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Idylle und UNESCO-Weltkulturerbe in Japan

Shirakawago – Die Dörfer in den Bergen

Die Region Shirakawago in der Präfektur Gifu zeichnet sich durch historische Dörfer aus und ist ein UNESCO-Weltkulturerbe.

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Shirakawago befindet sich im Flusstal des Shogawa, wörtlich bedeutet der Name „Dorf am weißen Fluss“. Aufgrund der relativen Abgeschiedenheit der kleinen dort befindlichen Dörfer haben sich im Laufe der Jahrhunderte kulturelle und architektonische Besonderheiten entwickelt, die man bei einem Besuch teilweise auch heute noch erleben kann. Zudem zieht gerade das idyllische Ambiente viele Besuchende an.

Geschichte von Shirakawago

Vermutlich wurde die Gegend zum ersten Mal im 8. Jahrhundert von einem Bergasketenkult besiedelt, dessen spirituelles Zentrum der Berg Hakusan war. Letzterer ist noch heute einer der bedeutendsten heiligen Berge in Japan. Ab dem 13. Jahrhundert gewann jedoch der Buddhismus die Oberhand, dennoch war die Gegend durch die umliegenden Berge und die karge Natur sehr abgeschieden. Schon damals lebten hier vor allem Bauern und Handwerker in Familienverbänden und ohne ausgeprägten Kontakt zur Außenwelt.

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Landschaftlich rentierte sich Reisanbau in der Region nicht, weswegen vorwiegend Hirse und Buchweizen angepflanzt wurden. In den dortigen Handwerksbetrieben wurde vor allem Seidenraupenzucht betrieben, aus den für die Raupen benötigten Maulbeerbaumblättern stellte man zudem Papier her. Bis ins 19. Jahrhundert wurde hier außerdem das für die Produktion von Schießpulver benötigte Salpeter hergestellt.

Während des wirtschaftlichen Aufschwungs ab 1950 zogen viele Menschen aus den Dörfern in die Städte, sodass viele der alten Bauernhäuser verlassen oder abgerissen wurden. Zum Schutz der noch verbleibenden Häuser wurden viele davon zu wichtigen Kulturgütern ernannt und stehen daher unter besonderem Schutz. 1995 wurde die Gegend zusammen mit der nahen und ebenfalls im Flusstal des Shogawa liegenden Region Gokayama zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Heute ist die Gegend ein beliebtes Reiseziel und lockt mit ihren idyllischen Dörfern vor allem als Tagesausflugsziel. Dennoch sind hier noch viele lokale Bauern und Handwerker ansässig.

Besondere Architektur: Gassho-zukuri

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Besonders bekannt ist die Gegend und vor allem Ogimachi, das größte Dorf in Shirakawago, für die ungewöhnliche Architektur der dortigen Häuser. Der Stil nennt sich Gassho-zukuri (合掌造り), was übersetzt in etwa so viel bedeutet wie „Stil der zum Gebet gefalteten Hände“. Gassho bezeichnet dabei im Buddhismus eine solche Gruß- beziehungsweise Gebetsgeste. Die steilen und mit Stroh gedeckten Dächer der hier befindlichen Bauernhäuser erinnern an so gefaltete Hände und tragen daher diese Bezeichnung.

Die Bauernhäuser im Gassho-zukuri Stil sind typisch für Shirakawago.
Die Bauernhäuser im Gassho-zukuri Stil sind typisch für Shirakawago. Bild: Sorrawis Chongcharoen/ Unsplash

Konzipiert sind sie vor allem deshalb so, um die schneereichen Winter in der Gegend zu überstehen und damit die enorme Last der Schneemassen tragen zu können. Für Bauernhäuser sind die Gebäude in Shirakawago ungewöhnlich groß und haben in der Regel drei bis vier Stockwerke. So boten sie früher Großfamilien viel Platz und ermöglichten zudem das Unterbringen verschiedener Handwerksbetriebe. So wurde die Seidenraupenzucht und auch die Herstellung von Salpeter meist direkt im Haus vorgenommen. Besonders ist dabei auch die aktive Nutzung des Dachgeschosses, das durch die steilen Dächer viel Platz bietet.

