Lifestyle findet sich der Minimalismus in Japan, sondern auch im Produktdesign. Besonders in den Werken der weltberühmten Designer Kenya Hara und Naoto Fukasawa sieht man den Gedanken der Reduktion verkörpert. Sie schaffen mit ihren Konzepten von Schlichtheit und bewusst leerem Raum für Interpretation, Produkte, die auch über die Landesgrenzen Japans hinaus große Beachtung finden.

Minimalismus und Nachhaltigkeit

Heutzutage werden die Wörter Minimalismus und Nachhaltigkeit meist in einem Atemzug genannt. Der moderne, minimalistische Lebensstil geht meist auch mit der Benutzung von nachhaltigen Produkten und einer grundsätzlich nachhaltigen Verwendung von Gegenständen einher. Denn diese zwei Konzepte wurden aus unterschiedlichen Teilen des gleichen Problems geboren, die wohl recht deutlich die Zeichen der Zeit zeigen. Über-Konsum, Einwegprodukte und die daraus folgende Umweltverschmutzung in den letzten Jahrzehnten sind der Grund für die erneute Beliebtheit dieser Lebensstile.

Im Gegensatz zu den Ansätzen der KonMari- und Dan-Sha-Ri-Methode, bei denen unnötige Produkte (einfach) weggeworfen werden, tendieren viele Leute mit nachhaltigem Lifestyle dazu, die “unnötigen” Produkte weiter zu geben, an Personen für die sie nötig sind. Falls man sich doch nicht von einigen Besitztümern trennen möchte, gibt man ihnen eine neue Funktion und macht sie dadurch zu nötigen Gegenständen, recycelt sie also. Genau diesen Gedanken des Recyclings und Upcyclings machen heutzutage auch viele Unternehmen (Tendenz steigend) zu ihrem Fokus.

Nachhaltige Produkte – Made in Japan

Auch japanische Firmen erstellen in Kollaboration mit Designern neue Produkte, die sowohl nachhaltig, langlebig als auch ein schlichtes Design haben. Der Papierhersteller Onao hat mit dem Designer Naoto Fukasawa die Produktlinie SIWA erstellt. Das Material für diese Produkte wird mit der traditionellen Washi-Suki-Methode aus recycelten, verkleinerten PET-Flaschen und Textilien hergestellt. Dadurch entstehen aus alten Plastik- und Polyester-Produkten neue und praktische “Papierprodukte” wie zum Beispiel Handtaschen oder Portemonnaies, die federleicht, wasserabweisend und reißfest sind.

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Bild: wanamour

Eine andere japanische Firma (Teruko), verwendet Kimonostoffe für den Umschlag ihrer Notizbücher. Doch werden dafür nicht extra neue Stoffe produziert, sondern die übrig bleibenden Stoff aus der Kimono-Produktion verwendet. Diese Überreste würden ansonsten einfach weggeworfen, da sie zu klein sind um weiter bei der Herstellung von Kimonos verwendet zu werden. Doch sie haben die perfekte Größe für den Einband der Notizbücher. Durch diese Weiterverwendung entsteht ein weiteres nachhaltiges Produkt, an dem sich Leute erfreuen können.

Weitere Produkte wie diese findet man auch in dem Online Store Wanamour, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, diese umweltfreundlichen, minimalistischen und schönen Produkte aus Japan auch in Europa bekannt zu machen. Neben den Produkten gibt es bei Wanamour auch einen Japan Blog, in dem in regelmäßigen Abständen, Beiträge zur traditionellen Herstellung von japanischem Kunsthandwerk, Keramik und Porzellan, sowie zu den Themen Design, Lifestyle, Essen und Reiseinspirationen in Japan erscheinen.

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