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Vandalismus auf heiligem Gipfel

Warum Kletterer am Berg Kinpu einen Schrein zum Verzweifeln bringen

Stolze 2599 Meter hoch ist der Berg Kinpu in der zentraljapanischen Präfektur Yamanashi, die für bergige Landschaften und süßes Obst bekannt ist. Der zweithöchste Gipfel des Okuchichibu-Gebirges zählt zu den Hyakumeizan – den 100 Berühmten Bergen Japans – und ist bei Wanderern sehr beliebt. Einige besonders kletterfreudige Besucher machen jedoch Probleme.

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Denn der Gipfel des Kinpu ist nicht nur ein malerischer Aussichtspunkt, sondern auch ein heiliger Ort. Dort steht der Gojoiwa-Fels, das Heiligtum des Kanazakura-Schreins. Kletterer und Vandalismus bereiten dem Schrein seit einiger Zeit zunehmende Kopfzerbrechen.

Kletterer zieht es auf den heiligen Felsen

Denn einigen, die den Gipfel besteigen, scheinen die 2599 Meter Höhe nicht zu reichen – sie möchten unbedingt noch ein Stückchen höher hinaus. Und klettern dafür auf die fünfzehn Meter hohe Gesteinsformation Gojoiwa, die aus riesigen übereinander geschichteten Steinen besteht.

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Seit über einem Jahr versucht der Kanzakura-Schrein, den Kletterern Einhalt zu bieten. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt. Denn der Schrein selbst befindet sich zwölf Kilometer vom Berg Kinpu entfernt in der Präfekturhauptstadt Kofu. Der Gojoiwa-Felsen und rund 2000 Quadratmeter des Berggipfels um den Felsen herum gehören jedoch offiziell ebenfalls zum Schreingelände.

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Ein hölzernes Torii weist das Gebiet auch unübersehbar als heiligen Boden aus. Der Gojoiwa-Felsen ist die Gottheit des Schreins, jährlich finden Zeremonien am Fuße der Steine statt. Dauerhaft überwachen kann der Schrein den Berggipfel aber nicht.

Hinweisschilder und Online-Informationen sollen aufklären

Dass die schroffen Felsen eine große Anziehungskraft auf Kletterer ausüben, ist nicht neu. Schon seit vielen Jahren gibt es Berichte über Personen, die auf die Steine klettern. Die Zahl der Vorfälle war jedoch gering, so dass sich der Schrein zurückhielt. Denn der Gipfel sei ein heiliger Ort, man wolle dort deshalb keinen Streit.

Doch in 2021 änderten die Verantwortlichen in Kofu ihre Meinung. Die Kletter-Aktionen nahmen in bedenklichem Maße zu, zudem fanden sich immer mehr Graffiti auf den Felsen, eingeritzt mit Steinen oder Felshaken.

Warnschild auf dem Berg Kinpu
Mit einem ausführlichen Hinweis auf das Kletterverbot und sollte dem Treiben Einhalt geboten werden. Bild: MS

Seit Juli 2021 werden Neuankömmlinge auf dem Gipfel des Berg Kinpu nun von einem großen Metallschild begrüßt. Auf dem steht klar, dass das Klettern auf dem Felsen streng verboten ist. Gleichzeitig bemühte man sich, die Botschaft vom Kletterverbot auch der Zielgruppe zu vermitteln. Ein Blogeintrag eines Kletterladens erläuterte etwa die spirituelle Bedeutung des Gojoiwa-Felsen.

Weniger subtil agierte die Polizei der Präfektur, die einen Ausschnitt des Hinweisschildes mit dem Verbotstext twitterte. Bei einigen Kletter-Begeisterten kam die Botschaft an. Doch bei weitem nicht bei allen.

Das Klettern geht weiter – und wer erwischt wird, gibt sich kleinlaut

Noch immer finden sich im Netz Videos, auf denen Kletterer erklären, wie man die Felsen am besten besteigt. Auch Fotos von Menschen auf der Spitze der heiligen Steine werden immer wieder gepostet. Gegenüber der japanischen Zeitung Mainichi Shimbun gaben sich einige ertappte Kletterer kleinlaut.

Ein 40-jähriger Bergsteiger aus der Präfektur Kanagawa etwa meinte, er „habe nicht gewusst, dass es verboten sei“. Angesichts des übergroßen Warnschildes wenig glaubhaft. Ein anderer Mann nahm zwar das Schild wahr, interpretierte es aber zu seinen Gunsten. Er ging davon aus, das Kletterverbot beziehe sich nur auf die Verwendung von Werkzeugen wie Kletterhaken.

Da das Verbot auf der abgelegenen Bergspitze schlichtweg schwierig zu kontrollieren ist und sich Verstöße im Nachhinein kaum ahnden lassen, werden wohl auch weiterhin viele Kletterer ihr Glück versuchen und die Felsen vor allem als Herausforderung sehen. Die online verbreiteten Hinweise scheinen nur noch mehr Neugierige auf den Berg Kinpu aufmerksam zu machen.

Kletterer auf dem Gojoiwa
Im August 2022 wurden diese Kletterer auf dem Heiligtum erwischt. Deutlich zu sehen sind auch in den Stein geritzte Schriftzeichen. Bild: MS

Das betrübt Mikito Shimura, den Hauptpriester des Kanzakura-Schreins. „Der Felsen ist ein heiliger Ort“, sagt er. „Es ist respektlos, ihn zu erklettern oder einen Stahlhaken hineinzuschlagen.“ Auch die Gemeinde des Schreins fühlt sich hilflos.

„Für uns ist es, als würden die Menschen über unseren heiligen Boden trampeln. Obwohl wir Schilder aufgestellt haben, scheinen mehr und mehr Menschen auf den Felsen zu klettern,“ beschreibt ein Vertreter der Gemeinde das Problem.

Eine Lösung für den Konflikt ist bisher nicht in Sicht. Mit der Erholung des Inlands-Tourismus dürfte die Zahl der Kletterer auf dem Berg eher zu- als abnehmen. Ob der Gojoiwa-Felsen zudem noch ins Visier internationaler Kletterer geraten wird, die nun ebenfalls wieder nach Japan kommen können, bleibt abzuwarten.

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