Als Fußballfan in Japan: Gamba Osaka vs. Monedio Yamagata

    Japanischer Fußball - Warum ein Besuch im Stadion sich lohnt

    © Laura Thiel

    Auch wenn man bei japanischem Sport zunächst an Yakyuu (Baseball) denken mag, so ist doch auch der in Europa sehr beliebte Fußball nicht uninteressant. Vier Mal konnte die japanische Nationalmannschaft bereits die Asienmeisterschaften bei 7 Teilnahmen in den letzten 23 Jahren für sich entscheiden und ist damit eine der erfolgreichsten Mannschaften im Asiatischen Raum.

    Aber auch die J-League, das Japanische Pendant zur Bundesliga, lässt einen deutschen Fußballfan die Heimat nicht vermissen. Zwar sind die Stadien auch in der obersten Liga der J-League nicht so groß wie in Deutschland, so fasst das Stadion vom 2014er Meister Gamba Osaka bisher ‚nur‘ 21.000 Besucher, aber auch dort wird aufgerüstet: Bald wird der japanische Meister und AFC Championship Teilnehmer Osaka im neuen Suita Stadium (benannt nach dem Stadtteil Suita), das 40.000 Besucher fasst, seine Heimspiele vor einem größeren Publikum austragen.

    Die J-League in Japan ist der deutschen Bundesliga sehr ähnlich aufgebaut: Es treten 18 Teams in einer Hin- und Rückrunde gegeneinander an und die 3 bestplatzierten Teams qualifizieren sich für die AFC Championsleague (Asian Football Confederation), das asiatische Pendant zur Championsleague. Die diesjährigen Vertreter Japans sind Sanfrecce Hiroshima, Kashima Antlers und Gamba Osaka.

    International ist die japanische Fußballnationalmannschaft auch keineswegs zu unterschätzen: Obwohl es die Japaner im weltweiten Vergleich eher schwer haben, gegen Mannschaften aus dem westlichen Raum anzukommen, sind sie im Asiatischen Raum äußerst erfolgreich. Bei den letzten 7 Turnieren haben sie 4 Mal die Asienmeisterschaften gewonnen.

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    Aber auch neben allen möglichen Statistiken, die eindeutig dafür sprechen, dass der japanische Männerfußball in keinster Weise zu unterschätzen ist, zählt letztlich der Spaßfaktor im Stadion wohl doch am meisten – und der ist definitiv gegeben.

    Im Spiel zwischen Gamba Osaka und Montedio Yamagata am vergangenen Sonntag in Osaka war von japanischer Zurückhaltung nicht viel zu sehen. Die Fankurven beider Mannschaften haben alle möglichen Fußballsongs, die man auch aus deutschen Stadien kennt, zum Besten gegeben und ein klares Plus gegenüber dem europäischen Fußball: Wenn ein Spieler gefoult wurde oder auf dem Boden lag, ist er ohne zu Weinen wieder aufgestanden und weiter gelaufen. Eine Eigenschaft, die im europäischen Fußball mittlerweile schon eher eine Besonderheit als eine Selbstverständlichkeit ist. Genauso die Pünktlichkeit ist ein klares Plus für die J-League. Wenn der Kick-off für 13:30 Uhr angesetzt ist, dann wird auch um 13:30 angepfiffen.

    Ein kleiner Unterschied zum deutschen Fußballerlebnis ist jedoch, dass man selten Gruppen von Fußballfans sieht, sondern viele Pärchen, die sich ein Spiel bei einem Date ansehen, entsprechend gemütlich ist das Spiel außerhalb der Fankurve.

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    Das 4:0 für Gamba. © Laura Thiel

    Das Spiel selbst war in der ersten Halbzeit eher zäh. Wenn man geglaubt hat, Meister und zu dem Zeitpunkt 4. Platzierter Osaka hätte ein leichtes Spiel gegen den letztplatzierten der Tabelle, Yamagata, der wurde leider enttäuscht. Dennoch hat der Trainer in der Halbzeit wohl ein Machtwort gesprochen, weswegen die zweite Halbzeit des Spiels eher an das Spiel Deutschland-Brasilien der vergangenen Fußballweltmeisterschaft erinnerte, nachdem in den ersten 15 Minuten nach Anpfiff der zweiten Halbzeit die Tore im Minutentakt gefallen sind und Gamba Osaka sich mit 4:0 noch für die Asiatische Championsleague qualifizieren konnte. Spätestens dann sind auch die Geister der Fans außerhalb der hochmotivierten Fankurve aufgewacht haben das Stadion in eine große Feier verwandelt.

    Wer als deutscher Fußballfan Interesse daran hat, Japanischen Fußball einmal live zu erleben, der sollte sich bei seinem nächsten Japanaufenthalt auf jeden Fall ein Ticket für die JLeague bei 7Eleven kaufen und die entspannte, aber dennoch gute Atmosphäre genießen.

    Und das Beste: Das Bier kostet auch nur 500¥ … 😉