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Von Samurai-Katzen und sprechenden Birnen – lokale Maskottchen in Japan

Bunt, außergewöhnlich und kaum zu übersehen: Lokale Maskottchen sind in Japan so beliebt wie nie zuvor. Aber was macht ein solches Maskottchen aus und wie lässt sich ihre Popularität erklären?

Was haben eine sprechende Birne, eine weiße Katze mit Samurai-Helm und ein Bär mit Melonen-Kopf gemeinsam? Sie alle sind gotōchi-kyara (ご当地キャラ). So nennt man Maskottchen, die eine Stadt oder Region repräsentieren und unterstützen. Man findet sie als Schlüsselanhänger oder Sticker in Souvenir-Geschäften oder als Werbefiguren auf Plakaten und Broschüren. Auf Festen und öffentlichen Veranstaltungen sind sie nicht nur für Kinder ein beliebtes Fotomotiv. Manche sind nicht nur lokal, sondern im ganzen Land bekannt und sitzen sogar neben Komikern und Schauspielerinnen in Fernsehsendungen.

Am Anfang war die Katze

Als erstes kommerziell erfolgreiches lokales Maskottchen zählt Hikonyan (ひこにゃん), das 2007 von der Stadtverwaltung Hakone erfunden wurde. Anlass war der 400. Jahrestag der Gründung des Schlosses Hakone. Die Popularität Hikonyans soll zu einem rasanten Anstieg von Touristen geführt und so die Tourismus-Branche um ca. 17,4 Milliarden Yen (ca. 140 Millionen Euro) bereichert haben. Von diesem Erfolg inspiriert entstanden in nur wenigen Jahren tausende lokale Maskottchen. Die Online-Datenbank Gotōchi-kyara katarogu (ご当地キャラカタログ) zählt zur Zeit mehr als 3,400 lokale Maskottchen, Tendenz steigend. Dabei sind nicht alle Charaktere auch von öffentlichen Stellen erfunden oder anerkannt.
Gotōchi-kyara gelten als eine Untergruppe der sogenannten Yuru-chara (ゆるキャラ). Dieses Konzept, das von Kulturkritiker Jun Miura geprägt wurde, umfasst drei Voraussetzungen: Die Charaktere müssen eine besondere Liebe für ihre Heimat empfinden, das Verhalten muss einzigartig oder ungeschickt wirken und der Gesamteindruck sollte liebenswürdig und unbedarft sein.

Hikonyan bei Event in Hakone
Hikonyan bei einem Event zum 410-jährigen Geburtstags des Schloß Hakone (2017) | Hikonyan Official Website

Wortspiel beabsichtigt

Auf den ersten Blick wirken die Charaktere bunt zusammengewürfelt. Tatsächlich werden die meisten aber – angefangen beim Aussehen, Namen und Verhalten bis hin zu einer Hintergrund-Geschichte – sehr sorgfältig konzipiert. Im Design stecken oft viele kleine Details die alle ihre Bedeutung haben. Generell basieren die Maskottchen auf lokalen Besonderheiten wie kulinarischen Spezialitäten, historischen Persönlichkeiten oder Wahrzeichen. Auch Wortspiele werden oft in Designs integriert. So basiert zum Beispiel Kumamon, das bekannte Maskottchen der Präfektur Kumamoto auf einem Bären (Kuma ist das japanische Wort für „Bär“). Funassyi, ein anderes berühmtes Maskottchen bedient sich gleich mehreren Wortspielen. Der Name an sich erinnert nicht nur an die Heimatstadt Funabashi, sondern beinhaltet auch das japanische Wort für Birne, Nashi (das Obst auf dem das Charakterdesign basiert).

