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Warum Zazen nicht gleich Zazen ist

Wer sich aus Interesse und ausgestattet mit ein paar Japanischkenntnissen im Internet auf die Suche nach Beiträgen zum Thema Zen-Meditation macht, wird mit dem entsprechenden japanischen Begriff „Zazen“ früher oder später eine interessante Entdeckung machen:

Es gibt Zazen (坐禅) und Zazen (座禅)

Auch wenn der Unterschied zwischen den Kanji-Schriftzeichen nur marginal ist, hat bereits diese kleine Abweichung eine Bedeutungsänderung mit philosophischem Ausmaß zur Folge. Mit diesem Umstand wollen wir uns hier befassen.

Denn während der zweite Begriff – „Zen“ (禅) – in beiden Fällen unverändert die Bedeutung „geistige Sammlung“ bzw. „Konzentration“ wiedergibt, erleidet der tiefere Sinn beim ersten Kanji im wahrsten Sinne des Wortes einen Dachschaden.

Zen-Kloster: Zendo des Daihonzan Sojiji (Foto: flickr, Gerald Ford, cc-by-sa)
Kloster Daihonzan Sojiji: Sitzhalle für Zazen (Foto: Gerald Ford, flickr cc-by-sa)

In seiner ursprünglichen Form besteht der Begriff „Za“ (坐) aus den Einzel-Kanji für „Person“ (人) und „Boden“ (土). Es wurde also, wie bei einem Verb, die Tätigkeit des auf dem Boden sitzens beschrieben.

Im Fall der modernen Schreibung werden die Kanji mit dem Radikal für „Gebäude“, oder „Obdach“ (广) versehen. Hier wird also nicht länger eine Tätigkeit beschrieben, sondern als Substantiv ein Ort.

Schuld daran ist eine Reform der japanischen Regierung aus dem Jahr 1956, bei der erklärt wurde, dass gebräuchlichere Kanji die weniger üblichen Schriftzeichen ersetzen sollten.

Die Folge davon ist, dass die geistige Bedeutung des Zazen dabei nicht erhalten blieb – sie ging im wahrsten Sinne des Wortes „lost in transcription“.

Geistige Bedeutung des Zazen

Zazen ist als Praxis unabhängig von Zeit und Ort, sie bedarf keiner besonderen äußeren Umstände, um geübt zu werden. Menschen jeder Herkunft können Zazen üben, ohne dass dabei ihr gesellschaftlicher Rang von Bedeutung wäre.

Eine Schreibung, bei der aus diesem universellen Sitzen ein Begriff wurde, der nicht nur mit „Platz“, sondern auch mit „Status“ übersetzt werden kann und so eine elitäre Haltung vermittelt, verstümmelt den Geist der Praxis.

Deshalb gibt es die Bestrebung, das Bewusstsein für diesen Unterschied zu schärfen, damit die traditionelle Schreibung „坐禅“ nicht einfach als altmodische Formulierung abgetan, sondern in ihrer Bedeutung erkannt wird.

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