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Yukio Mishima -Autor, Regisseur, Schauspieler

Wenn es um japanische Autoren des 20. Jahrhunderts geht, gibt es wohl niemand bekannteren in der literarischen Welt als Yukio Mishima – auch, wenn viele „normale“ Leute ihn vielleicht gar nicht kennen werden. Er war Autor, Regisseur, Schauspieler – und war gleichzeitig der Japaner, der das wohl bekannteste Seppuku in der Geschichte Japans begangen hatte.

Das Leben eines umstrittenen Genies

Yukio Mishima wurde am 14. Januar 1925 als Hiraoka Kimitake geboren. Er enstammte einem guten Haus in der oberen Mittelschicht: Mishimas Vater war zwar „nur“ ein gewöhnlicher Ministerialbeamter, sein Großvater hatte jedoch früher den Posten als Gouverneur der Insel Karafuto (heute besser bekannt als Sachalin) inne. Seine Mutter hingegen entstammte einer Familie von konfuzianischen Lehrern, dennoch wurde die Erziehung des kleinen Kimitake von Beginn an von seiner aristokratischen, jedoch chronisch kranken Großmutter Natsuko übernommen.

© lotusz-cafeblog-hu
Mishima selbst war sehr stolz auf seinen Körper – und ließ sich deshalb auch gerne in Posen fotographiren, die diesen zeigten. Besonders, wenn sie gleichzeitig noch seine Verbundenheit zu alten japanischen Tugenden und den Samurai zeigten; © openculture.com

Diese war die Urenkelin eines ehemaligen daimyô (Feudelherrem) und war sogar mit dem noch immer sehr angesehenen Tokugawa-Clan verwandt, aus dem alle Shogune der Edo-Zeit hervorgegangen waren. Sie hielt den Jungen fast seine gesamte frühe Jugendzeit in ihrem Zimmer eingesperrt, gönnte ihm so gut wie kein Spielzeug und nur wenig „Freigang“, wenn man es denn so nennen darf.
Und genau „diese verrückte Fee hat zweifellos das Körnchen Wahnsinn in ihn gelegt, das früher für das Genie als unabdingbar galt“, wie es die Schriftstellerin Marguerite Yourcenar ziemlch passend auf den Punkt brachte. (YOURCENAR, S. 13.) Der ständige Umgang mit seiner kranken Großmutter wird sehr oft als Auslöser für dessen Faszination mit dem Tod bezeichnet, die sich über sein gesamtes Leben hinweg bis zu seinem Tod immer und immer wieder zeigte. Genauso entfachte Natsuko in Mishima die Flamme des Nationalismus, die ihn wohl zu einem der umstrittensten Autoren der japanischen Nachkriegsgeschichte machten – auch, wenn niemand an seinen Fähigkeiten zweifeln konnte.

Die Schulbildung von Mishima

Bereits in der Grundschule zeigte sich das Talent des jungen Mishima, der im April 1931 an einer Eliteschule des Adels eingeschult worden war. Von der ersten Klasse an begann er mit dem Schreiben und trug auch schon Werke vor der Klasse vor, die für sein Alter so dermaßen kompliziert waren, dass seine Mitschüler ihn nicht verstehen konnten.

Nach dem Tod seiner Großmutter wurde er dann endlich wieder in seinem Elternhaus erzogen und im selben Jahr begann er damit, die Mittelschule zu besuchen. Sein Vater war äußerst streng und wollte ihn auch eine Beamtenlaufbahn einschlagen sehen; als er schließlich für die Arbeit nach Osaka ziehen musste, war dies für Mishima und seine Mutter eine Befreiung.

Im Literaturmagazin seiner Schule veröffentlichte er daraufhin einige Gedichte, die ihm erste Ehren einbrachten. Seine Mutter förderte dies, indem sie seine Manuskripte bekannten japanischen Schriftstellern zukommen ließ, ohne, dass ihr Mann davon etwas wusste. Im Alter von 16 Jahren veröffentlichte Mishima dann sein erstes Werk Hanasakari np Mori/Der Wald in voller Blüte als Fortsetzungsroman, für welches er den Künstlernamen Mishima Yukio annahm, den er dann bis zu seinem Tode trug.

