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Moderner Buddhismus: Medien und Meditation

Nachdem wir bereits die Bekanntschaft mit den Entertainment-Strategien des Modernen Buddhismus gemacht haben, werfen wir nun einen Blick auf die Medien und sonstigen Bemühungen um die Aufmerksamkeit der nicht-ganz-so-gläubigen Japaner.

Printmedien

Praktisch jede der großen buddhistischen Dachverbände in Japan bietet die Möglichkeit, eine Zeitschrift zu abonnieren. Dort finden sich neben Lehrreden auch Berichte zu Veranstaltungen, oder Beiträge zu aktuellen Themen.

Buddhismus: Zeitschriften und sonstige Medien bringen die Botschaft an den Mann (Foto: Copyright by Shinnichi Tatamika)
Buddhismus: Zeitschriften und sonstige Medien bringen die Botschaft an den Mann (Foto: Copyright by Shinnichi Tatamika)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch während Zeitschriften wie das „Hōgen“ (法眼) und „Zen no tomo“ (禅の友) auf einzelne Traditionen beschränkt bleiben, gibt es auch den Versuch, schulübergreifend den Buddhismus durch Magazine populärer zu machen.

Bereits seit 1946 gibt es die „Bukkyō Times“ (仏教タイムス). Deutlich moderner kommen die „Freestyle Monks“ (furīsutairu sōryo-tachi 僧侶たち) in ihrem Magazin daher. Dort findet der Leser diverse Informationen über Veranstaltungen wie Gesprächskreise, Meditationsgruppen für Berufstätige usw.

Da der Buddhismus traditionell mit Gelehrsamkeit verbunden wird, ist es wenig verwunderlich, dass neben Zeitschriften und alten Sutras auch buddhistische Gegenwartsliteratur existiert.

Neben Lebenshilferatgebern populärer Geistlicher wie dem Shinshū-Priester Koike Ryunosuke (小池龍之介), dessen Bücher Millionenauflage erreichen, sind auch Romane ein Weg, den Buddhismus zu vermitteln – etwa die Werke des Rinzai-Priesters Sōkyū Gen’yū (玄侑宗久)

Das Internet und Online-Medien

Dass zahlreiche religiösen Organisationen über eigene Webseiten verfügen ist nicht besonders erwähnenswert. Allerdings gehen einige Gemeinschaften und Einzelpersonen deutlich weiter und greifen vollumfänglich auf die Möglichkeiten des Web 2.0 zurück.

Wer etwa peinlichen Niesreiz aufgrund von Räucherwerk fürchtet und dennoch nicht auf geistliche Belehrung verzichten will, für den gibt es beispielsweise mit der Webseite Higan.net unter dem Namen „Higanji“ (彼岸寺) eine Art Online-Tempel.

Dort verfassen neben dem Gründer Matsumoto Shokei auch Geistliche anderer buddhistischer Traditionen Gastbeiträge, oder geben Interviews.

Vielleicht das beste Beispiel für den buddhistischen „Mönch 2.0“ in Japan ist jedoch Taigu Gensho (大愚元勝), der zur Sōtō-Tradition gehört.

Gensho betreibt eine Webseite, hat einen Twitter-Account und eine Facebook-Seite. Dort teilt der Mönch seine Ratgeber-Videos zu Lebenskrisen, die er regelmäßig auf dem Videoportal YouTube hochlädt.

Doch auch Podcasts sind natürlich längst eines der Medien um moderne Menschen anzusprechen und so bietet nicht nur Taigu, sondern beispielsweise auch Radio Nikkei mit „mimi de kiku sōtōshū no oshie“ (耳で聞く曹洞宗の教え) einen kostenlosen buddhistischen Podcast.

Smarter Buddhismus

Moderne Smartphones können nicht nur als Hilfsmittel zum Erlernen der japanischen Sprache und Schrift genutzt werden – längst gibt  es auch Apps, mit denen die buddhistische Praxis für den modernen Menschen mobiler gemacht werden soll.

Zen-Buddhismu und neue Medien - die Smartphone-App: Kokoro no Kagami (Screenshot: Sumikai)
Zen-Buddhismus und neue Medien – die Smartphone-App: Kokoro no Kagami (Screenshot: Shinnichi Tatamika)

So bietet „Kokoro no kagami“ (心の鏡) die offizielle App der Sōtōshū zahlreiche Funktionen – darunter eine Zazen-Anleitung, Rezitationstexte, Sutra-Schreibübungen und eine Standortsuche für Tempel in Japan.

Die App „Undō“ (雲堂) wurde dagegen unter Mitwirkung des Mönchs Seigaku (星覚) entwickelt, und dient ausschließlich der Hilfestellung für die Sitzmeditation.