Ogimachi – das bekannteste Dorf in Shirakawago

Das Dorf Ogimachi ist das größte und bekannteste der historischen Dörfer von Shirakawago und Gokayama. Es ist durch mehrere Busverbindungen gut an die umliegende Umgebung angebunden und eignet sich damit sehr gut als Zwischenstopp. Hier befinden sich die meisten noch erhaltenen Bauernhäuser im Gassho-zukuri Stil, einige davon sind sogar mehr als 200 Jahre alt. Viele von ihnen sind heute kleine Museen und können daher betreten werden, sodass Besuchende auch ins Innere der Häuser blicken können. Das größte ist das sogenannte „Wada Haus“, das einst der gleichnamigen Familie gehörte, die zu den reichsten und einflussreichsten in der Gegend gehörte.

Das Dorf sollte am Besten zu Fuß erkundet werden, denn es bietet die Möglichkeit für einen idyllischen Spaziergang. Neben den alten Bauernhäusern finden sich hier auch Restaurants, kleine Cafés und Souvenirläden. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass hier auch Einheimische leben und deren Privatsphäre achten. Umzäunte Grundstücke darf man daher nicht betreten. Wer das gesamte Dorf überblicken möchte, kann dies von der nahen Aussichtsplattform tun, die nur einen kurzen Fußweg vom Dorf entfernt ist. Von hier hat man einen freien Blick auf das idyllische Dorf.

Im Winter verwandelt sich die Gegend in ein Schneeparadies.
Im Winter verwandelt sich die Gegend in ein Schneeparadies. Bild: Hyungman Jeon/ Unsplash

Reisetipps

Shirakawago und vor allem Ogimachi sind zu jeder Jahreszeit ein schönes Reiseziel. Besonders idyllisch aber ist die Gegend im Winter, wenn die Häuser von Schnee bedeckt sind. Ab Neujahr wird die Gegend dann sogar zusätzlich beleuchtet und verwandelt sich dadurch nach Sonnenuntergang in ein märchenhaftes Winterwunderland. Einige Landstraßen sind dann allerdings aufgrund der starken Schneefälle geschlossen, Busse fahren jedoch das ganze Jahr über.

Der innere Teil von Ogimachi ist zudem täglich von 9:00 bis 16:00 Uhr nicht mit dem Auto befahrbar. Es gibt einige Restaurants, Cafés und Essensstände in Ogimachi. Eine kulinarische Besonderheit ist dabei Hida Beef, das auch als Spezialität der umliegenden Region gilt und ein Highlight für Fleischliebhabende ist. Daneben gibt es vor allem aus Buchweizen hergestellte Nudeln und viele weitere lokale Produkte.

Auch wenn sich vor allem Ogimachi durch die gute Busanbindung perfekt als Zwischenstopp oder als Tagesausflug anbietet, sollte man sich bei einem Besuch dennoch überlegen, eventuell dort zu übernachten. Denn hier gibt es sogenannte „Minshuku“, meist von Familien betriebene Herbergen, die einen besonderen Einblick in das Leben der Einheimischen bieten. So kann man in den alten Bauernhäusern übernachten, die sehr traditionell eingerichtet sind und ein besonderes Erlebnis bieten. In der Regel werden solche Aufenthalte mit einem lokalen Frühstück abgerundet, oft wird auch Abendessen angeboten.

Weitere Reiseziele

Shirakawago liegt in der Präfektur Gifu und ist durch sogenannte „Highway Busse“ mit den beiden größeren Städten Takayama (ebenfalls in Gifu) und Kanazawa (in der Präfektur Ishikawa) verbunden. Somit eignet sich die Gegend perfekt als Zwischenstopp bei einer Japan-Rundreise und bietet einen wunderbaren Kontrast zu den großen Städten und einen besonderen Einblick in das japanische Landleben.

Takayama ist für seine Tempelpfade und die schöne Altstadt bekannt, zudem befindet sich mit dem „Hida no Sato“ auch hier ein Freilichtmuseum, das viele traditionelle Bauernhäuser ausstellt und dort auch kleine Workshops für traditionelles Handwerk anbietet. Die Stadt Kanazawa dagegen ist bekannt für ihren wunderschönen Landschaftsgarten, der als einer der schönsten in ganz Japan gilt. Die authentischen ehemaligen Geisha Bezirke locken auch heute noch mit ihren traditionellen Fassaden und dem historischen Flair – nicht umsonst wird die Stadt auch als das „kleine Kyoto“ bezeichnet.

Wer eine Japanreise plant, sollte sich also unbedingt auch Shirakawago und die umliegenden Städte mit auf die Liste setzen.

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