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Japan erleben Traditionelle japanische Künste: Das Nō-Theater

Traditionelle japanische Künste: Das Nō-Theater

Bisher haben wir euch schon Kabuki und Bunraku vorgestellt. Das Thema des heutigen Artikels soll “Nō”, eine weitere Art der traditionellen darstellenden Künsten Japans sein. Hauptsächlich soll es darum gehen, wie das Nō entstanden ist und was seine Hauptmerkmale sind.

Worterklärung

Das Wort Nō 能 bedeutet im eigentlichen Sinne übersetzt Talent, Begabung oder Fähigkeit. Gleichzeitig bezeichnet man damit aber auch das japanische Nō-Drama. Das Nō zählt zu den bekanntesten und größten Formen des traditionellen japanischen Theaters, das ursprünglich nur von Männern gespielt und musikalisch begleitet wurde. Auszeichnend für das Nō-Theater sind die Masken, die die Hauptdarsteller tragen. Diese werden als Shite und die Nebendarsteller als Waki bezeichnet.

 

Themen, Masken und Aufführung

Die Themen des Nō-Theaters lassen sich generell in 5 Themen einordnen. Beim göttlichen Drama geht es um einen japanischen Gott, eine fremde mythologische Gestalt oder einen Himmelsgott. Stücke mit kriegerischem Inhalt bezeichnet man als männliches Drama. Das weibliche Drama handelt von schönen Frauen und Liebesdramen. Das Drama vom Wahnsinn bezieht sich auf aktuelle Ereignisse und das Ungeheuer-Drama ist ein Stück, in dem Ungeheuer oder Dämonen vorkommen.

Die meisten Nō-Stücke werden von einer Komödie, dem Kyōgen begleitet.

Klassische Nō-Masken sind meistens aus Holz oder kaschiertem Papier angefertigte Masken. Auf Japanisch werden sie als Nō-men 能面 oder Omote 面 (Gesicht, Antlitz, bezeichnet.

Nō-Maske
Nō-Maske
(Own work by Sailko [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)
Es haben sich über 250 Maskentypen zur Darstellung der verschiedenen Charaktere entwickelt. Für die Darstellung von erwachsenen Männern werden keine Masken getragen. Allerdings gibt es Masken für die Charaktere von Frauen, Göttern, Ungeheuern und Dämonen. Die Einteilung der Masken erfolgt meist in zwei Kategorien. Kategorie A zeichnet sich durch hervorstehende Augen aus. Weibliche Masken aus dieser Kategorie werden für Geister der Eifersucht genutzt. Männliche für Götter, Dämonen und Geister. Kategorie B sind abgeschrägte Masken. Dabei repräsentieren weibliche Masken junge Frauen, alte Frauen, Götter und Geister. Und die männlichen Masken stehen für alte Männer, Götter, junge Generale und Geister.

Die Verarbeitung der Masken ist oftmals sehr detailliert und aufwendig, so dass einige sogar als Kunstwerke bekannt wurden. Meistens werden sie aus dem Holz japanischer Zypressen geschnitten. Generell sind die Masken etwas kleiner als ein echtes Gesicht. Dadurch soll entweder der Schauspieler auf der Bühne größer wirken oder ästhetischer, da ein kleines Gesicht als Schönheitsideal gilt. Das bezieht sich vor allem auf Masken für weibliche Figuren.

Auswahl an Nō-Masken
Auswahl an Nō-Masken
(Own work by Tranpan23 [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons)
Masken sind im eigentlichen Sinne unbewegliche Gesichter. Die Kunst der Nō-Schauspieler liegt darin, den Masken Leben einzuhauchen durch die richtige Bewegung im Licht und Schatten der Bühnenbeleuchtung. Den Schauspielern steht es frei zu entscheiden, welche Maske sie für ihren Auftritt wählen. Die Auswahl erfolgt danach, welche Maske der eigenen Interpretation eines Stückes am ehesten entspricht. Während die meisten Masken in mehreren Stücken verwendet werden können, gibt es auch Masken, die nur für ein einziges Stück reserviert sind.

Die Masken sind ein sehr wichtiger Aspekt für die Ästhetik des Nō: Nō hat nicht die Absicht ein realistisches Theater zu sein, sondern vielmehr die Welt einer tiefsinnigen, subtilen Schönheit zu präsentieren.

