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Prostitution, „Trostfrauen“, Versklavung in Japan – Teil 3

Der Bedarf an „Trostfrauen“ entstand im zweiten sino-japanischem Krieg, nachdem japanische Soldaten chinesische Frauen vergewaltigt hatten. Im letzten Teil der Serie ging es um Christen und ihren Versuchen die Prostituierten zu unterstützen. Dieses Mal wird das Thema „Trostfrauen“ behandelt.

Während der zweite Weltkrieg wütete, marschierte Japan zeitgleich in China ein. Obwohl sie Jahre zuvor einen Vertrag mit China eingegangen waren, der besagte, dass Japan aus China abziehen musste und jegliche eingenommenen Gebiete abtreten sollte, heckte das Militär einen Plan aus, um diesen Vertrag zu umgehen. Das war möglich, weil das Militär zur Zeit der Weltwirtschaftskrise an Macht gewonnen hatte.

Damit sie in China einmarschieren konnten, sprengte das Militär die Strecke einer japanischen Eisenbahn, klagte China an und marschierte kurzerhand in die Mandschurei ein. Da sich das Land gerade in einem Bürgerkrieg befand, hatte Japan leichtes Spiel. Zu dieser Zeit gehörten Korea und Taiwan bereits zu Japan; das Ziel war es ein unter Japan vereintes Imperium zu erschaffen.

Während es zwar schon ab 1932 Bordelle speziell für Soldaten gab, führte das japanische Militär ab 1937 gezielt sogenannte „Trosthäuser“ ein. Man versuchte so zu verhindern, dass sich das Massaker von Nanking wiederholte, bei dem japanische Soldaten über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen unter anderem die dortigen Frauen vergewaltigten.

Die fünf Hauptgründe für die Rekrutierung und Erschaffung der „Trosthäuser“ waren folgende: Um sexuell übertragbare Krankheiten und Vergewaltigungen durch die japanische Armee zu verhindern, um die allgemeine Moral zu heben, um den Soldaten die Möglichkeiten zu geben sexuell Frust abzubauen, und schlussendlich um zu verhindern, dass Soldaten in fremden Bordellen militärische Absichten verrieten. Spätestens zu dieser Zeit wurde jede Überlegung daran, Prostitution in Japan zu verbieten, komplett abgeschafft, da diese Frauen gebraucht wurden.

Die japanische Regierung berief zuerst junge Frauen und Prostituierte aus Japan ein, allerdings wurde schnell klar, dass sie allein nicht ausreichten, um dem Bedarf der Soldaten nachzukommen. Das Militär entschied sich dazu lokal Frauen anzuwerben, jedoch behaupteten sie meistens, dass die Frauen Arbeit in Bereichen der Gastronomie oder als Krankenschwester bekommen würden, und man ihnen helfen würde familiäre Schulden abzubezahlen – in Wahrheit wurden sie an Bordelle verkauft. Oft wurden die Frauen gar nicht erst rekrutiert, sondern entführt und verschleppt.

Während es in Japan gesetzlich geregelt war, dass Frauen bevor sie einberufen wurden bereits Prostituierte und über 21 Jahre alt sein mussten, gab es diese Regelung in Korea und Taiwan nicht. Aus den letzten beiden Regionen kamen oft Frauen, die nicht einmal volljährig waren; manche waren gerade einmal 14 Jahre alt. Selbst diejenigen, die sich freiwillig gemeldet hatten, um japanische Soldaten zu trösten, wussten nicht, dass es sich dabei um eine sexuelle Art von „Trost“ handelte. Durch gezielte Verschuldung blieb ihnen nichts anderes übrig als sich zu ergeben. Während die staatlich kontrollierten Prostituierten wenigstens in der Theorie die Möglichkeit besaßen ihre Tätigkeit zu beenden und dabei auch von christlichen Gruppierungen unterstützt wurden, gab es für „Trostfrauen“ keine Möglichkeit ihrem Gefängnis zu entkommen. Wenn eine Frau sich trotzdem weigerte, wurde sie verprügelt oder ihr sogar mit dem Tod gedroht.

Trotz alledem kam es nach wie vor zu Vergewaltigungen durch das japanische Militär, und auch Geschlechtskrankheiten breiteten sich aus. Ärztliche Untersuchungen der Frauen waren rar und wer nicht mehr als eine leichte Erkrankung hatte, musste weiterhin Soldaten empfangen. Es war nicht unüblich, dass eine Frau mit bis zu 100 Soldaten pro Tag Sex haben musste; dabei standen die Soldaten nacheinander Schlange. Ausnahme bildeten die „Trostfrauen“ aus Japan, die nur von den höheren Rängen des Militärs besucht wurden. Auch wenn die japanischen Prostituierten in ihrer Heimat abwertend betrachtet wurden, so waren sie in den Augen des Militärs immer noch besser zu behandeln als die verschleppten und versklavten Frauen aus den anderen asiatischen Ländern.

Unzählige Frauen wurden verprügelt oder getötet, nachdem sie ihren „Dienst“ verrichtet hatten. Das Militär sorgte dafür, dass genug junge Frauen zur Verfügung standen. Obwohl diese Frauen als „Trostfrauen“ bezeichnet werden, hatte das System nichts mit Trost zu tun. Es war nichts anderes als die Versklavung junger Frauen, die jeden Tag aufs Neue vergewaltigt worden sind.

Selbst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Kapitulation Japans hörte die Versklavung junger Frauen nicht auf. Im nächsten Teil der Reihe setzen wir das Thema der „Trostfrauen“ fort, dieses Mal mit dem Fokus auf „Trostfrauen“ und sexueller Versklavung in Japan selbst.

Literaturangaben:

• Lie, John (1997) “The State as Pimp: Prostitution and the Patriarchal State in Japan in the 1940s”. In: The Sociological Quarterly 38 (2). 251–263.
• Yoshimi Yoshiaki (2003) „Das Problem der ‚Trostfrauen’“. In: Richter, Steffi/ Höpken, Wolfgang (Hg.):Vergangenheit im Gesellschaftskonflikt. Ein Historikerstreit in Japan. Köln/ Weimar: Böhlau, 97-117.

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