Nach dem zweiten Weltkrieg ging er dann schließlich völlig in Literatur und Schauspiel auf und wurde zum wohl bekanntesten Literaten Japans.

Radikalisierung – Japan sollte erneut ein Kaiserreich werden!

Im Zuge des Vietnam-Krieges, der auch in Japan diverse Studentenproteste hervorrief, radikalisierte sich Mishima als Kommunismus-Gegner immer weiter. Er veröffentlichte neben seiner normalen Werken Zeitungsartikel, in denen er die Gründung einer paramilitärischen Organisation forderte – also prinzipiell einer Privatarmee. Er sah die Verteidigungsfähigkeit Japans durch die Verfassung nach dem zweiten Weltkrieg als beschnitten an, deshalb sah er solch eine Armee als unabdingbar an.

© igcn.hateblo
Nachträglich koloriertes Schwarzweiß-Foto von Mishimas letzter Rede; © japantimes.co.jp

Mit Vertrauten aus der Redaktion einer nationalistischen Studentenzeitschrift, dem Ronsô Journal, schloss er daraufhin einen Bluteid darauf, eine „linke Revolution“ in Japan zu verhindern, auch, wenn es sein Leben kosten würde.
Mishima begann daraufhin im Jahr 1967 mit einer Grundausbildung bei den Selbstverteidigungsstreitkräften Japans und ließ seine Vision einer Privatarmee schließlich Wirklichkeit werden: Unter seiner Finanzierung gründete er die Tatenokai/Schildgesellschaft unter seiner alleinigen Führung. Die Tatenokai war eine Art „Fantasiearmee“ mit selbst kreierten Uniformen, die sich vor allem aus rechten Studenten der Universitäten in der Region um Tokio zusammensetzte. Dort entwickelte sich auch Mishimas enge Freundschaft zu Morita Masakatsu, der später sein Sekundant beim Seppuku werden sollte – und dem übrigens ein sexuelles Verhältnis zu Mishima nachgesagt wird.

Der Umsturzversuch von Mishima

Der 25. November 1970 sollte schließlich Mishimas letzter Tag werden. Er ließ sein letztes Werk Hôjô no umi/Das Meer der Fruchtbarkeit, dass er am Tag zuvor fertiggestellt hatte, seinem Verleger zukommen. Daraufhin hatte er zusammen mit vier Studenten aus der Tatenokai einen Termin mit einem General der Selbstverteidigungsstreitkräfte Japans, den sie als Geisel nahmen und sich im Zimmer verbarrikadierten

© gahetna.nl
Yukio Mishima auf dem Balkon der Selbstverteidugungsstretikräfte in Ichigaya, Tokio; © gahetna.nl

Die Gruppe um Mishima forderte, vor den Streitkräften auf dem Balkon des Gebäudes sprechen zu dürfen, andernfalls würden sie den General hinrichten. Seiner Bitte wurde stattgegeben, und um 12 Uhr trat er schließlich auf den Balkon, um vor gut 1000 Soldaten zu sprechen.
Während er die Männer aufrief, erneut dem Kaiser Treue zu schwören und sich gegen den Staat zu wenden, der die Armee nicht wertschätzte, brüllten diese ihm Beleidigungen zu und schmähten ihn öffentlich, gingen auf seine Forderungen absolut gar nicht ein.
Nachdem Mishima schließlich aufgegeben und sich ins Büro zurückgezogen hatte, begangen er und auch Morita schlussendlich rituellen Selbstmord durch seppuku. Erst Mishima selbst mit Morita als Sekundant, dann auch er.

Sein Umsturzversuch war fehlgeschlagen, aber ob Mishima sich wirklich erhofft hatte, bei diesem Coup erfolgreich zu sein, ist eine andere Frage – die euch nächste Woche in einem weiteren Artikel zu diesem Thema beantwortet werden wird.

Literaturangaben:

INOSE Naoki, SATO Hiroaki: Persona: A Biography of Yukio Mishima. Stone Bridge Press, Berkeley, 2012.

STOKES, Henry Scott; übers. von Traudl Kurz-Perlinger: Yukio Mishima: Leben und Tod.  Wilhelm Goldmann Verlag, München, 1986.

YOURCENAR, Marguerite; über. von Hans-Horst Henschen: Mishima oder die Visionen der Leere. Carl Hanser Verlag, München, 1985.

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