Funassyi in TV Show
Funassyi stellt in einer Fernsehsendung lokale Produkte aus Funabashi vor | Funassyi Official Twitter

Der große Preis von Japan

Wie aber schaffen es einige wenige Charaktere aus der Masse hervorzustechen und im ganzen Land bekannt zu werden? Eine Möglichkeit, sein Maskottchen einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, sind Festivals und Wettbewerbe, die regelmäßig in ganz Japan stattfinden. Die bekannteste Veranstaltung dieser Art ist der “Yuru-chara Grand Prix”, an dessen Ende die Besucher das beliebteste Maskottchen wählen. Seit dem ersten Grand Prix 2010 (den übrigens Hikonyan gewann) hat sich die Teilnehmerzahl in nur fünf Jahren verzehnfacht. 2015 waren unter den 1.727 teilnehmenden Charakteren 1.092 lokale Maskottchen.

Gewinner Grand Prix 2016
Die Gewinner des Yuru-Chara Grand Prix 2016 | Yuru-Chara Grand Prix Official Twitter

Folge mir auf Twitter

Neben einem süßen und interessanten Design sind auch Präsentation und Nutzung der Medien ein wichtiger Faktor bei der Popularität von Charakteren. Vor allem soziale Netzwerke wie Twitter oder Videoplattformen wie Youtube werden genutzt, um die Maskottchen zu vermarkten. Ein gutes Beispiel sind Funassyi und Kumamon, die es beide nicht nur zu nationalem Ruhm geschafft haben, sondern sogar im Ausland auftreten. Beide nutzen intensiv Twitter, um präsent zu bleiben. Täglich werden auf den Profilen neue Bilder und Videos hochgeladen. Manche zeigen die Maskottchen bei ihrer „Arbeit“ auf Festen und auf öffentlichen Veranstaltungen, auf anderen sieht man sie vor Sehenswürdigkeiten ihrer Heimat. Markant ist, dass es auch viele augenscheinlich willkürliche Bilder gibt, auf denen die Charaktere alltägliche Dinge tun (zum Beispiel Ramen essen oder ein Buch lesen). Es wirkt, als seien sie ein Mensch, der Einblick in sein Privatleben gibt. Die Absurdität der Bilder bringt viele Fans zum Schmunzeln und sorgt dafür dass der Charakter im Gedächtnis bleibt. Gotōchi-kyara tauchen auch in anderen Medien wie Videospielen oder Musik auf und sind bei lokalen Radio- und Fernsehsendern im Programm zu finden.

Kumamon vor Zug
Kumamon vor einem Zug mit passendem Design | Kumamon Official Twitter

Da kommen Heimatgefühle auf

Sind gotōchi-kyara also nur ein beliebtes Mittel um Geld zu machen? Sicher, mit Fan-Artikeln eines beliebten Maskottchens lässt sich Geld verdienen und viele Städte und Regionen erhoffen sich einen positiven Einfluss auf den Tourismus. Aber nur wenige Charaktere werden auch national bekannt und werfen Profit ab. Viele der unbekannteren Maskottchen werden von Privatpersonen oder durch Spenden finanziert, einige müssen auch mit Steuergeldern der Gemeinden oder Präfekturen bezuschusst werden. Den Akteuren geht es in solchen Fällen oft weniger um den ökonomischen Aspekt. Sie versuchen nicht nur das Image der Region aufzuwerten um mehr Touristen anzulocken, sondern auch um das Interesse der Bevölkerung an der eigenen Heimat zu wecken.
Fest steht, dass viele ländliche Regionen in Japan ein Abwanderungsproblem haben. Vor allem junge Leute ziehen nach ihrem Schulabschluss in Ballungsräume wie Tokio um einen Job zu finden. Um diesem Effekt vorzubeugen versuchen die Gemeinden unter anderem die emotionale Bindung zur Heimat zu stärken. Die Personifikation einer Region durch ein Maskottchen macht dies einfacher. Wer einmal Urlaub in Japan macht sollte die Augen nach gotōchi-kyara offen halten. Sie sind nicht nur als süße Mitbringsel geeignet, sondern auch eine klasse Möglichkeit, sich über lokale Spezialitäten und berühmte Orte zu informieren.

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