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Von Murphys Gesetz und politisch korrekten Bett-Geschichten in Japan

Bisher gibt es noch kein eigenes Buch mit humorvollen Geschichten, das tatsächlich aus Japan stammt. Es gibt lediglich zwei, deren Übersetzungen sich im Land der aufgehenden Sonne besonders gut verkauften. Beide stammen aus den 1990ern und demonstrieren sehr gut, dass Japaner sich sehr dafür interessieren, über was die Menschen in anderen Kulturen lachen.

Die beiden Bücher sind zum einen „Murphys Gesetz und andere Gründe, warum Dinge schief gehen“, das Arthur Bloch 1977 veröffentlichte. Die Übersetzung ins Japanische übernahm ASCII, die sich damit große Mühe gaben. Die Editoren gaben dabei ihr Bestes, den satirischen Humor in den kurzen Geschichten des Originals zur Geltung zu bringen. Entsprechend beliebt war die Version in Japan. Es wurde mit mehr als 2 Millionen Kopien zum meistverkauften humorvollen Buch, das jemals in Japan verkauft wurde. In Japan heißt dieses Gesetz und auch das Buch マーフィーの法則 (Māfii no Hōsoku, Murphy’s law). Es postuliert die wohl sehr bekannte Weisheit, die da heißt „wenn etwas schief gehen kann, dann geht es auch schief“, oder auf japanisch失敗する可能性のあるものは、失敗する. (Shippai suru kanōsei no aru mono wa, shippai suru. Etwas, das die Möglichkeit in sich trägt, schief zu gehen, geht schief).

Eine eigene Geschichte japanischer Gesetze von Murphy

Auf die hohen Verkaufszahlen hin entschied sich ASCII, die Leser einzuladen, ihre eigenen Geschichten von Erfahrungen mit Murphys Gesetz zu berichten. Zu diesem Zweck nutzten sie vorausbezahlte Rücksendekarten, mit denen die Käufer des Buches ohne eigene Kosten ihre eigenen Gesetze an den Verlag senden konnten. Sie waren adressiert an 日本マーフィー普及会 (Nihon Māfii Fukyū-kai, die japanische Gesellschaft für die Verbreitung von Murphy). Auf der Grundlage der zahlreichen eingesendeten Postkarten veröffentlichte ASCII 1994 dann ihr eigenes Werk 「続・マーフィーの法則:現代日本の知性」 (“Zoku Māfii no Hōsoku: Gendai Nihon no Chisei,” “Murphys Gesetz Fortgesetzt: Die Weisheit des gegenwärtigen Japans). Es besteht aus sage und schreibe 230 Seiten scharfsinniger Beiträge. Alle sind ebenso lehrreich wie auch Murphys Gesetz.

Geschichten aus der Bevölkerung

Auf Seite 78 steht 眠気は、もっとも聞きたいテーマが始まると発生し、拍手によって消滅する. (Nemuke wa, mottomo kikitai tēma ga hajimaru to hassei shi, hakushu ni yotte shōmetsu suru. Müdigkeit kommt zu Beginn des Themas, dass du am meisten hören willst und wird durch Applaus vertrieben). Sicher eine Weisheit, die auf einigen eher unglücklichen Geschichten zum Beispiel von vielleicht verschlafenen Theaterstücken beruht. Auch auf Seite 106 geht es ähnlich unglücklich weiter: パスワードにした女の子は、他人のものになる. (Pasuwādo ni shita onna no ko wa, tanin no mono ni naru. Das Mädchen, deren Name etc du als Passwort gesetzt hast, wird von einem anderen Mann gewonnen).

Oder auf Seite 128 ニュースの悲惨さと、そのすぐあとのCMの内容のバカさ加減は、比例する (Nyūsu no hisansa to, sono sugu ato no CM no naiyō no bakasa kagen wa, hirei suru. Der Grad von katastrophalen Tragödien in einer bestimmten Nachrichtenmeldung ist umgekehrt proportional zum Grad der Dummheit der direkt darauf folgenden Werbeunterbrechung). Ein sehr alltägliches Problem ist das Gesetz des Haarewaschens (洗髪の法則, senpatsu no hōsoku) von Seite 190. Es beschreibt, dass die erste Flasche, die du zum Duschen in die Hand nimmst immer die Haarspülung ist (初めて手に取るのは、リンスである, Hajime ni te ni toru no wa, rinsu de aru)

