Anime und Manga sind in Japan ein fester Bestandteil der Kultur des Landes. In unserem Special „100 Jahre Anime“ wollen wir euch zeigen, wie sehr die Popkultur im japanischen Alltagsleben verankert ist.

Anime Keroro Gunsou Benimmregeln
„Gepäck, das im Weg steht, bringt Leute zum Weinen“ | © keroro-gunsou-afsg.blogspot.de

Anime und Manga finden sich eigentlich überall in Japan. Besonders in Tokyo und anderen Großstädten muss man schon mit geschlossenen Augen durch das Land marschieren, um davon „verschont“ zu bleiben. Neben Nahrungsmitteln mit Anime-Aufdrucken auf der Verpackung oder riesigen Plakaten und Leuchtreklamen für die neuesten Serien begegnen einem Anime und Manga in vielen Bereichen des Alltags.

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Schilder mit Benimmregeln in den tokyoter U-Bahnen, die sich gerne beliebter Anime bedienen, um besser auf sich aufmerksam zu machen – etwa mit den Charakteren der populären Serie Keroro Gunsou (siehe rechts).

Werbung

Anime Koro-sensei Zug
© animenewsnetwork.com

Nehmen wir mal an, dass bald ein neuer Anime ausgestrahlt wird, der auf einer beliebten Manga-Vorlage basiert. Vor allem in typischen Vierteln wie Akihabara sieht man Werbung für diesen dann einfach ÜBERALL. Neben Leuchtreklamen an den Wänden und jeder Menge Merchandise fahren oft sogar „Werbe-Autos“ durch die Straßen, deren Designs sich an der beworbenen Serie orientieren, und die die Straßen manchmal sogar mit lauter Musik beschallen. Darüber hinaus sind Züge und U-Bahnen ebenfalls eine sehr beliebte Werbefläche.

Auch umgekehrt funktioniert Werbung mit Anime-Charakteren in Japan ganz gut. Einfache Werbeplakate wie das vom Zahnarzt nebenan bedienen sich oftmals Figuren im Anime-Stil und manche Firmen haben sogar eigene Werbemaskottchen.

Oft machen sich auch Firmen und Organisationen, die eigentlich überhaupt nichts mit Anime am Hut haben, zunehmend diese zunutze, um ihre Werbung zu gestalten. Es gab zum Beispiel bereits mehrere Werbespots für Getränke wie Fanta oder Energy Drinks, in denen bekannte Anime-Charaktere die Hauptrolle spielten. 2016 versuchte man außerdem mithilfe der Charaktere von Oreimo mehr junge Menschen für Wahlen zu begeistern. Und erst kürzlich hat japanische Regierung Kirito aus Sword Art Online zu ihrem Sicherheitsbeauftragten ernannt.

Supermärkte und Gastronomie

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In Japan gibt es unglaublich viele Süßigkeiten und Snacks, die mit aufgedruckten Anime-Charakteren besonders Kinder locken sollen. Softdrinks, Sandwiches – von fast allem gibt es eine „verniedlichte“ Variante, auf der dem Käufer vorzugsweise Charaktere aus Pokémon oder Yokai Watch entgegen winken.

Oft gibt es auch besondere Aktionen in Supermärkten und Kombinis, bei denen man beim Kauf bestimmter Produkte Merchandise aktueller Serien gratis dazubekommt. Zum Beispiel ein Platzdeckchen von Madoka Magica beim Kauf von 3 Getränken der Marke Kirin, oder einen Notizblock von Dangan Ronpa beim Kauf von 4 Snacks der Marke Lotte.

Viele Konbinis und Game Center haben außerdem regelmäßige Lotterien, bei denen man exklusives Merchandise bestimmter Serien gewinnen kann. Ein Los kostet hier meist um die 500 bis 900 Yen (etwa 4-8 Euro)– relativ teuer, dafür ist aber jedes Los ein Gewinn. Die Preise reichen von bedruckten Klarsichthüllen – sogenannten Clear Files – bis hin zu großen Figuren.

