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Natsume Soseki – Das Gesicht auf dem 1000-Yen-Schein (Teil 2)

Am 9. Dezember jährte sich der Todestag von Natsume Soseki (夏目漱石) zum 100. Mal. Japan erinnert sich in dieser Zeit an einen seiner beliebtesten Schriftsteller. Er zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten der frühen Moderne in Japan – und er ist bis 2004 das Gesicht auf dem 1000 Yen-Schein gewesen.

Im ersten Teil schrieben wir über Sosekis frühes Leben und seinen Weg zum Ruhm. Heute soll es um seine Karriere und seine Werke gehen.

Natsume Soseki als Schriftsteller

Kurz vor seiner Rückkehr aus London nach Japan 1902 starb sein guter Freund Masaoka Shiki, in dessen Zeitschrift namens Hototogisu drei Jahre später das Werk veröffentlicht wurde, das Natsume den Durchbruch als Schriftsteller ermöglichte:

Soseki
Portrait von Natsume Soseki © Wikimedia Commons, Link

Wagahai wa neko de aru („Ich, der Kater“) von 1905 war sein erster Roman, in dem eine Katze als Erzähler die Gesellschaft der Meiji-Zeit satirisch beschreibt. Die Geschichte war als „Skizze des Lebens“ (shaseibun) konzipiert, was die dritte große literarische Strömung der Meiji-Zeit neben dem Naturalismus und dem Realismus darstellte.

Die ersten Sätze des Romans „Wagahai wa neko de aru. Namae wa mada nai.” (In der deutschen von Otto Putz von 1996 beim Insel-Verlag: „Gestatten, ich bin der Kater. Unbenamst bislang.”) kennt jeder Japaner aus seiner Schullaufbahn.Soseki arbeitete nach seiner Rückkehr als Nachfolger des berühmten Schriftstellers Lafcadio Hearn (1850-1904) als Professor für Anglistik an der Reichsuniversität Tōkyō.

Es folgten die Bestseller-Romane Botchan (1906) und Kusamakura (“Das Graskissenbuch”). Ab 1907 entschloss sich Natsume, seine Karriere auf das Schreiben zu fokussieren. Sein Roman Kōfu (“Der Wanderer”) von 1908 wurde ein Kassenschlager. Es folgte die Trilogie von seinen Werken Sanshirō (1908), Sorekara (“Und dann”) von 1909 und Mon (“Das Tor”) von 1910.

Weitere Erfolge erzielte er 1912 unter anderem mit Kōjin (“Der Bergmann”), Kokoro (“Das Herz”) von 1914 und schließlich ein Jahr später mit Michikusa (“Gras am Wegesrand”).

Sosekis Werke – Spiegel einer Gesellschaft im Umbruch

In seinen Werken thematisiert Soseki die im Umbruch zur Moderne befindliche Gesellschaft der Meiji-Zeit und den Konflikt zwischen der Wahrung von Traditionen und der Übernahme neuer Ideen aus dem Westen. Die Hauptfiguren seiner Werke sind zumeist gebildete Männer aus gutbürgerlichen Verhältnissen, die einen inneren Kampf mit ihren eigenen Idealen in einer sich rasch verändernden Welt austragen. Zumeist befinden sich seine Figuren in einer Position der Machtlosigkeit und sehen sich hilflos den Veränderungen ihrer Welt gegenüber.

Einige seiner Charaktere zeichnet Soseki jedoch mit negativen Eigenschaften aus: Sie nehmen völlig unkritisch und naiv die Neuerungen aus dem Westen auf, ohne ihren wahren Wert zu erkennen, brüsten sich sogar damit und sehen die japanische Kultur als unterlegen an. Thematisiert Egoismus, Einsamkeit und Verzweiflung, die Suche nach Glück, Liebe und Sicherheit im Leben, dem eigenen Platz in der Gesellschaft – Dinge, denen sich die Menschen in Japans früher Moderne in konfrontiert sahen.

Soseki war kein Gegner der Modernisierung seines Heimatlandes, doch sah er die Entwicklung kritisch. Er fürchtete, Japan würde wegen der raschen Nachahmung des Westens und dem ständigen Wettrennen mit den anderen Weltmächten irgendwann zusammenbrechen. Auch sah er den neu aufkommenden Nationalstolz als gefährlich an und fürchtete sich vor den Konsequenzen in der Zukunft. Seine Aussagen wirken in Anbetracht der Ereignisse im späteren zweiten Weltkrieg und Japans Panasienbewegung beinahe prophetisch.

Natsume Sosekis kulturelle Bedeutung

Das Multi-Talent Soseki machte sich nicht nur als Roman-Autor einen Namen:

Poster zum TV-Drama “Natsume Soseki no tsuma” © NHK, Link

Er war auch als Dichter von Kurzgedichten wie haiku und chinesischer Poesie (kanshi) bekannt, verfasste zahlreiche autobiographische Kurzgeschichten, war ein gefeierter Literatur- und Gesellschaftskritiker, trieb die Modernisierung der japanischen Literatur voran, war einer der ersten Übersetzer englischer Literatur ins Japanische und verdingte sich auch als Maler.
Seinen letzten Roman „Meian” konnte Soseki nicht mehr vollenden – am 09.12.1916 starb er an den Folgen eines Magengeschwürs, das ihm lange Zeit gesundheitlich zugesetzt hatte.

Er hinterließ seine Frau Kyōko (über die seit September in Japan ein TV-Dorama namens „Natsume Sōseki no tsuma”, Sumikai berichtete) und sieben Kinder, von denen einige für ihr künstlerisches oder wissenschaftliches Werk selbst berühmt wurden.

Natsume Soseki
Natsume Soseki auf dem 1000 Yen-Schein © Wikimedia Commons, Link

Wegen seiner hervorragenden Werke und seines Wirkens in verschiedensten Bereichen der Kunst und Kultur gilt er als Pionier der modernen Literatur Japans und als Inspiration für folgende Generationen namhafter Schriftsteller wie Akutagawa Ryūnosuke (1892-1927) oder Nogami Yaeko (1885-1985). Sosekis Werke sind eine Symbiose der kunstvollen Traditionen Japans und der innovativen Einflüsse aus dem Westen und auch in der heutigen Zeit noch aktuell und gern gelesen.

Kein Wunder, dass so eine Persönlichkeit lange Zeit den 1000 Yen-Schein zierte, oder?

Mehr zum Thema: encyclopedia, britannica, newworldencyclopedia

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