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Natsume Soseki – Das Gesicht auf dem 1000-Yen-Schein (Teil 1)

Ein besonderes Jubiläum: Am 9. Dezember jährte sich der Todestag von Natsume Soseki (夏目漱石) zum 100. Mal. Japan erinnert sich in dieser Zeit an einen seiner beliebtesten Schriftsteller. Er zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten der frühen Moderne in Japan – und er ist lange das Gesicht auf dem 1000 Yen-Schein gewesen.

Im ersten Teil berichten wir über Natsumes Kindheit und Jugend bis zur Wahl seines Künstlernamens „Soseki“.

 

Natsume Kinnosuke – Ein ungewolltes Kind

Natsume Soseki wurde 1867 – im letzten Jahr der Edo-Periode – als achtes Kind mit dem Namen Kinnosuke in eine wohlhabende bürgerliche Familie geboren. Seine Eltern waren bei seiner Geburt schon recht alt, sodass sie sich dazu entschieden, Kinnosuke in eine Adoptivfamilie abzugeben. In dieser Zeit galt es für eine Frau als Schande, in hohem Alter noch Kinder zu bekommen. Seine Mutter unterstützte ihn trotzdem liebevoll, so gut es ihr möglich war, während ihn sein Vater als lästig empfand.

Kinnosuke begann sein Leben als ein ungewolltes Kind. Als er neun Jahre alt war, trennten sich seine Adoptiveltern und er wurde zu seiner leiblichen Familie zurückgegeben.

Natsume Soseki
Natsume Soseki auf dem 1000 Yen-Schein © Wikimedia Commons, Link

Er musste seine Eltern fortan „Großvater und Großmutter“ nennen, um der Schande seiner Geburt entgegenzuwirken. Bereits fünf Jahre später starb seine geliebte Mutter. In seinen frühen Jahren prägten ihn so bereits einige Begebenheiten, die er später in seinen Meisterwerken thematisieren würde: Unter anderem die Unsicherheiten des Lebens und die Suche nach einem Platz in der Gesellschaft.

Soseki und die Meiji-Restauration

Natsume Kinnosuke wuchs in einer turbulenten Zeit auf. Anderthalb Jahre nach seiner Geburt begann die sogenannte Meiji-Restauration (meiji-ishin 明治維新), eine Serie von Ereignissen, die einen massiven Umschwung in der Politik, Gesellschaft und Kultur Japans mit sich trug: Nach einer etwa 200 Jahre währenden Abschottung des Landes (sakoku 鎖国) und dem Sturz des letzten Shoguns der Familie Tokugawa wurde eine neue Regierung mit Parteisystem proklamiert, an dessen Spitze der Kaiser (tennō 天皇) erneut eingesetzt wurde.

Das alte Ständesystem mit den Samurai als oberster Instanz wurde nach einigen Unruhen aufgehoben und die gesamte Gesellschaft war mit einem Mal zu „Bürgern“ geworden. Mithilfe von Eliten aus dem Ausland, die man nach Japan lud, um die Modernisierung anzutreiben (sog. o-yatoi gaikokujin お雇い外国人) gelang es in Rekordzeit, das Land in jeder vorstellbaren Möglichkeit zu modernisieren. Inmitten dieser Gesellschaft, die trotz der starken westlichen Einflüsse und Vorbilder darum kämpfte, ihre eigenen Traditionen zu schützen, wuchs Natsume Soseki auf.

Kaiser Meiji
Meiji Tenno © Wikimedia Commons, Link

In der Mittelschule erlangte er großes Interesse an klassischer chinesischer Literatur und in ihm keimte der Wunsch auf, eines Tages selbst ein international bekannter Schriftsteller zu werden. Seine Familie wollte Kinnosuke von seinem Vorhaben abbringen, doch er widersetzte sich und begann 1894 sein Studium an der Reichsuniversität Tokyo (die heutige Universität Tokyo). Dort lernte er wie viele junge Studenten der frühen Meiji-Zeit Englisch in der Hoffnung, dass es ihm eines Tages für seine Karriere von Nutzen sein würde. Über das Fremdsprachenstudium kam er auf die englische Literatur, die zu seinem Steckenpferd wurde.

 

Soseki und Shiki – Eine bemerkenswerte Freundschaft

Im Jahr 1889 traf er auf den gleichaltrigen Masaoka Shiki (1867-1902), der nach seinem Tod zu einem der drei berühmtesten haiku-Poeten Japans erklärt werden wird. Seine Freundschaft zu Shiki, die als eine der berühmtesten Künstlerfreundschaften gilt, brachte Kinnosuke in seinen Ambitionen vorwärts: Shiki unterrichtete ihn in der Kunst der haiku-Poesie und ermutigte ihn, Schriftsteller zu werden.

Masaoka Shiki
Masaoka Shiki © Wikimedia Commons, Link

In diesem Jahr nahm Kinnosuke seinen Künstlernamen Soseki an, der auf die Redewendung sōseki-chinryū (漱石枕流, etwa: „Den Mund mit Steinen auswaschen und den Kopf auf fließendem Wasser betten“) zurückging und mit „rechthaberisch“ und „spitzfindig“ assoziiert wird. Natsume zeigt durch seinen Künstlernamen seine selbstironische Ader.

 

Natsume Soseki – Als Emissär nach England

Sōseki schloss die Universität ab, lehrte ab 1895 die englische Sprache an verschiedenen Schulen und entschloss sich, 1901 als einer der ersten Auslandsstudenten Japans nach England zu gehen. Zwar wurde er von der Regierung mit einem Stipendium bezahlt, doch reichte es kaum zum Leben. Tag und Nacht in seinem engen Zimmer zurückgezogen studierte er die westliche Literatur. Später sagte er dazu:

„Die zwei Jahre, die ich in London verbracht habe, waren die schlimmsten meines Lebens. Ich lebte in Elend zwischen all den feinen englischen Herren, wie ein Straßenköter, der sich in einem Wolfsrudel verirrt hatte.“

Quellen: encyclopedia, britannica, newworldencyclopedia

 

Im zweiten Teil berichten wir euch über Sosekis Schriftstellerkarriere und sein späteres Leben.

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