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Obon – Das buddhistische Ahnengedenkfest in Japan

Jedes Jahr findet in Japan das Obon (お盆), ein Fest zum Gedenken an die Ahnen statt. Zum Obon-Fest erinnern sich die Japaner an die verstorbenen Angehörigen, die nach buddhistischem Glauben einmal im Jahr aus dem Jenseits zurückkehren und zu ihren Häusern und Familien zurückkehren.

Doch wer die traditionellen Gebräuche einmal selbst sehen will, sei gewarnt – zu Obon kehren nicht nur die Verstorbenen zurück, sondern nahezu das ganze Land ist auf den Beinen, um in ihren Heimatorten die Ahnen begrüßen zu können.

Somit ist die Zeit um das Ahnenfest zwischen dem 13. und 16. August neben der so genannten „Goldenen Woche“  ein große Reise-Saison (die genauen Daten variieren leicht aufgrund regionaler Gebräuche).

Die Legende des Obon

Das Obon geht auf eine buddhistische Legende zurück, der zufolge Mokuren (目犍連), ein Schüler des Buddha, die Fähigkeit zur übernatürlichen Wahrnehmung hatte und seine Mutter kopfunter hängend in einer der Höllen wiedergeboren sah.

Hungergeister erhalten zu Obon endlich Hilfe (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)
Hungergeister erhalten zu Obon endlich Hilfe (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)

Mokuren bat verzweifelt den Buddha um Rat und dieser riet ihm, die Mönche der Gemeinschaft am 15. Tag des 7. Mondmonats mit Speisen zu versorgen. Durch diese Tat würden die Leiden der Mutter gelindert.

Hintergrund ist der Glaube an „hungrige Geister“ (gaki 餓鬼), die aufgrund ihrer großen Bäuche zwar beständigen Hunger haben, deren Mund jedoch winzig ist. Außerdem soll jede Speise, die sie berühren, in Flammen aufgehen.

Durch die Spende an die Mönche, die heilige Texte lesen, sollen diese Speiseopfer dann zu Obon auch für diese armen Wesen verzehrbar werden.

Tatsächlich geht man heute davon aus, dass das Sutra, in dem diese Legende steht (urabon-kyō 盂蘭盆經) nicht zu Lebzeiten des Buddha verfasst wurde, sondern erst in China entstand. Dort ist der Glaube an Ahnengeister deutlich prominenter, als in Indien.

Der wirkliche Hintergrund könnte somit vielmehr eine Verbindung des hinduistischen Lichterfestes Divali mit der Speisung der Ahnen sein – und sowohl Licht als auch Nahrung spielen im Verlauf des Obon eine große Rolle.

Beginn des Obon – Begrüßung der Ahnen

Wie so oft, passten die Japaner die ursprünglichen Termine des chinesischen Mondkalenders der modernen Zeitreichnung an, so dass diese Riten in Japan nun zumeist erst im August stattfinden.

Am Abend des 13. August werden in Japan Willkommensfeuer, die „kadobi“ (門火) oder „mukaebi“ (迎え火) entzündet, die den zurückkehrenden Ahnen den Weg weisen sollen. Traditionellerweise handelt es sich dabei um Hanfstengel oder Kiefernzweige.

Obon-Willkommensfeuer für die Ahnen (Foto: Photozou, kontenten cc-by-nd)
Obon-Willkommensfeuer für die Ahnen (Foto: Photozou, kontenten cc-by-nd)

Da heutzutage nicht mehr jeder ein entsprechendes Grundstück für öffentliche Feuer hat, dienen auch die entsprechenden Laternen (bon chōchin 盆提灯) am Hausaltar dem selben Zweck.

Auch wenn es eigentlich ein Fest ist, bei dem die Ahnen ihren Angehörigen einen Besuch abstatten, gehen einige Familienangehörige zu Beginn auf den Friedhof.

Dort werden die Grabsteine gereinigt, Unkraut entfernt und neues Räucherwerk entzündet, um dann mit einer kleinen Opfergabe die Verstorbenen nach Hause einzuladen.

