Tattoos in Japan – Was man auf einer Japanreise beachten sollte

Kunstvolle Tattoos mit traditionellen japanischen Motiven sind ein integraler Bestandteil der japanischen Kultur und haben hier eine lange Tradition. Trotzdem sind Tattoos in Japan ein heikles Thema und nicht überall erwünscht.

Die jahrhundertealte japanische Tätowierkunst genießt weltweit großes Ansehen. Japanische Tätowiermeister sind regelmäßig Ehrengäste auf internationalen Tätowiermessen und der traditionelle Stil japanischer Tätowierungen hat einen starken Einfluß auf die westliche Form des Tätowierens. Regelmäßig reisen Tätowierer und Fans ins Land der aufgehenden Sonne, um die großflächigen Ganzkörpertätowierungen der Japaner zu bewundern und traditionelle Techniken zu erlernen.

In Japan selbst wird die Begeisterung für die eigene Tätowierkunst allerdings nicht unbedingt geteilt. Auch wenn immer mehr junge Japaner Tätowierungen als modisches Statement betrachten, so hegt die Gesellschaft noch immer negative Assoziationen und Stereotype gegen die Körperkunst.

Grund dafür sind die sogenannten Yakuza, mächtige japanische Verbrechersyndikate, die symbolträchtige Ganzkörper-Tätowierungen als Zeichen ihrer Gruppenzugehörigkeit tragen. Auch wenn die von komplexen Mustern und ausdrucksstarken Motiven der japanischen Holzschnittkunst geprägten Tattoos heute nicht mehr unbedingt etwas mit den Yakuza zu tun haben, so wird die Kunstform dennoch auch heute noch mit Kriminalität assoziiert und zum Teil sozial geächtet.

Yakuza in Japan
Nur selten bekommen die Japaner die prachtvollen Tätowierungen der Yakuza so zu sehen, wie auf dem Sanja Matsuri Festival in Tokyo | Flickr © Kan Phongjaroenwit (CC BY-NC-ND 2.0)

Für Japans Tätowierer stellt diese Ächtung ein tiefgreifendes Problem dar. Sie arbeiten seit Jahren in einer rechtlichen Grauzone, denn laut Auslegung des japanischen Gesetzes ist es nur Ärzten erlaubt, medizinische Tätigkeiten auszuüben. Da die traditionelle Kunst des Tebori (hier wird die Farbe mit einem Bambusstab unter die Haut gespachtelt) beispielsweise als „medizinische Tätigkeit“ gilt, kämpfen viele Tätowierer mit rechtlichen Problemen und Anschuldigungen. (Mehr zum Kampf der Tätowierer gegen die Legalisierung ihrer Kunstform in unserem Beitrag Tattoos in Japan: Der erbitterte Kampf um Anerkennung)

„Tattoos? Eintritt unerwünscht“

Doch nicht nur Tätowierer haben mit Vorbehalten der Gesellschaft zu kämpfen, sondern auch Tätowierte selbst. Bis vor wenigen Jahren waren Tätowierte in öffentlichen Bädern und heißen Quellen unerwünscht. Das gilt zum Teil auch für Strände und öffentliche Schwimmbäder. Nicht nur tätowierte Japaner sind von diesem Verbot betroffen, sondern auch Touristen. Auch wenn diese ganz offensichtlich nichts mit organisierter Kriminalität zu tun haben, sind negative Assoziationen und Stereotype noch so stark verbreitet, dass auch diese beim Betreten eines Bades häufig zu hören bekommen: „Mit Tattoos haben Sie leider keinen Zutritt“.

Warum Tätowierte nicht in japanischen Badehäusern baden dürfen und warum sich das bald ändern könnte
Tätowierte Besucher nicht erwünscht! | Flickr © Nemo’s Great Uncle

Dies ist für viele Menschen sehr ärgerlich, denn ein Besuch der traditionellen japanischen Quellen, den sogenannten Onsen, steht ganz oben auf der To-Do-Liste von Japanreisenden. Weil Japan derzeit so beliebt ist wie nie zuvor und weil immer mehr Reisende ins Land der aufgehenden Sonne reisen, beginnt allerdings ein langsames Umdenken.

Der Umgang mit Tattoos in Japan im Wandel

Die japanische Regierung stimmte im Februar 2017 einer Erklärung zu, nach der die Betreiber öffentlicher Bäder auch tätowierten Gästen Einlass gewähren sollten. Auch die japanische Tourismusbehörde (Japan Tourism Agency) bittet die Betreiber, ausländischen Gästen mit Tattoos den Zutritt zu gewähren. Verbindlich sei diese Bitte zwar nicht und sie gilt zum Teil auch nicht für tätowierte Japaner, sie stellt aber einen Wandel in der hochgeschätzten japanischen Badekultur dar. Für Touristen gilt derweil: Sind Sie tätowiert, dann sollten Sie in öffentlichen Bädern, heißen Quellen, Schwimmbädern und an einigen Stränden lieber nachfragen, ob Ihnen auch der Zutritt gewährt wird.

Heißt es Nein, dann ist das zwar ärgerlich, aber Regeln werden in Japan hochgehalten und denen sollte man sich besser fügen. Dies ist noch lange kein Grund zur Verzweiflung, denn heutzutage, wo immer mehr Touristen ins Land strömen, hat man gute Chancen auch mit Tattoos eine heiße Quelle oder ein Badehaus zu besuchen. Die Homepage Tattoo Friendly hat zudem eine Liste von „tattoofreundlichen Einrichtungen zusammengestellt. Wenn man also auf Nummer sicher gehen möchte, kann ein Blick bei Tattoo Friendly nicht schaden, um zu erfahren, welche Orte man bedenkenlos besuchen kann und was es dort zu beachten gibt.

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