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Traditionelle japanische Künste: Bunraku

In einem vorherigen Artikel wurde bereits das Kabuki vorgestellt. Nun soll das Thema eine andere traditionelle japanische Kunst sein, nämlich Bunraku. Was das überhaupt ist und wie es entstanden ist, soll in diesem Artikel zusammengefasst werden.

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Worterklärung

Bunraku 文楽 ist die allgemeine Form für Ningyō Jōruri 人形浄瑠璃. Ningyō Jōruri setzt sich zusammen aus den Worten Ningyō 人形 für Puppe und Jōruri 浄瑠璃 für das Erzählen von Geschichten in Verbindung mit der Musik der Shamisen. Allerdings beschreibt diese Bezeichnung nicht nur das Puppenspiel, sondern bezieht sich auch auf dessen Vorgänger.

Was ist Bunraku?

Bunraku ist eine in Japan entstanden traditionelle Form des Figurentheaters. Wie auch das Kabuki wurde es von und für die Bürgerschicht entworfen und aufgeführt. Außerdem behandelt es ähnliche Themen wie das Kabuki. Viele Stücke wurden sowohl vom Bunraku als auch vom Kabuki übernommen. Ebenso wie für Kabuki Stücke, war Chikamatsu Monzaemon (1653-1724) auch ein berühmter Autor für Bunraku Stücke.

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Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass es sich bei Bunraku um ein Autorentheater und beim Kabuki um ein Darstellertheater handelt. Während im Bunraku die Geschichte von einem Autor erzählt und dabei von Puppenspielern dargestellt wird, wird die Geschichte im Kabuki von echten Schauspielern umgesetzt.

Puppen und Spieler

Bunraku Puppe
Bunraku Puppe ( Own work by Yanajin [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)
Den größten Unterschied zwischen dem uns bekannten Puppentheater und dem japanischen Puppentheaer macht die Größe der Puppen aus. Die Puppen des japanischen Puppenspiels sind zwischen einem und zwei Metern groß. Es handelt sich dabei um kleine Männer oder Frauen mit beweglichen Beinen, Armen und Mündern. Die Gesichter sind dabei so gestaltet, dass sie schnell zu bösartigen Charakteren verändert werden können. Jede einzelne Puppe benötigt drei Spieler. Wobei der Hauptspieler den Kopf und den rechten Arm der Puppe kontrolliert. Er ist weiß und unverdeckt gekleidet, während die beiden anderen Spieler schwarze Kleidung tragen und ihr Gesicht verstecken. Einer der beiden bewegt den linken Arm und die linke Hand. Der Andere sorgt dafür, dass die Puppe laufen kann. Ist die Aufführung gut, so vergessen die Zuschauer den Puppenspieler und konzentrieren sich voll und ganz auf die Puppen, sofern eine Ablenkung nicht absichtlich verursacht wird.

Das Bühnenbild ist hinter den Puppen aufgebaut, wie auch bei anderen Theaterstücken. Auf einer drehbaren Plattform an der Seite der Bühne befinden sich Musiker, sowie Erzähler. Die Stücke des Bunraku werden für gewöhnlich von Shamisen begleitet. Die Shamisen, die für solche Stücke genutzt werden, spielen oft tiefere und vollere Töne.

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Tayu und Shamisen beim Bunraku
Tayu und Shamisen beim Bunraku ( Own work by Rdsmith4 [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons)
Der Rezitator des Stückes wird Tayū 太夫 genannt. Um das richtige Rezitieren zu erlernen, bedarf es einer jahrelangen Ausbildung. Aufgrund der hohen körperlichen Anstrengung beim Rezitieren, werden in Stücken, die mehrere Stunden andauern, mehrere Rezitatoren eingesetzt. Um eine Situation möglichst lebensecht ausdrücken zu können, verwendet der Rezitator verschiedene Techniken und Tonhöhen, sowie eine Mischung aus Sprechen und Gesang.

 

Entstehung und Geschichte

Die Entstehung des Bunraku begann 1684, als der Erzähler Takemoto Gidayu sein eigenes Theater in Osaka baute, nachdem er für seine besondere Art des Geschichtenerzählens bekannt wurde. Unterstützt wurde er dabei von Chikamatsu Monzaemon und dem bekannten Theatermanager Takeda Izumo. Zu dieser Zeit waren Spiele, die sich mit dem Leben von Händlern (sogenannte Sewamono) sowie Liebesdramen mit Schwerpunkt auf Suizid aus Liebe beschäftigten von größter Beliebtheit. Tatsächlich trugen sie dazu bei, dass auch in der Wirklichkeit mehr Menschen begannen, doppelten Suizid zu begehen, in der Hoffnung, dass ihre Liebe für ewig andauern würde.

Vor allem im Jahr 1703 gewann das beliebte Puppenspiel an künstlerischem Wert, durch den Wettbewerb zwischen verschiedenen Theatern. Außerdem nahm in den Jahren 1727 bis 1747 die Beliebtheit stark zu.

Durch den Status eines unberührbaren kulturellen Erbes wird Bunraku von der japanischen Regierung speziell gefördert. So wurde sowohl in Tokyo 1966 ein National Theater als auch in Osaka 1985 ein nationales Bunraku Theater errichtet, wodurch das japanische Puppentheater auch in den späteren Jahren noch einmal einen Aufschwung erfuhr. 2008 wurde Bunraku in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

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