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Schlicht und bodennah – Schlafen auf Futon und Tatami

Hierzulande haben wir eine ziemlich standardisierte Vorstellung davon, wie ein Bett auszusehen hat: ein Rahmen aus Holz, Metall oder einfachen Spanplatten, dazu ein Lattenrost mit verstellbarem Härtegrad und eine Matratze, die sich möglichst dem Gewicht und Körperbau des Besitzers anpasst. In Japan allerdings schlief man lange Zeit auf Futon. Auch heute noch ist diese Art von Bett weit verbreitet. Was das genau ist, untersuchen wir im Folgenden Artikel.

Tatami

Bevor wir uns allerdings mit dem Futon selbst auseinandersetzen, werfen wir einen Blick auf den Untergrund, auf welchem der Schlafplatz traditionell errichtet wird: die Tatami.

Eine Tatami 畳 ist eine Art Matte, mit welcher traditionell japanische Räume ausgelegt werden. Für die Herstellung des Kerns einer solchen Tatami wurde ursprünglich Reisstroh verwendet während heutzutage eher Spanplatten oder Schaumpolytsyrol zum Einsatz kommen. Umhüllt wird das ganze mit verwobenen Flatter-Binsen-Halmen. Die Matten selbst werden in einer Standardgröße hergestellt, bei welcher die Länge exakt das doppelte Maß der weite beträgt. An den langen Seiten findet man oft Besatz aus Brokat oder einfacher Kleidung. Das trifft allerdings nicht auf alle Tatami zu.

Raum mit Tatami-Boden © By 663highland, CC BY 2.5, Link
Raum mit Tatami-Boden
© By 663highland, CC BY 2.5, Link

Geschichte der Tatami

Der Begriff Tatami wurde von dem Verb tatamu abgeleitet, was so viel bedeutet wie „falten“ oder „stapeln“. Dies lässt darauf schließen, dass Tatami ursprünglich sehr dünn waren und zusammengelegt und weggeräumt werden konnten, wenn sie nicht in Gebrauch waren. Am Anfang handelte es sich bei den Matten um ein Luxusgut, welches nur dem Adel zustand. Während der Heian-Zeit waren die Böden meistens aus Holz und die Tatami dienten allein den höchsten Aristokraten als Sitzmöglichkeit.

Erst in der Muromachi-Zeit, als der Shoin-Stil seinen Höhepunkt erreichte, begann man, ganze Räume mit den Matten auszulegen. Diese trugen dann den Namen „zashiki 座敷”, was so viel bedeutet wie „ein Raum ausgelegt zum sitzen“ und wurden nach bestimmten Regeln gestaltet. Des weiteren geht man davon aus, dass der Adel und die Samurai in der Mitte des 16. Jahrhunderts sogar auf den Tatami schliefen, während gewöhnliche Leute nur Strohmatten oder sogar loses Stroh als Schlafplatz verwendeten. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts erreichten die Tatami auch die Häuser der einfachen Leute. Heutzutage haben nur noch wenige Häuser Räume, die mit den Matten ausgelegt sind.

Größe

Die Größe der Tatami variiert zwischen den einzelnen Regionen Japans. Im Gebiet um Kyoto haben Tatami zum Beispiel eine Größe von 0,995m x 1,91m. Matten in dieser Größe tragen den Namen „Kyōma (京間) Tatami“ und haben eine durchschnittliche Dicke von 5,5 cm . In Nagoya findet man gewöhnlich Matten mit einer Abmessung von 0,91m x 1,82m. Diese heißen dann „ainoma (合の間) Tatami“, was mit „Zwischengrößen-Tatami“ übersetzt werden kann. In der Region rund um Tokyo findet man die kleinsten Matten mit den Maßen 0,88m x 1,76m. Tatami dieser Größe werden als „Edoma (江戸間)“ oder „Kantōma (関東間) Tatami” bezeichnet und sind normalerweise 6 cm dick. Eine Matte mit halber Größe trägt den Namen “hanjō (半畳)”, eine Matte mit der dreiviertelen Länge, welche in Tee-Räumen benutzt wird, heißt “daimedatami (大目 or 台目)”.

Futon

Beschäftigen wir uns nun mit dem eigentlichen Bett, dem Futon 布団. Bei einem Futon handelt es sich um traditionell japanisches Bettzeug, bestehend aus einer gesteppten Matratze, genannt „shikibuton 敷き布団 “ , die direkt auf den Tatami platziert wird. Diese hat eine textile Außenseite und ist meistens mit Baumwolle, Wolle oder einer synthetischen Füllung ausgestopft. Dazu gehört eine Decke, die als „kakebuton掛け布団” bezeichnet wird. Manchmal bezieht sich der Begriff Futon aber auch nur auf die Matratze. Beide Teile des Futon sind biegsam genug, um zusammengelegt und weggeräumt zu werden, damit der eigentliche Schlafraum tagsüber auch anderen Funktionen dienen kann.

Verkauft werden Futons in speziellen Läden mit der Bezeichnung „futon’ya(布団屋)”, aber auch in gewöhnlichen Kaufhäusern. Meist erhält man beide Teile als Set. Dazu kommen dann noch Bettdecken für Sommer und Winter und ein Kissen, gefüllt mit Bohnen, Buchweizenspreu oder Plastikperlen. Des weiteren müssen Futons regelmäßig bei schönem Wetter gelüftet werden. Viele Japaner klopfen ihre Futons auch mit einem Futon-Klopfer, genannt “futon-tataki”, aus. Dieser besteht aus Bambus und kann mit einem hier bekannten Teppichklopfer verglichen werden.

Futons auf Tatami © by Toby Oxborrow (Flickr: Futon) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Futons auf Tatami
© by Toby Oxborrow (Flickr: Futon) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Wortherkunft

Die ursprüngliche Schreibweise „蒲団“, welche die Schriftzeichen für “Rohrkolben (Typha)” und “rund” enthält, bezog sich auf ein rundes Kissen gefüllt mit Rohrkolbenblättern. Heutzutage sind Futons für gewöhnlich mit Baumwolle gefüllt, weshalb auch das Zeichen „蒲“ (fu, übersetzt “Rohrkolben”) mit „布“ (fu, wörtlich “Keidung”) ausgetauscht wurde.

Und wo kann ich es in Deutschland kaufen?

Es gibt einige Shops in Deutschland, die Tatami und auch Futons anbieten. Einer der größten Anbieter, und mit dem wir bereits Erfahrung haben, ist Japanwelt Der Shop bietet eine große Auswahl an verschiedenen Tatami und Futons an.

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1 Kommentar

  1. Wirklich interessanter Artikel. Ich finde jeder sollte mal einen Futon ausprobieren, ganz entgegen den Boxspringbettentrend. Ich finde, dass Futons vorallem eine echte Alternative zur Schlafcoach bzw. zum Gästebett sind, da sie sich so einfach verstauen lassen und trotzdem bequem.
    LG, Yvonne

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