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Musik-Special: Biwa – Japanische Instrumente (Teil 4)

Die “Biwa 琵琶” ist eine kurzhalsige, gebundene Laute, welche oft als Begleitung für Erzählungen eingesetzt wird. Die Biwa wird als das auserwählte Instrument von Benten, der Göttin der Musik, der Redegewandtheit, der Bildung und der Poesie angesehen. Ursprünglich erreichten zwei Formen des Instruments Japan. Mittlerweile hat sich die Anzahl der Typen allerdings mehr als vervierfacht.

Geschichte

Die Biwa erreichte Japan im 7. Jahrhundert und stammt vom chinesischen Instrument “Pipa” ab. Diese Form trägt auch den Namen “Gaku-Biwa” und wurde in Gagaku-Ensembles gespielt. Allerdings erreichte auch ein weiterer Typ das japanische Gebiet Kyushu. Dieses Instrument war sehr dünn und trug den Namen “Kojin-Biwa”. Diese fand Verwendung in religiösen Ritualen und Zeremonien.

Als jedoch nach kurzer Zeit das Ritsuryo-System kollabierte, suchten die Hofmusiker, welche unter der Restaurierung litten, Asyl in buddhistischen Tempeln. Dort nahmen sie die Rolle von buddhistischen Mönchen ein und begegneten der “Kojin-Biwa.” Dies führte dazu, dass versucht wurde, die Vorteile des kleineren Schwesterinstruments in die “Gaku-Biwa” zu integrieren, wodurch die “Heike-Biwa” entstand. Diese erhielt ihren Namen dadurch, dass sie hauptsächlich zur Untermalung der Geschichte “The Tale of the Heike” zum Einsatz kam.

Biwa © By Kazuhisa OTSUBO - Flickr: Japanese lute / 琵琶, CC BY 2.0, Link
Biwa © By Kazuhisa OTSUBOFlickr: Japanese lute / 琵琶, CC BY 2.0, Link

Währen der nächsten Jahrhunderte entwickelten sich einige neue Musikstile und Instrumententypen. In der Kamakura-Zeit galt die “Heike-Biwa” bereits als berühmtes Instrument. Als Kreuzung zwischen “Gaku-Biwa” und “Kojin-Biwa” weißt sie Merkmale beider Instrumente auf, wie zum Beispiel die abgerundete Form der “Gaku-Biwa” und die Anschlagtechnik der “Kojin-Biwa”, welche mit einem Plektrum gespielt wurde.

Obwohl die moderne “Satsuma-Biwa” und die “Chikuzen-Biwa” beide ihren Ursprung in der “Kojin-Biwa” haben, hatten sie andere Verwendungszwecke. Die “Satsuma-Biwa” wurde zum mentalen Training der Samurai der Satsuma-Domäne verwendet, während die “Chikuzen-Biwa” von buddhistischen Mönchen verwendet wurde, wenn sie auf Privatgeländen Gedenkgottesdienste abhielten und unterhaltsame Geschichten darboten.

Im Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden kaum neue Schriftstücke über die Biwa verfasst. Trotzdem ist bekannt, dass drei verschiedene Strömungen der Biwa-Musik während dieser Zeit umgesetzt wurden. Dazu zählen “Zato”, “Shifu” und “Chofu”. Bei “Zato” handelt es sich um das niedrigste Niveau der von der Regierung kontrollierten Gilde blinder Biwa-Spieler. “Shifu” ist der Name des Samurai-Stils und “Chofu” beschreibt den städtischen Stil.

Biwa
mehrere Biwas © By Jnn, CC BY 2.1 jp, Link

Diese befassten sich gezielt mit “Biwa-Uta 琵琶歌 . Dabei handelt es sich um um Vokalisierung, begleitet mit der Biwa. Außerdem bildeten sie die Grundlage für die “Eto-Uta 江戸歌-Stile”.

Von der Meiji-Periode bis zum Pazifik-Krieg waren die “Satsuma-Biwa” und die “Chikuzen-Biwa” in ganz Japan bekannt. Zu Beginn der Showa-Ära entwickelte sich dann die “Nishiki-Biwa” und erhielt immer mehr Bekanntheit. Von den “alten” Biwas konnte sich zu dieser Zeit nur noch die “Higo-Biwa” durchsetzen. Diese wurde größtenteils von blinden Musikern gespielt und hatte große Ähnlichkeit mit der “Heike-Biwa”. In der Mitte der Meiji-Periode gab es einige Verbesserungen am Instrument und viele leicht verständliche Lieder wurden komponiert.