Humor in Form politisch korrekter Geschichten für Kinder

Das zweite eigenständige humorvolle Buch, das in Japan erschien, ist James Finn Garners Buch 政治的に正しいおとぎ話」 (“Seiji-teki ni tadashii otogi-banashi, “Politisch korrekte Bett-Geschichten”). Von diesem veröffentlichte der DHC Verlag eine japanische Version, die gut über 20 Drucke kam. Als Teil dieser Sammlung sind Sagen, die auch hier sehr bekannt sind. Zu ihnen gehört zum Beispiel 金髪娘と三匹のクマ」 (“Kinpatsu Musume to Sanbiki no Kuma,” “Goldlöckchen und die drei Bären”). Auch das Märchen 「三匹の子ブタ」 (“Sanbiki no Kobuta,” “Die drei kleinen Schweinchen”) sind Teil des Buches. Beide und auch viele der anderen sind in Japan ebenso bekannt wie in Deutschland. Doch es gibt eine Besonderheit. Denn immerhin sind die Geschichten „politisch korrekt“. So erhielt das Buch die Beschreibung 差別と偏見のない作品に作り変えたもの. (Sabetsu to henken no nai sakuhin ni tsukuri-kaeta mono. „Ein Werk, das so verändert wurde, dass es jede Diskriminierung und Vorurteile auslässt“).

Dieses Werk mit sehr politisch korrekten Geschichten erschien ein Jahr nach Murphys Gesetz von ASCII und ist eine Parodie von Hans Christian Andersens 皇帝の新しい服」 (“Kōtei no Atarashii Fuku,” “Des Kaisers neue Kleider ”). In dieser Erzählung lässt der Kaiser sich neue Kleider weben. Diese seien laut den Betrügern, von denen er sie erwirbt nicht gewöhnlich. Angeblich können diese Kleidung nur die sehen, die nicht dumm und ihres Amtes würdig sind. Doch eigentlich erhält der Kaiser gar keine Kleidung. Er will jedoch nicht eingestehen, dass er sie nicht sehen kann und zahlt die gewünschte Summe. Erst einiges später, bei einer Parade fällt auf, dass er tatsächlich keine Kleidung trägt. Denn dort spricht ihn ein Kind an und so verbreitet sich die Nachricht über den nackten Kaiser schnell im Volk.

Des Kaisers neue Kleider in politisch korrekter Version

Genau diesen für den leichtgläubigen Kaiser eher schlechten Ausgang ändert der Autor in diesem Buch. Auf diese Weise will er politisch korrekte Geschichten ohne Diskriminierung erreichen und diese mit Humor über diese Korrektheit füllen. Denn in der neuen Version kommt auch der Junge zu dem nackten Kaiser und sagt “皇帝は裸だよ!” (“Kōtei wa hadaka da yo!” “Hey, der Kaiser ist nackt!”). Doch statt, dass es nun eine peinliche Wendung nimmt, informiert jemand den Jungen höflich. “皇帝は洋服を着ないライフスタイルを選択されたのだよ.” (“Kōtei wa yōfuku wo kinai raifusutairu o sentaku sareta no da yo.” ,“Weißt du, der Kaiser hat sich für eine Lebensart entschieden, in der er keine Kleidung trägt.”). Unter der aufgeklärten Herrschaft des Kaisers, その日以来、ここは衣服着脱選択自由の国になりました. (Sono hi irai, koko wa ifuku chakudatsu sentaku jiyū no kuni ni narimashita. Von dem Tag an wurde das Land zu einem, in dem das Tragen von Kleidung optional war). Mit diesem Ende ist nun jeder zufrieden und , 皇帝と臣民はいつまでも幸せに暮らしました. (Kōtei to shinmin wa itsumade mo shiawase ni kurashimashita. Der Kaiser und seine Untertanen lebten glücklich bis an ihr Lebensende).

Leider ist in allen diesen Geschichten kein ursprünglich japanischer Humor enthalten. Doch vielleicht ändert sich genau das demnächst, sodass die einzigen gedruckten Komödien nicht mehr bloße Übersetzungen fremder Witze sein müssen. Denn so könnte auch der Rest der Welt über den Humor Japans lernen.

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