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Japan erleben Prostitution, „Trostfrauen“, Versklavung in Japan – Teil 2

Prostitution, „Trostfrauen“, Versklavung in Japan – Teil 2

Der Westen hat einiges in Japan eingeführt und beeinflusst. Unter anderem auch das Christentum.
Im letzten Teil ging es um die Gründe, weshalb Frauen sich für Prostitution entschieden haben und wie mit ihnen umgegangen wurde. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den christlichen Gruppierungen und wie sie sich für Prostituierte einsetzten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu einem Umschwung unter den Prostituierten: Wo sie vorher noch durch ihre Verträge und Schulden gefangen gehalten wurden, suchten sie sich jetzt Hilfe von christlichen Gruppierungen und Anwälten, um ihre Arbeit beenden zu können. Da für die Auflösung des Vertrages aber auch immer die Unterschrift des Bordellinhabers benötigt wurde, konnte die Polizei nichts tun. Dies führte zu Protesten seitens der Reporter und vieler Christen, was darin resultierte, dass sie persönlich zu den Bordellen gingen, um die Inhaber dazu zu überreden die Verträge zu unterschreiben.

Nachdem es zu mehreren Zwischenfällen durch Reporter und von den Bordellinhabern extra angeheuerten Schlägern kam, erließ die japanische Regierung ein neues Gesetz, das Frauen dazu verhelfen sollte den Beruf beenden zu können, wenn sie es wollten. Dazu mussten Prostituierte sich bei der Polizei anmelden, durften nur in einem bestimmten vorgesehenem Bereich arbeiten, und diesen auch nur mit einer extra eingeholten Erlaubnis verlassen. Weiterhin mussten Prostituierte sich regelmäßig ärztlich untersuchen lassen, um Geschlechtskrankheiten vorzubeugen. Der wichtigste Artikel in diesem neuen Gesetz war jedoch, dass es Prostituierten gestattet war, jederzeit mündlich oder schriftlich von ihrer Tätigkeit zurückzutreten.

Trotz des neuen Gesetzes wurde es für die Frauen alles andere als leichter. Oft genug kam es dazu, dass die Polizei einen Antrag zur Beendigung der Beschäftigung nicht annahm, oder dass die Frauen in den Bordellen nicht wussten welche Möglichkeiten sie hatten. Außerdem waren sie jetzt an die Bordelle gebunden und konnten sie nur mit der Erlaubnis der Polizei verlassen. Briefe waren oftmals das einzige Mittel der Kommunikation.

Eine der ersten christlichen Gruppierungen gegen Prostitution war die WCTU (Woman’s Christian Temperance Union), die nur aus Frauen bestand und ihren Ursprung in Amerika hatte. 1895 gesellte sich die Heilsarmee (Englisch: „Salvation Army“) hinzu; 1911 bildete sich die Purity Society, die größtenteils aus Männern bestand, als Schwesterorganisation zur WCTU. Zusammen gingen sie gegen Prostitution vor und verglichen das System mit dem von Sklaverei. Dabei ging es den Organisationen nicht nur darum den Frauen zu helfen, sondern auch darum Monogamie durchzusetzen. Eines der vielen Probleme war, dass es für Männer gesellschaftlich akzeptiert war, wenn sie fremd gingen (außer die andere Person war eine verheiratete Frau), während Frauen dafür bestraft wurden.

Während die WCTU für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der Ehe kämpfte, arbeitete die Heilsarmee tatkräftig daran die Frauen in Bordellen zu unterstützen, begleitete sie zur Polizei und verteilte sowohl Zeitungen als auch Broschüren über das neue Gesetz. Viele Frauen schrieben Briefe an die Heilsarmee und flohen zurück zu ihren Familien, sobald sie ihren Antrag eingereicht hatten. Dadurch dass es Frauen zu der damaligen Zeit jedoch kaum möglich war in einem anderen Beruf genug zu verdienen, um ihre Schulden abzubezahlen, lehnte die Polizei viele Anträge ab und nutzte ihre Autorität aus, um Prostituierte und deren Eltern einzuschüchtern, damit es gar nicht erst so weit kam und sie im Bordell blieben.

Allgemein war der Erfolg von christlichen Gruppierungen eher mäßig anzusiedeln. Viele Befürworter der Prostitution waren der Meinung, dass Männer, ohne die Möglichkeit zu haben ihren sexuellen Bedürfnissen nachzugehen, auf Vergewaltigung zurückgreifen würden. Somit sahen sie Prostitution als Mittel zum Schutz des Volkes. Außerdem waren sie davon überzeugt, dass es durch Prostitution zu einer kleineren Verbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten kam. Dass verheiratete Frauen durch ihre untreuen Männer angesteckt werden konnten, wurde dabei völlig außen vor gelassen.

Zwischen den 20er und 30er Jahren schien es erstmals möglich zu werden Prostitution abzuschaffen. Die christlichen Gruppierungen verbündeten sich mit nicht-christlichen Gruppierungen und hatten so ein Momentum, dass das Ministerium für innere Angelegenheiten 1934 bekannt gab die staatlich überwachte Prostitution in Zukunft gänzlich abzuschaffen. Im Endeffekt passierte jedoch nichts dergleichen. Grund dafür war, dass Bordellinhaber große Summen an Politiker abtraten und sie damit, und mit kostenlosen Dienstleistungen in ihren Bordellen, bestachen. Spätestens zu Beginn des sino-japanischen Krieges war die Abschaffung von Prostitution kein Thema mehr.

Im nächsten Teil wird näher auf das Thema „Trostfrauen“ eingegangen. Was genau sind „Trostfrauen“ und was waren ihre Aufgaben zu Zeiten des zweiten Weltkrieges?

Literaturangaben:

• Garon, Sheldon (1993) “The World’s Oldest Debate? Prostitution and the State in Imperial Japan, 1900-1945”. In: The American Historical Review 98 (3). [Oxford University Press, American Historical Association]: 710–732.
• Tipton, Elise K.; Tipton, Elsie K. (2008) “Cleansing the Nation: Urban Entertainments and Moral Reform in Interwar Japan”. In: Modern Asian Studies 42 (4). Cambridge University Press: 705–731.

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