5 Vorurteile widerlegt, dieses mal: Japan.

    © Thommy Weiss / pixelio.de

    Japan, ein tolles Land, aber viele Menschen haben auch viele Vorurteile über Japan, sie essen Delphine usw. Na dann lassen wir doch einfach mal Japaner zu Wort kommen.

    Es sind übrigens 10 Vorurteile, da ich zu diesem Artikel zu viele Vorurteile gesammelt habe, dass ich daraus keine 5 machen konnte. Es gibt dieses mal auch zwei Menschen, die so nett waren, die Vorurteile zu beantworten.

    © Thommy Weiss / pixelio.de

    Ich habe hierzu zwei Freunde von mir befragt, die in Japan geboren wurden und so natürlich die Fragen am besten beantworten können. Hinzu kommt, das beide eher kritische Menschen sind und so einen interessanten Einblick bieten als so manche Dokumentation.

    Die Antworten sind jeweils zusammen unter die Frage geschrieben. CH ist Chika Hizujiya und MS Manami Sakata, beide leben in Tokio und studieren.

    Die Fragen wurden wie immer vorher heraus gesucht, Fragen bezüglich Animes, Mangas, Sexualität, habe ich allerdings mit Absicht nicht gestellt, auch wenn es viele, teils wirklich extreme, Vorurteile dazu gibt. Übrigens, lest euch die Frage zu den Delphinen mal genau durch, ihr seht, dass gerade dieses Thema ziemlich falsch dargestellt wird.

    1 Japaner sind schüchtern und zurückhalten

    CH: Ja. Wenn man sich das traditionelle Japanische Essen und die Kunst des Mittelalters vor dem 16.Jahrhundert ansieht, merkt man, dass dort eine einzigartig bescheidene und elegante Tradition in unseren Köpfen ist. Zur gleichen Zeit, sind wir auch mit einer besonderen Erziehung aufgewachsen, in der Individualität nicht gern gesehen wird und die gegen jede Form der modernen Gemeinschaft kämpft, so müssen wir auch heute noch leben. Dadurch wird die Angst in jedem geschürt, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden und mehr oder minder isoliert auf sich selbst gestellt zu sein. Also könnte man sagen, wir leben auch heute noch im Mittelalter, zumindest in machen Teilen des Lebens. Ich glaube, unsere berühmte Schüchternheit, ist die deutlichste Erscheinungsform davon.

    MS: Ich glaube, dass es daher kommt, weil sie Angst vor Fehlern haben. Sie wollen ihr Ansehen „sauber“ halten. Es ist seltsam, aber tief verwurzelt in Japan. Japaner kümmern sich sehr um ihre gesellschaftliche Stellung.

    2. Japaner essen gerne Delphine.
    CH: Auf keinen Fall! Ich denke sogar, dass fast jeder Japaner von der japanischen Delphine jagt durch den Dokumentarfilm „Die Bucht“ im Jahr 2009 oder Kennedy´s japanischen Botschafter sagte es eines Tages. Ich kenne keinen, der jemals Delphin gegessen hat. Die gesellschaftliche Stellung macht die Menschen so und die gesellschaftliche Stellung ist von den Menschen geschaffen.
    Leider ist es nicht möglich für einzelne die Gesellschaft zu ändern, die konservativen Ströme sind in Japan sehr stark. Die Menschen sind dabei wieder zurück in eine fossile träge Welt zu gehen.

    MS: Die meisten Japaner haben noch nie Delfine gegessen. Delfin fischen ist eine traditionelle Fischerei. In der Jomo Periode (1200 v. c.) fingen die Menschen damit an Delfine zu jagen um sie zu essen und zu Öl zu verarbeiten. In den alten Tagen waren vor allem die Gebiete in der Wakayama Präfektur kein guter Ort um Landwirtschaft zu betreiben, so wurden Delfine und Wale gefangen um Nahrung zu haben.

    Diese Tradition ist leider immer noch ein kleiner Teil von Japan.

    3. Japaner interessiert die Umwelt nicht.
    CH: Vielleicht, ja. Japan ist normalerweise von einer unvergleichlich reichen und vielfältigen Natur umgeben. Für Japaner ist die Natur nichts böses, womit die Menschen konfrontiert sind, es übernehmen und regieren, sondern etwas sehr intimes, mit dem wir sympathisieren. So kann man sagen, mag der Japaner allgemein nichts künstliches. Natürlich ist es eine Tatsache, dass die einzigartige Sichtweise der Natur sich traditionell auch sehr von der Euren unterscheidet, was in diversen Werken festgehalten ist (z.B. Haiku, Waka, diversen Abhandlungen etc.). Aber in unserer heutigen Gesellschaft, seit dem vergangenen Jahrhundert, ist es auch nicht nur Japan, die sich auf die schrecklichen Technologien ausgerichtet haben, deren Macht und Energie einfach alles lebende um sich herum zerstören könnte. Ich muss leider sagen, dass wir das offenbar gerne vergessen, auch vor dem Hintergrund, dass es bereits drei radioaktive Katastrophen in der Welt gab.

    MS: Wenn sie gefragt werden: „Glaubst Du, dass die Umwelt gerettet werden muss?“, würden fast alle mit „Ja natürlich“ antworten. Aber eigentlich könnten die meisten Japaner nicht auf die Umwelt Probleme achten, da sie alle Hände voll zu tun haben mit sich selbst.
    Wenn die Menschen den Blick auf die reale Seite der Welt richten und nicht denken, dass diese Probleme nicht ihre Probleme sind, könnte das ändern.

    Natürlich gibt es auch in Japan Menschen, die versuchen mit Aktionen, sich für die Umwelt einzusetzen.