Nō-Kostüm
Nō-Kostüm
(Own work by Daderot [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)
Den Masken entsprechend sind auch die Kostüme der Schauspieler sehr einzigartig und glanzvoll. Einige sind sogar so wertvoll, dass sie als Meisterwerke der Kunstgewänder staatlich geschützt werden. Viele werden in Museen oder Privatsammlungen aufbewahrt. Allgemein sind die Kostüme sehr verschiedenartig und entsprechen keinem bestimmten Stil. Allerdings gilt, dass auch für Kostüme von sozial niedrigen Rollen teure Materialien genutzt werden und die Gewänder niemals arm oder schmutzig aussehen.

Begleitet wird ein Nō-Stück traditionell hauptsächlich von Chorgesang und außerdem von einer Flöte und zwei bis drei Trommeln.

Oftmals wird Nō auch als Tanzdrama betitelt, da die Schauspielkunst darin nicht realistisch oder wirklichkeitsnah ist. Die Tanzbewegungen, die man heute sehen kann, sind aus einem langwierigem Prozess der Stilisierung entstanden. Man entwickelte über Jahre hinweg die Tänze, indem man Bewegungen hinzufügte oder wegließ und den Fokus auf eine elegante, konzentrierte Formalisierung einer Geste statt der realitätsnahen Ausführung legte.

Diese stilisierten Bewegungen sind das Standardrepertoire des Tanzes und werden im Unterricht immer wieder eingeübt und perfektioniert. Die Schritte sind allgemein weniger kompliziert und in wenigen Grundschritten und -figuren ausführbar. Komplizierte Schritte sowie Akrobatik sind selten und stehen meistens im Zusammenhang mit Dämonenrollen.

Geschichtlicher Hintergrund

Das Nō gehört zu den ältesten der vier großen japanischen Künste und entstand gemeinsam mit dem Kyōgen erstmals im 14. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war es allerdings unter dem Namen Sarugaku bekannt, was so viel wie “Affenmusik” heißt. Die Ursprünge des Sarugaku lagen in verschiedenen Unterhaltungsformen, die während der Tang-Dynastie (618-907) von China nach Japan kamen. Außerdem hieß es ursprünglich Sangaku. Sangaku wurde zur Kunst des Volkes und verbreitete sich schnell, so dass es auch bald Teil von Zeremonien in Tempeln und Schreinen wurde. Mitte der Heian-Zeit (794-1185) entwickelte sich das Sangaku in die Richtung von Sketchen unter der Verwendung von Witzen und Nachahmungen. Daraus entstand auch die Bezeichnung Sarugaku.

In den späteren Jahren der Heian-Zeit wurden die Aufführungen vermehrt bei religiösen Zusammenkünften aufgeführt. Und in den folgenden Jahren entwickelten sich weitere verschiedene Kunstformen aus dem Sangaku. Diese unterschieden sich vor allem darin, dass manche sich mehr auf Schauspiel und andere eher auf den Gesang konzentrierten. Durch das Aufkommen dieser neuen Formen wurde das Sarugaku zunehmend uninteressanter und unbeliebter.

Während der Zeit um 1374 begann Kan’ami Kiyotsugu (1333-1387) gemeinsam mit seinem Sohn Zeami Motokiyo (1363-1443) das Sarugaku zu revolutionieren und verhalf ihm dazu, erneut an Beliebtheit zu gewinnen. Dies gelang ihnen vor allem durch das Zusammenspiel einer Erzählweise, die Rhythmus statt Melodie bevorzugte und den Fokus auf Gesang und Tanz legte. Durch eine Aufführung am Imagumano Schrein in Kyoto gewannen sie den Shogun Ashikaga Yoshimitsu (1358-1408) als lebenslangen Patron für diese neue Form des Sarugaku. Dadurch wurde das Sarugaku sehr respektiert.

Nachdem sein Vater 1384 starb, wurde Zeami einer der bekanntesten und wichtigsten Autoren, Theoretiker und Schauspieler des Sarugaku und trieb damit die Entwicklung davon weiter voran. Er überarbeitete alte Werke und schrieb neue, die zu Klassikern wurden. Während die Stücke seines Vaters eher auf Dialogen basierten, verwendete Zeami vor allem Tanz und Gesang als Stilmittel. Außerdem fand man in seinen Werken oft das Muster, dass der Hauptcharakter zuerst als lebendige Person auftrat und in späteren Akten als Geist zurückkehrte.

Nach dem Tod von Zeami entwickelten auch dessen Neffe und Schwiegersohn das Sarugaku stets weiter und wurden ebenso bekannte Dramaturgen. Der, der aber alle Aktivitäten Zeamis als Autor, Schauspieler und Theoretiker weiterführte, war Zenchiku. Dieser brachte die Sarugaku bzw. Nō Dramaturgie auf ein neues Level.

