Aki no Higan – Herbst-Tagundnachtgleiche in Japan

    Herbstgras im Mondlicht (Gemälde von Zeshin Shibata, Wikimedia Commons, Public Domain)
    Higan - das buddhistische Herbstfest in Japan (Gemälde von Zeshin Shibata, © wikipedia)

    Das Higan ist ein buddhistisches Fest, das zweimal jährlich anlässlich der Tag-und-Nachtgleichen im Frühjahr und Herbst stattfindet.

    Dabei soll der Mensch von der Welt der Illusionen, oder „shigan“ (此岸) zur Welt des Erwachens, oder „higan“ (彼岸) geführt werden. Um dies zu erreichen muss man positive Eigenschaften entwickeln und diese üben.

    Heute am 20. September (JST) beginnt das einwöchige Fest der Herbst-Tagundnachtgleiche, oder „Aki no Higan“ (秋の彼岸).

    Gebräuche zum Higan

    Zu Beginn der Woche (die in Japan am Sonntag beginnt) werden Klebreisbälle geopfert. Am Tag vor Higan erfolgt die Reinigung des buddhistischen Hausaltars, des butsudan (仏壇) und die dortigen Opfergaben werden erneuert.

    Mitte der Woche, am „Higan-e“ (彼岸会) wird dann eine besondere Form des Klebreisballs, die „ohagi“ (お萩) genannt wird, zubereitet. Sie sind mit Anko, einer Paste aus Azuki-Bohnen, ummantelt. Traditionellerweise werden Verwandte und Nachbarn mit ohagi beschenkt.

    Zur Zeit des Higan wird der Tempel und das Familiengrab besucht. Wenn möglich, reinigt man nicht nur das Grab der Familie, sondern auch verwahrloste Gräber, um die sich offenbar niemand kümmert. Am letzten Tag der Woche werden dann Klöße aus Reismehl zubereitet.

    Tiefere Bedeutung

    Wie eingangs gesagt, erinnert Higan daran, die Lehre des Erwachens zu verwirklichen. Durch die Riten und Gebräuche des Festes stärkt der Mensch die positiven Eigenschaften die hierfür erforderlich sind.

    Ethisches Verhalten, Fleiß, Beharrlichkeit, und die Bereitschaft zu geben, werden durch die Reinigungen, die Speisezubereitungen, den Besuch von Tempel und Grab und des Gebens für andere Menschen gefördert.

    Gemäß der Lehre der Sotoshu (曹洞宗), einer der drei großen Schulen des Zen-Buddhismus, trägt dies, zusammen mit der Praxis des Zazen (座禅), der Sitzmeditation dazu bei, dass man mit Glück und Freude gesegnet wird

    Lieder

    In der Soto-Zen-Tradition werden seit 1952 religiöse Lieder, die „Baikaryu Eisanka“ (梅花流詠讃歌) gesungen. Das ist eine buddhistische Praxis, die besonders bei älteren Frauen beliebt ist.

    Zur Herbst-Tagundnachtgleiche gibt es ein Lied mit dem Titel „Higan gowasan“ (彼岸御和讃), was sich als „Preisgesang des Higan“ übersetzen lässt. Gesungen wurde es unter anderem auch von Chiyoko Shimakura (島倉千代子).

    Shinnichi Tatamika
    Shinnichi ist japanophiler Zen-Buddhist der Soto-Tradition. Grüntee-Enthusiast und Enka-Karaoke-Sänger. Neigt dazu, lange Sätze zu schreiben, wenn er nicht aufpasst.