So liefert sie sowohl die traditionellen akustischen Signale für den Ablauf, die Möglichkeit, sich bei Schläfrigkeit „wecken“ zu lassen – und die Option, die absolvierte Sitzdauer per Twitter zu teilen.

Weitere Apps sollen beispielsweise Hilfestellungen beim Erlernen von Rhythmus und Melodie buddhistischer Hymnen (goeika 御詠歌) bieten.

Veranstaltungen

Traditionelle Schrein- und Tempelfeste sind längst nicht mehr der einzige Berührungspunkt zwischen Bürgern und Religion, denn man versucht nun auch mit neuen Angeboten auf Tuchfühlung zu gehen.

Das „Kōgen“ (向源) ist ein Kulturfestival, das als Folge der Tohoku-Katastrophen 2011 entstand, um sowohl junge Menschen zum Erhalt der Kultur motivieren, als auch Betroffenen eine Auszeit von den Sorgen zu ermöglichen.

Es handelt sich um keine religiöse Zeremonie, so dass buddhistische Tempel und Shintō-Schreine gemeinsam Veranstaltungen organisieren. Menschen die sonst keine Zeit haben, können hier durch traditionelle Aktivitäten wie Ikebana und Rezitationen wieder etwas zu sich selbst finden.

Neben musikalischen Vorführungen werden auch Vorträge zu modernen Themen wie „Shintō und Manga“ mitorganisiert und das Thema „Religion“ auch über konfessionelle Grenzen vermittelt.

Rent a Monk

Wer den örtlichen Gemeindetempel mit dem Familiengrab wegen der Kosten scheut, aber dennoch Wert auf die Anwesenheit des Priesters vor Ort legt, hat heutzutage auch andere Wege, das Seelenheil seiner Ahnen zu garantieren.

Digitaler Buddhismus und Medien: Mietmönche von Minrevi auf Amazon.co.jp (Copyright: Minrevi/Amazon Japan)
Digitaler Buddhismus und Medien: Mietmönche von Minrevi auf Amazon.co.jp (Copyright: Minrevi/Amazon Japan)

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch die „manshion bōzu“ (マンション坊主) oder „Wohnungsmönche“, die ihre Dienste nicht als Beschäftigte eines Tempels, sondern als Privatpersonen anbieten, gibt es eine erste Alternative.

Für heftige Kontroversen sorgte im Dezember 2015 das Unternehmen Minrevi mit dem Discount-Angebot von religiösen Dienstleistungen über den Online-Händler Amazon. Die Preise dieser Mietmönche liegen zwischen 35.000 und 65.000 Yen.

Die „Mietmönche“ selbst gehören zwar bereits sehr mehreren Jahren zum Angebot des Unternehmens, die Nutzung des Online-Händlers Amazon stellte jedoch in der Tat eine Neuerung dar.

Noch im selben Monat legte die „Japan Buddhist Federation“ offiziell Protest gegen den wortwörtlichen „Ausverkauf“ der Religion ein und veröffentlichte eine entsprechende Erklärung.

Der Popularität der Mönchsbuchungen tut dies jedoch offenbar keinen Abbruch und so kann das Angebot durchaus als Beispiel für erfolgreiches Religionsmarketing dienen.

Religiöser Kommerz

Keine Präfektur, Stadt, oder größeres Unternehmen in Japan kommt ohne Maskottchen (yuru-chara ゆるキャラ) aus und dabei spielen natürlich auch Religionen ihre Rolle, auch wenn sie den meisten Besuchern nicht sonderlich viel Ehrfurcht einflößen dürften.

Medien, Buddhismus und Kommerz: Hello Kitty in der Eiheiji-Version (Copyright Sanrio/Shinnichi Tatamika)
Medien, Buddhismus und Kommerz: Hello Kitty in der Eiheiji-Version (Copyright Sanrio/Shinnichi Tatamika)

So wirbt Monzen in der Präfektur Ishikawa mit dem glatzköpfigen „Mon-chan“ (もんちゃん).

Das Maskottchen hat sein mönchisches Aussehen dem dortigen Tempel Sōjiji-Sōin (総持寺編) zu verdanken.

Die Gemeinde Eiheiji (永平寺) in der Präfektur Fukui schuldez sowohl ihren Namen, als auch das Maskottchen Eibo-kun (えい坊くん) dem dortigen Kloster.

Eibo-kun erinnert mit seinem Takuhatsu-Strohhut und dem Rakusu-Latz an die dort lebenden Mönche – ebenso wie die lokale Eiheiji-Version der beliebten Hello Kitty.

Fazit

Der Buddhismus ist in Japan nicht unbedingt im Alltag präsent, seine Anhänger schaffen es jedoch immer wieder, auch im 21. Jahrhundert die Aufmerksamkeit der Menschen auf die mehr als 2.500 Jahre alte Lehre zu lenken, ohne deswegen offensiv missionarisch auftreten zu müssen.

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