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Japan erleben Traditionelle japanische Künste: Kabuki

Traditionelle japanische Künste: Kabuki

Die japanische Kultur beinhaltet viele einzigartige Kunstformen, eine davon ist das Kabuki. Was Kabuki ist, wie und wann es entstanden ist und wie es sich entwickelt hat, möchten wir euch in diesem Artikel vorstellen.

Worterklärung

Das Wort Kabuki 歌舞伎 setzt sich im modernen Japanisch aus den Zeichen kabu 歌舞 für Lied und Tanz und dem Zeichen ki 伎 für Fähigkeit zusammen. Im modernen Japanisch bezeichnet Kabuki nur die populäre Form des Theater-Genres. Im frühen 17. Jahrhundert war es üblich für ki zwei andere Zeichen zu verwenden. Zum einen 妓, das eine erfahrene Frau im Entertainment-Bereich beschreibt. Und zum anderen 戲 mit der Bedeutung Spiel oder Theaterstück. Ursprünglich bedeutete kabuki schräg oder schief und bezog sich auf Gruppen von Männern, die mit unangebrachtem Verhalten Unruhe verursachten.

Was ist Kabuki?

Kabuki beschreibt eine Form des traditionellen japanischen Theaters, die während der Edo-Zeit (1603-1868) entstand. Die Stücke, die beim Kabuki aufgeführt werden, sind ein Zusammenspiel aus Gesang, Pantomime und Tanz. Besonderheit des Kabuki sind die Stilisierung der Stücke und das aufwendige Make-up der Darsteller. Es gilt als Populärkultur, die von und für die Bürgerschicht entwickelt wurde. Allerdings war Kabuki natürlich auch bei dem Adel und Samurai bekannt und durchaus beliebt. Ein bekannter Schreiber von Kabuki-Stücken waren unter anderem der japanische Dramatiker Chikamatsu Monzaemon (1653-1725).

Eine Besonderheit des Kabuki ist die Gestaltung der Bühne. Zur Bühne hin gibt es einen Laufsteg Hanamichi 花道 (Blumenpfad), der zwischen den Zuschauern hindurch führt und über den die Darsteller bei dramatischen Auftritten schreiten.

Kabuki Bühne
Kabuki Bühne ( [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)
Ein weiteres Merkmal des Kabuki ist, dass ein Stück durchaus einen kompletten Tag lang aufgeführt werden kann. Dadurch ist es dem Publikum möglich, dem eigenen Leben für einen Tag lang zu entfliehen. Die Stücke, die einen Tag lang andauern, bestehen meistens aus fünf Akten, bei denen zuerst Charaktere und Handlung vorgestellt werden, das Drama oder die Tragödie entwickelt wird, in einem Kampf gipfelt und schließlich ihren Abschluss im finalen Akt findet.

 

Entstehung und Geschichte

Die Anfänge des Kabuki werden auf das Jahr 1603 zu Anfang der Edo-Zeit datiert. Zu dieser Zeit begann eine Frau namens Okuni mit ihrer Gruppe auf verschiedenen Bühnen aufzutreten, um Spenden für den Izumo-Tempel zu sammeln. Es wird vermutet, dass Okuni eine Wandertänzerin war, die sich ihren Lebensunterhalt mit Prostitution verdiente. Zwar gab es schon andere weibliche Tänzergruppe vor ihr, aber was sie von diesen unterschied, waren die Themen ihrer Stücke. Mit ihren Tänzen und Mimik stellte sie die Besuche von Männern in Bordellen dar, was zu jener Zeit für große Aufregung sorgte.

Im Jahr 1607 trat Okuni in der Burg Edo auf. Ab diesem Zeitpunkt begannen andere Gruppen Okunis Stücke zu imitieren. Außerdem bauten Bordellbesitzer Bühnen auf, wo sich die Frauen zeigen konnten. Genannt wurde diese Form des Kabuki onna kabuki 女歌舞伎 (Frauen-Kabuki). Das Schauspiel war so aufgebaut, dass die talentierteste Darstellerin in der Mitte der Bühne saß und anderen Tänzer um sie herum tanzten. Dabei war es auch oft üblich, dass die Frauen in Männerkostümen auftraten und ein Mann die Rolle der Prostituierten übernahm, was die Aufmerksamkeit der Zuschauer anziehen sollte. Die Bordellbesitzer nutzten die onna kabuki als Werbemittel. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das Kabuki sogar so bekannt, dass auch Tanzgruppen am kaiserlichen Gericht auftraten.

Im Jahr 1617 entstanden in Kyoto die ersten lizensierten Kabuki-Theater, die man vor allem in Flussnähe finden konnte. Die Bühnen waren einfach gehalten und von einem Zaun umgeben. Durch die Theater wurde die Gegend sehr lebendig und entwickelte sich zu einem beliebten Motiv für Malereien. Danach entstand auch in der Hauptstadt Edo (heute Tokyo) das berühmte Vergnügungsviertel Yoshiwara.