Riten während des Obon

Während des Obon ist Nahrung von besonderer Bedeutung und so wird ein spezieller Tisch (bondana 盆棚) aufgestellt. Hier finden sich neben den Ahnentafeln und den Bon-Laternen täglich wechselnde Speiseopfer.

Botamochi/Ohagi zu Higan bzw. Obon (Foto: Wikimedia Commons, tomomarusan cc-by)
Botamochi anlässlich des Obon Festes (Foto: Wikimedia Commons, tomomarusan cc-by)

Am Abend des 13. August werden Reisklöße mit einer süßen Soße als „Willkommensklöße“ (omukae dango お迎え団子) serviert.

Am 14. August opfert man den Ahnen traditionellerweise Nudeln.

Am. 15. August folgt die Speisung mit Süßspeisen-Opfern (osonae gashi お供え菓子).

Ursprünglich waren dies einfache Gerichte wie beispielsweise Botamochi (牡丹餅) – Reisklöße, die von außen mit einer Paste aus roten Bohnen (an あん) versehen sind.

Heutzutage sind auch farbenfrohe Speiseopfer aus  in Form von Obst, Chrsyanthemen und Lotosblumen verbreitet.

Auch ungekochter, mit fein geschnittenem Gemüse vermischter Reis, ist eine der rituellen Gaben und wird in kleinen Häufchen auf Blättern der Lotosblume, oder des Paulownia-Baums dargebracht.

Zur Verabschiedung am 15. August und als Stärkung für die Reise werden den Ahnen als Speiseopfer „Verabschiedungs-Reisklöße“ (okuri dango 送り団子) angeboten.

In den Tempeln hält man sich übrigens an die alte Zählung, der zufolge das Fest im siebten Monat stattfinden soll, so dass bereits am 15. Juli das „Bon Daisejiki-e“ (盆大施食會), die große Zeremonie der Speiseopfer, stattfindet.

Es handelt sich bei dieser Zeremonie um eine symbolische „Speisung der Hungergeister“ (segaki 施餓鬼) und soll das Leiden der Wesen lindern.

Gebräuche während des Obon

Bei den Gebräuchen zum buddhistischen Totenfest gibt es regionale Unterschiede. Was in einer Region, oder Präfektur seit altersher Brauch sein mag, ist in anderen Gegenden Japans unbekannt. Daher soll an dieser Stelle nur einige der bekanntesten Bräuche genannt werden.

Bon Odori (盆踊り) die traditionellen Tänze, sind vermutlich einer der populärsten Bräuche zum buddhistischen Ahnenfest und so werden sie auch von Japanern, Kulturliebhabern und buddhistischen Gemeinschaften außerhalb Japans begangen.

Bon Odori am Ikegami Honmonji (Foto: YouTube by Back Cat's Creation cc-by)
Bon Odori am Ikegami Honmonji (Foto: YouTube by Back Cat’s Creation cc-by)

Die Tänze sind dabei keine reine Vorführung durch geschulter Tänzer, sondern an den Polonaise-artigen Paraden auf öffentlichen Plätzen, in Parks, oder auf dem Gelände von Tempeln, können auch die Passanten spontan teilnehmen.

Aufgrund der warmen Jahreszeit tragen viele der Tänzer die leichten Sommerkimono (yukata), was die meist abendlich durchgeführten Tänze zu einem farbenfrohen Miteinander von Menschen unterschiedlichster Generationen macht.

Mittelpunkt vieler Tänze ist ein Turm (yagura ) auf dessen Bühne große Taiko-Trommeln den Rhythmus für die Teilnehmer vorgibt. Eine Besonderheit vieler Volkstänze ist es, das sie zu verschiedenen Melodien getanzt werden können, so lange der Rhythmus stimmt.

Weitere Gebräuche zum Obon sieht man dagegen meist nur innerhalb japanischer Haushalte, etwa die heimischen Dekorationen auf dem Bon-Tablett.