Als das Shogunat, das den größten Anteil an der Entwicklung des Nō hatte, an Einfluss verlor, war die Lebensgrundlage vieler Nō-Schauspieler gefährdet. Dadurch, dass spätere feudale Herrscher zunehmend Gefallen daran fanden, wurde es jedoch wieder beliebter. Dabei wurde der Fokus aber von Gesang und Tanz mehr auf narrative Informationen, sowie dramatische Signifikanz verlagert. Das führte dazu, dass das Nō für ein neues Publikum attraktiv wurde.

Bis zum Ende der Muromachi-Zeit (1336-1573) gab es keine wirkliche Spezialisierung im Bezug auf Rollen als Schauspieler oder Musiker, jeder konnte alles sein. Ende der Muromachi-Zeit änderte sich dies allerdings. So wurde es gängig, sich auf eine bestimmte Form der darstellenden Kunst zu spezialisieren.

Während des 16. Jahrhunderts war Toyotomi Hideyoshi ein so großer Liebhaber des Nō, dass er sogar selbst als Schauspieler auftrat und Stücke über seine eigenen Heldentaten verfasste. Außerdem richtete er vier Schulen zur Ausbildung für Samurai zu Nō-Schauspielern und Schreibern ein. Während dieser Zeit blühte das Nō auf und es entstanden unzählige Stücke. In der Zeit von 1568 bis 1699 wurden die formale Gestaltung der Bühne endgültig festgelegt. Außerdem wurden immer exquisitere und buntere Kostüme entworfen. Und viele begabte Maskenhersteller traten damals in Erscheinung.

Bühne eines Nō-Theaters
Bühne eines Nō-Theaters
(Own work by Nagarazoku [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons)
Auch General Tokugawa Ieyasu (1542-1616) war ein Unterstützer des Sarugaku bzw. Nō. Und während Tokugawa an der Macht war, wurde das Nō zur zeremoniellen Musik des Shogunats. Alte Spiele wurden wieder aufgenommen und die Nachfrage nach Nō-Schauspielern stieg stetig. Dadurch kam es zu vielen einzigartigen Variationen in den Standardstücken.

 

In den folgenden Jahren wurde das Nō-Theater immer weiter verändert. Viele Stücke reflektierten den Inhalt chinesischer Schriften, die Stücke wurden länger und es wurde eine angespannte Spannung wie die bei Kampfkünsten wurde üblich.

Weil das Nō zur zeremoniellen Musik der Samurai und damit ein Privileg für Samurai wurde, war es für die normalen Bürger zunehmend unzugänglicher.

Mit der Meiji-Restauration 1868 ging die Verbindung zwischen Nō und Shogunat schließlich zugrunde. Schauspieler verloren erneut ihre Lebensgrundlage und wandten sich anderen Berufen zu. Masken, Instrumente und Kostüme wurden zerstört und viele Schulen verschwanden wieder.

Allerdings konnte das Nō durch den Einsatz verschiedener Schauspieler wie Umekawa Minoru (1828-1901) oder Noguchi Kanesuke (1879-1953) überleben und seinen Platz in der modernen Welt finden.
Durch den Austausch mit dem Westen stieg auch der Wille, das Nō zu erhalten, als respektiertes nationales Theater auf einer Linie mit der Oper. Viele wichtige Beamte setzten sich für die Wiederbelebung des Nō ein.

Diese Bemühungen führten dazu, dass 1881 das erste öffentliche Nō-Theater in Tokyo eröffnet wurde. Ab 1896 wurden auch ehemalige Schulen wieder aktiver. Außerdem wurden 1909 erstmals bis dahin unbekannte Schriften Zeamis veröffentlicht und für alle zugänglich gemacht.

Nō-Aufführung
Nō-Aufführung
(Own work by 松岡明芳 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)
In der Nachkriegszeit erfuhr das Nō eine große internationale Würdigung. So wurden 1954 sogar erste Touren in den Westen unternommen. In den folgenden Jahren wurden weitere Theater gebaut und Hotels mit Bühnen ausgestattet. Jährlich werden hunderte von Aufführungen im Freien aufgeführt, um die Traditionen wieder aufleben zu lassen. Auch im Fernsehen werden Nō-Vorstellungen und Dokumentationen darüber ausgestrahlt. Englische Aufführungen werden zunehmend häufiger ebenso wie das Auftreten von weiblichen Darstellerinnen.

2001 wurde das Nō-Theater gemeinsam mit Kyōgen in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.

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