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Eine andere Nische bedienen sogenannte Anime Cafés. Hierbei handelt es sich um Cafés, in denen man typische Speisen und Getränke wie Pfannkuchen, Sandwiches oder Kaffee bekommen kann, deren Design von beliebten Anime-Charakteren inspiriert ist. Für gewöhnlich bedient jedes dieser Cafés eine bestimmte Serie. Es gibt zum Beispiel ein Gundam Café oder ein Pokemon Café. Es gibt aber auch Cafés wie das Good Smile Café oder das Animate Café, die verschiedene Serien abdecken, je nachdem, was gerade beliebt ist. Neben diesen dauerhaften Cafés gibt es auch viele temporäre, die nur für einen gewissen Zeitraum geöffnet sind.

Musik

Hierzulande würde man sich vermutlich sehr verwundert umschauen, wenn plötzlich im Radio ein Anime-Opening liefe. In Japan hingegen ist das vollkommen normal. Da kann es schon mal vorkommen, dass man einen Konbini betritt und einem dort aus den Boxen das Opening von Tokyo Ghoul entgegen trällert. Allgemein ist die japanische Radiomusik ein bunter Mix aus japanischer Popmusik, westlicher Musik, japanischen Interpretationen von westlichen Liedern, Anime-Musik sowie auch Songs aus Disneyfilmen. Es läuft einfach alles, was gerade beliebt ist.

Mangas und Spiele

In Japan verhält es sich übrigens auf mit dem Spielen und dem Lesen anders als hier. Mangas und Games werden von fast allen konsumiert, nicht wie in Deutschland nur von den „Nerds“.

Ein perfektes Beispiel hierfür ist die Zugfahrt: Viele Japaner müssen auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit weitere Strecken zurücklegen, als es bei uns Standard ist. Diese Zeit muss natürlich irgendwie überbrückt werden. Während man vor noch nicht allzu langer Zeit zumeist jeden mit einem Buch oder Zeitschrift in der Hand gesehen hatte, gibt es heute kaum jemanden, der kein Smartphone in der Hand hält und darauf spielt. Die meisten japanischen Games sind dabei im Manga- bzw. Anime-Stil gehalten oder sind sogar an beliebte Franchises angelehnt. Momentan zum Beispiel super beliebt ist das Spiel Fate/Grand Order, das sogar einen aktuellen Anime-Film inspiriert hat. Auch Kancolle sowie Love Live! haben hier ihren Ursprung.

Anime Manga Tachiyomi
Japaner beim tachiyomi | © world-conect.com

In Zügen findet man natürlich auch immer noch Leute, die sich mit Lesen beschäftigen – auch hier haben nicht gerade wenige davon Manga in der Hand. Am interessantesten jedoch ist das tachiyomi; dabei handelt es sich um das „Lesen im Stehen“. Dieses Phänomen gibt es bei uns zwar auch – man muss nur mal auf die Leute im Bahnhofskiosk schauen, die immer mehrere Zeitungen durchblättern – doch in Japan wird dabei ein neues Level erreicht. In Second-Hand Buchläden wie Bookoff, in dem gebrauchte Bücher, Manga, Games und vieles weitere für oftmals gerade einmal einen Euro verkauft werden, findet man manchmal hunderte Menschen jeden Alters, die teilweise Stunden in dem Geschäft verbringen und im Stehen ganze Mangaserien lesen, ehe sie wieder nach Hause gehen.

Der größte Unterschied zu Deutschland ist, dass nicht nur jüngere Menschen, sondern auch Erwachsene sich mit Spielen und Mangas beschäftigen – zwar seltener als in ihren Kindheitstagen, doch immer noch weitaus häufiger als bei uns.

Ihr seht also – anders als bei uns sind Anime und Manga ein zentraler Bestandteil des japanischen Alltagslebens. Auch wenn viele Leute sagen, dass sie damit nur wenig zu tun haben, findet sich das Genre fast überall. Ob man also will oder nicht: In Japan kommt man an Anime nicht vorbei!

Runeko
Japan- und sprachenverrückte Katzenlady und Zeichnerin. Mit Animes und Mangas groß geworden und heute ein begeisterter Fan der japanischen Kultur, mit dem Wunsch, möglichst viel Wissen über das Land der aufgehenden Sonne zu erlangen und weiterzugeben.

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