    4. Japaner nehmen nur sehr wenig Urlaub, weil sie Angst haben, ihren Job zu verlieren.
    CH: Das stimmt obwohl die Arbeitsproduktivität dadurch eher gering ist.

    MS: Ja, vielleicht kommt es daher, durch den Vorgesetzten und es führt zu mehr ineffizienteren arbeiten.

    5. Japan ist extrem hektisch.
    CH: Manchmal ja.

    MS: Ja, „arbeite härter“, wird gleichgesetzt mit: „arbeite länger und härter“.

    6. Wenn Du keinen Job hast, bist du automatisch in der Unterschicht und es wird schwierig einen Partner zu finden.
    CH: Obwohl ich keine genaue Antwort zu dieser Frage geben kann, ist es Tatsache, dass das Sozialsystem in Japan sehr dünn ist in den Bereichen Familie und Arbeitslosigkeit. Gerade japanische Frauen sind oft dazu gezwungen, sich wirtschaftlich auf die Arbeit der Männer zu verlassen, da in der japanischen Gesellschaft als Frau sehr schwer ist eine Karriere in einem Unternehmen zu machen.

    MS: Mein Status in Japan ist immer noch der einer Studentin an einer Kunst Universität. Ich arbeite nebenbei Teilzeit und natürlich an meinem Mizu Projekt. Trotzdem würde man wohl sagen, dass ich eher zur „Unterschicht“ in Japan gehöre. Allerdings sind viele junge Japaner eher in der Unterschicht. Um zu einer höheren Schicht in Japan zu gehören, muss man sich der Gesellschaft anpassen. Es ist durchaus Möglich einen Partner zu finden, wenn man die gleiche Einstellung und Interessen hat, aber das ist sehr selten.

    7. Japaner sind verrückt nach Handys, jeder hat eins und an jeder Ecke piept es.
    CH: Hmm, wenn Du kein Handy hast und du meinst, dass es seltsam ist überall mitnehmen, dann sind wir wirklich verrückt. Ich übrigens auch.

    MS: Ja! Bevor es Smartphone gab, hatten fast alle ein „Garakei“ (japanisches Glapagos Telefone). Im Zug, so scheint es, spielen die Menschen sehr gerne Spiele.

    8. In Japan gibt es einen großen Generationskonflikt.
    CH: Wirklich, ja. Seit circa 1940, als das Kriegsregime nach dem Vorbild der Sowjets in Japan agiert hat, unterlagen unsere Gesellschaft und unsere Unternehmen einem schnellen ökonomischen Wachstum, in dem es versäumt wurde, die Menschen als eigenständig und individuell auszubilden. Daher haben junge Japaner in dieser Zeit verpasst, ihren Charakter zu entwickeln und zu strukturieren. Sie waren einfach zu sehr eingenommen von dem Wachstum am Ende der Postmoderne. Aus diesen Gründen sind junge Erwachsene auch heute noch konservativ und haben Angst vor jeglicher Form von Risiko. Viele haben die Hoffnung für ein besseres Leben und den Wandel aufgegeben. Ich denke, die aktuelle japanische Gesellschaft basiert seit langem auf diesen Problemen.

    MS: Ja ich glaube er ist wirklich sehr groß. Doch die Kluft ist nicht nur durch die Generationen entstanden, es gibt sie auch in der gleichen Generation und es ist wirklich Kompliziert. Man kann also nicht nur sagen, dass die gesellschaftlichen Probleme, nur durch einen Generationskonflikt entstanden sind.

    9. Japaner sind immer fröhlich und höflich.
    CH: Nicht immer, nicht überall. Zum Beispiel gibt es eine menge Japaner, die sehr Offensiv im Internet sind.

    MS: Nun, das klingt gut, aber ich würde das nicht sagen. Denn so positiv sind viele Japaner gar nicht. Sie achten darauf, keine schlechten Manieren zu zeigen, damit sie nicht unbeliebt werden. Ich würde sagen, das scheint nur so, weil sie „ängstlich“ sind.

    10. Japaner sind sehr interessiert an Deutschland.
    CH: Diese Frage ist für mich schwierig zu beantworten. Ich glaube fast, dass Japaner mehr wegen des Business an anderen Ländern interessiert sind. Sie zwingen sich gerne, nicht mehr zu sehen, nicht mehr zu hören und nicht mehr zu berühren als für das Leben notwendig ist. In ihren Köpfen gibt es keine Geschichte, keine Zukunft und auch keine Gegenwart. Aber ich weiß, dass die deutsche Geschichte viele große Kunstwerke und Personen hervorgebracht hat und natürlich über ihre ernste Haltung zum Thema erneuerbare Energie und die Entscheidung, sich auf der Kernkraft bis 2022 zu verabschieden. Ich hoffe, dass viele Japaner ein Interesse an Deutschland entwickeln

    MS: Ich denke nicht, dass es so ist., Aber Deutschland hat eine gute Industrie, wie zum Beispiel die Autoindustrie, gute Musik usw. Einige Leute, die ich kenne, studieren in Deutschland.

    Abschließend kann man eins dazu sagen, viele haben wirklich eine verdrehte Wahrnehmung. Gerade die „Freizeitotakus“ stellen sich Japan extrem romantisch vor. Wenn man die Antworten so liest, sollte man vielleicht einige Wünsche (in Japan leben etc.) noch mal überdenken.

    Micha
    Ein alter Hase im Geschäft. Seit Akira 1991 in die deutschen Kinos kam, brennender Anime-Fan und noch die gute alte Zeit miterlebt als Carlsen Manga in Farbe und Bunt auf den Markt brachte. Ghost in the Shell Fan der ersten Stunde und bevorzugt mittlerweile Slice of Life Anime