Zu Beginn der Taisho-Zeit wurde die “Satsuma-Biwa” letztendlich in die “Nishiki-Biwa” umgewandelt, welche sich unter den weiblichen Musikern großer Beliebtheit erfreute. Mit dieser Neuerung gelangte die Biwa zu einem gewissen Wohlstand. Gleichzeitig schafften es die neuen Lieder mit ihren politischen und auch unterhaltsamen Inhalten die Bevökerung einfacher zu begeistern.

Trotzdem wäre die Biwa während der Meiji-Zeit beinahe ausgestorben, da Japan zu dieser Zeit mit westlicher Musik und Instrumenten überflutet wurde. Einige Spieler, wie zum Beispiel Tsuruta Kinshi, schafften es jedoch, die Biwa neu aufleben zu lassen, indem sie neue Stile erschufen und mit westlichen Komponisten zusammenarbeiteten.

Typen der Biwa

Biwas unterscheiden sich in der Anzahl ihrer Saiten, den erzeugbaren Klängen, dem Typ des Plektren und ihrer Aufgabe. Die 7 verschiedenen Typen werden noch einmal in drei verschiedene Gruppen eingeteilt, nämlich die “Klassischen Biwas”, die “Mittelalten und Edo-Biwas” und die “Modernen Biwas”.

Zu den klassischen Biwas zählen die “Gagaku-Biwa”, eine große und schwere Biwa mit vier Saiten und vier Bünden, die “Gogen-Biwa”, ein Instrument welches man oft auf Gemälden von Hoforchestern findet, und die “Kojin-Biwa”, welche für Buddhistische Mantras verwendet wurde.

Zu den mittelalten Biwas zählen die “Heike-Biwa”, eine 4-saitige Laute mit fünf Bünden, und die “Satsuma-Biwa.” Diese hat vier Saiten und vier Bünde, allerdings gibt es auch andere Variationen. Zusätzlich benutzt diese ein besonderes Plektrum.

Die modernen Biwas unterteilen sich in die “Chikuzen-Biwa”, eine Biwa mit vier oder fünf Saiten und Bünden aus der Meiji-Periode und die “Nishiki-Biwa”, eine recht neue Gattung mit fünf Saiten und Bünden.

Allgemein

Normalerweise haben Biwas vier Saiten. Allerdings gibt es auch Formen mit fünf. Die erste Saite ist hierbei meistens die dickste und die letze die dünnste. Der unterschiedliche Saitenumfang soll variierende Klangfarben erzeugen.

Allgemein gesehen gibt es für Biwas keine einheitliche Stimmung. Deshalb können Unterschiede bis zu mehreren Tonabständen auftreten.

Der dazugehörige Gesang ist eher nasal und geprägt von häufigen Glissando. Außerdem wird die Lautstärke der Stimme individuell zu jeder Textpassage angepasst. Der Musiker kann also kaum hörbar oder auch laut, fast schreiend singen. Da Biwa-Performances jedoch durchgehend für kleine Gruppen konzipiert waren, mussten die Sänger ihre Stimmen nicht derartig projizieren, wie es zum Beispiel westliche Opernsänger tun.

Die Musik der Biwa basiert auf der Fünftonleiter, was bedeutet, dass jede Oktave fünf Töne umfasst. Diese Tonleiter beinhaltet gelegentlich auch zusätzliche Töne, aber der Kein bleibt pentatonisch. Der Rhythmus der Stücke erinnert an einen Puls. Trotzdem sind nicht alle Titel “gemessen”, was bedeutet, dass der Takt und die Notenwerte vom Spieler selbst abhängen. Für gewöhnlich beginnen die Stücke jedoch langsam und sanft und entwickeln sich im Laufe des Stücks.

Biwa Plektren
Biwa Plektren © By ObakedakeOwn work, Public Domain, Link

Das Plektrum hat auch einen großen Einfluss auf die Beschaffenheit des Biwa-Klangs. Plektren in unterschiedlichen Größen produzieren unterschiedliche Klangfarben. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Plektrum der “Kojin-Biwa”. Dieses ist größer als das zuvor bekannte Plektrum der “Gaku-Biwa” und erzeugt dementsprechend rauere, energischere Töne. Neben der Größe hat auch das Material des Pleks einen bedeutenden Einfluss auf das Gespielte.

Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

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