Weil die Aufregung über die tanzenden Frauen vor allem bei Männern oftmals zu Duellen und anderen Auseinandersetzungen führten, verbat die Regierung 1629 allen Frauen permanent den Auftritt auf der Bühne. Im Zuge dessen wurden 1640 alle Prostituierten auf die andere Seite des Flusses versetzt und 1657 entfernte man das Yoshiwara Viertel.

Kabuki Aufführung
Kabuki Aufführung ( [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons)
Schon 1612 formten sich Tanzgruppen, die nur aus männlichen Tänzern bestanden. Mit dem Verbot der weiblichen Tänzer nahmen diese allerdings deutlich zu. Man nannte diese Gruppen wakashu kabuki 若衆歌舞伎 (Jungen-Kabuki) und sie orientieren sich an traditionellen No-Darstellern. Wie bei den weiblichen Tänzern, waren auch die Männer nicht nur Tänzer, sondern auch als Sexualpartner verfügbar. Dadurch war Homosexualität zu dieser Zeit in Japan weit verbreitet, auch unter dem Kriegeradel. Die Stücke der wakashu kabuki wurden von jungen, gutaussehenden Männer gespielt und der Inhalt war oft mit Homosexualität oder Prostitution verbunden.

 

 

1652 wurden von der Regierung jedoch alle Kabuki verboten. Auf das Bitten vieler Schauspieler hin, wurden später allerdings eingeschränkt wieder Kabuki-Stücke zugelassen. In den Jahren darauf gab es viele verschiedene Bestimmungen, die sich auf den Inhalt der Stücke sowie das Aussehen der Schauspieler bezogen.

Kabuki Darsteller
Kabuki Darsteller ©( Own work by 藤崎智也 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)
Besonders Ende des 17. Jahrhunderts erlebte die Beliebtheit des Kabuki eine großen Aufschwung. Viele begabte Schauspieler entwarfen verschiedene Figuren, die signifikant für das Kabuki-Theater wurden, wie zum Beispiel die Rolle des großen Liebhabers. Die größte Entwicklung fand allerdings im Bereich der Schauspieler statt, da sich das Kabuki immer mehr darauf konzentrierte, wie Männer die weiblichen Rollen überzeugend darstellen konnten. Je älter der Darsteller war, desto mehr musste er sich darauf konzentrieren, weibliche Gesten und Reden detailgetreu imitieren zu können. Tatsächlich waren die Männer in den Frauenrollen so beliebt, dass Frauen in den späteren Jahren in Hauptrollen nicht mehr gern gesehen waren, auch weil dadurch die besondere Wirkung der homosexuellen Liebe nicht mehr vorhanden wäre.

 

Im Laufe der Jahre fanden innerhalb des Kabuki viele Veränderungen im Bereich der musikalischen Unterstützung, der Kostüme und den Darstellern statt. Auch durch die enge Verbundenheit zu tatsächlichen Bordellen gab es eine vorlaufende Entwicklung in den Stücken. Der Erfolg war an den stetig wachsenden Zuschauerzahlen zu sehen, die die Schönheit, Mode und Haltung der Schauspieler bewunderten.

Kabuki Darstellung
Kabuki Darstellung ©Pixabay

Heutzutage gilt das Kabuki als eine berühmtesten traditionellen Formen des japanischen Drama. Kabuki-Darsteller sind oft in Fernseh- oder Filmrollen zu sehen und Kabuki sind oft Thema in modernen Medien, wie zum Beispiel in Anime. Die Stücke bemühen sich den traditionellen Stil an den Geschmack der modernen Zuschauer anzupassen. Der Grund, warum Kabuki über so viele Jahrhunderte hinweg immer beliebter wurde, ist, dass es sich immer an den Geschmack und die Wünsche der Zuschauer orientierte. Ist ein Element des Kabuki unbeliebt bei den Zuschauern, so wird dieses schnellstmöglich ersetzt oder überarbeitet. Durch diese Anpassung ist es dem Kabuki auch heute noch möglich, bei allen Generationen beliebt zu sein.

Kabuki Theater in Tokyo
Kabuki Theater in Tokyo ©Pixabay

Mittlerweile wurden in ganz Japan viele große Theater unter anderem für Kabuki gebaut. Außerdem begannen die Tanzgruppen neben Asien auch in Europa und Amerika Stücke aufzuführen und auch außerhalb Japans begannen sich Kabuki Gruppen zu etablieren. Und 2005 wurde Kabuki schließlich auf der Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgelistet.

Literaturangaben

Shively, Donald H. (1957): Notes on the Word kabuki. In: Oriens, Vol. 10, No. 1, S. 144-149.
Hall, John Whitney; McClain, James L. (1991): The Cambridge History of Japan. Cambridge University Press: New York.
Ortolani, Benito (1962): Okuni-Kabuki und Onna-Kabuki. In: Monumenta Nipponica, Vol. 17, No.1/4, S. 161-213.
Pronko, Leonard C. (1972): Kabuki Today and Tomorrow. In: Comparative Drama, Vol. 6, No. 2, S. 103-114.

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