Obon: Reittiere für die Ahnen (Foto: Wikimedia Commons, katorisi cc-by)
Obon-Brauch: Reittiere für die Ahnen (Foto: Wikimedia Commons, katorisi cc-by)

Da die Ahnen dem Volksglauben nach Heimreiten und auf Lastentieren die erhaltenen Spenden mitnehmen, werden von den Angehörigen unter Zuhilfenahme von Zahnstochern und Wegwerf-Eßstäbchen entsprechende Reittiere (shōryōuma 精霊馬) gebastelt.

Das schnelle Gurkenpferd steht für das freudige Zurückkehren der Ahnen, während die langsame Auberginen-Kuh für die Lasten zeigen soll, dass sie bei ihren Familien möglichst lange willkommen sind.

Die Reittiere werden entweder vor die Tür, oder auf das Altartablett gestellt.

Ende des Obon – Verabschiedung der Ahnen

Am 16. August kehren die Ahnen wieder in die Jenseitige Welt zurück. So findet an diesem Tag die Verabschiedung der Verstorbenen (shōryō okuri 精霊送り) statt. Hierzu werden erneut Feuer entfacht, die „okuribi“ (送り火).

Berühmt sind die riesigen Feuer in Form von Schriftzeichen und Symbolen an den Berghängen um die alte Kaiserstadt Kyoto. Das weithin sichtbare Spektakel wird „Gozan no okuribi“ (五山送り火) genannt.

Obon - Schwimmende Papierlaternen (Foto: flickr, MIKI Yoshihito cc-by)
Obon-Verabschiedungszeremonie (Foto: flickr, MIKI Yoshihito cc-by)

Die Seelen der Ahnen auf schwimmenden Laternen zu verabschieden (toro nagashi 灯籠流し), ist ein weiterer Brauch zum Ende des Totenfestes.

Er wird jedoch auch zum Gedenken an andere Ereignisse, etwa die Atombombenabwürfe, oder anlässlich der japanischen Kapitulation gepflegt.

Anders als früher, werden die auf Flüssen ausgesetzten kleinen Boote aus Umweltschutzgründen teilweise an der Mündung des Flusses wieder eingesammelt.

Die Bedeutung des Ahnenfestes

Der heutige japanische Name des Festes ist eine Verkürzung des Wortes „urabon-e“ (于蘭盆会) und bezieht sich auf das „kopfunter hängen“ der leidenden Geister.

Diese grausame Vorstellung wird heute teilweise damit erklärt, dass es sich um Verstorbene handelt die keine Verwandten hatten, oder von ihnen im modernen Wortsinn „hängen gelassen“ wurden – da man nicht die üblichen Begräbnisriten für sie durchführte.

Tatsächlich hat das Bon-Fest eine doppelte Bedeutung. Zum einen drückt es die Dankbarkeit gegenüber unseren Vorfahren und im Fall von Buddhisten auch der verstorbenen „Dharma-Vorfahren“ aus, also jene, die bereits vor uns den Weg des Buddha übten.

Zum Anderen ist es aber auch eine Erinnerung an die zahlreichen Menschen, denen gegenüber wir in der Schuld stehen, weil wir ihnen viel verdanken. Dies betrifft auch lebende Personen, wie etwa Familienangehörige und gute Freunde.

Ausgehend von der Legende des Obon hoffen viele Menschen für ihre Eltern auf eine Verlängerung des Lebens und die Freiheit von Leiden.

Der Grundgedanke des Obon – Dankbarkeit und Respekt für die erhaltenen Wohltaten zu empfinden – geht in der modernen Gesellschaft, in der die Dinge oft selbstverständlich zu sein scheinen, oder starkes Konkurrenzdenken herrscht, nur allzu oft unter.

Es geht also nicht nur um ein Fest für die Toten, sondern auch um ein gutes Verhältnis zu allen Lebenden – so dass wir eines Tages diese Welt in Frieden mit uns selbst und anderen verlassen können.

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