Wer nach Kansai reist, braucht sich weniger Gedanken um zu viele Winterklamotten zu machen. © Laura Thiel

Die Aufregung ist groß: Der Flug ist gebucht, man hat eine Unterkunft, das Visum ist abgeholt und die Finanzierung ist geregelt. Jetzt gibt es doch keine Probleme mehr! Aber Moment. Was nehme ich eigentlich am besten in meinem Koffer mit?

Jeder, der schon einmal mit einem Flugzeug verreist ist, kennt das wehleidige Problem: Der Platzmangel! Wer schon bei seinem zwei-wöchigem Urlaub in Spanien fast am Gepäckproblem verzweifelt ist, wird bei einem Auslandsaufenthalt von 6-12 Monaten erst Recht ins Schwitzen geraten. Für jeden, der schonmal in Japan war, ist das weniger ein Problem, da bekannt sein sollte, welche Produkte man dorthin mitnehmen braucht und welche nicht, aber für totale Neulinge, hier ein paar Tipps, die ihr neben euren persönlichen Sachen auf jeden Fall bedenken solltet:

Hygieneartikel

  • Zahnpasta
    • Natürlich gibt es genügend Zahnpasta in Japan, aber wer nicht von Naturaus mit strahlend weißen Zähnen gesegnet wurde, sollte sich überlegen, noch 3 Tuben seiner Lieblingszahnpasta einzupacken. Regelmäßige Tee- und Kaffeetrinker werden das Problem mit den Zahnverfärbungen schon zu genüge kennen und eins sei gesagt: Das wird in Japan nicht besser! Zudem sind die Zahnpastas wesentlich schwächer, außer man greift tief in die Tasche. Daneben sind auch die Zusammensetzungen der Zahnpastas in Japan anders als in Deutschland, was schon dem einen oder anderen ziemliche Probleme bereitet hat, die sie zu einem Arztbesuch gezwungen haben.
  • Shampoo
    • Ähnlich wie bei der Zahnpasta. Es gibt natürlich Shampoo, allerdings ist es auf japanisches Haar ausgelegt (was auch Sinn macht bei einer derart homogenen Gesellschaft). Also entweder bezahlt man ein heiden Geld, um an westliches Shampoo zu kommen, oder man packt einfach ein bisschen mehr ein. Dasselbe gilt auch für Spülungen, je nachdem wie man seine Haare pflegt und worauf ihr angewiesen seid.
  • Deo
    • Nehmt Deo mit. Zumindest, wenn ihr nicht zu den Glücklichen gehört, die es schon in Deutschland eher aus Dekozwecken benutzen. Einen guten Eindruck zur Deoproblematik in Japan und wo sie herkommt, bekommt man von Rachel in ihrem Video:

  • Adapter
    • Spart euch das Geld, das ihr bei Saturn oder anderen Läden zahlt: Die Spannung in Japan ist geringer als in Deutschland, ihr könnt normalerweise euren Laptop, Handy, etc. problemlos anschließen (Infos dazu findet ihr auf der Rückseite des Gerätes, welche Spannung er verträgt). Dafür könnt ihr in Japan für 2-3€ Adapter kaufen, damit ihr die Geräte an die Steckdose bekommt. Akkubetriebene Geräte sind also kein Problem. Anders sieht es da aus, wenn ihr Geräte mit Leistung mitnehmen wollt: Entweder ihr zahlt 20€ für einen Spannungsumwandler in Deutschland oder ihr kauft euch für 20€ einen Föhn in Japan. Letzteres macht wohl mehr Sinn, spart euch nämlich wieder den Platz und das Gewicht im Koffer.
  • Kleidung
    • Das kommt natürlich sehr auf den Körpertyp an, aber man sollte genügend Strumpfhosen und Hosen mitnehmen. Gefühlt gibt es in Japan nur eine Hosengröße und bei einer Durchschnittsgröße von 1,64m bei den Japanerinnen und wenigen Centimetern mehr bei den Japanern, braucht man mit 175m+ nicht hoffen, ohne Umstände Kleidung zu finden. Es ist nicht unmöglich, schließlich gibt es auch größere Frauen und Männer in Japan, aber wenn man nicht grade etwas Glück hat oder Leute kennt, die einem Tipps geben, wird das sehr Nervenaufreibend und teuer. Strumpfhosen gibt es natürlich theoretisch genug, allerdings haben die deutschen doch eine wesentlich bessere Qualität beim selben Preis. Was sonstige Kleidung angeht will ich gar nicht viel sagen. Japan ist ja ziemlich lang und dementsprechend kann sich die Notwendigkeit von Sommer- oder Winterkleidung je nach Region stark ändern. Informiert euch vorher gut, wie die klimatischen Bedingungen sein werden und wägt dann ab, ob ihr mehr Sommerkleidung oder doch lieber einen Schal einpackt.
    • Tshirts, Jacken und andere Dinge bekommt man auch in Japan relativ günstig bei UNIQLR oder anderen Ketten, auch H&M findet man in den meisten größeren Städten. Generell gilt aber: Kleidung ist im Schnitt teurer als in Deutschland, wer also shoppen gehen will, sollte ein bisschen mehr Geld einplanen, als er es in Deutschland tun würde.
  • Medikamente und Arztbesuche
    • Nehmt alles mit, was geht. Pflaster kriegt man auch hier, das soll nicht das Problem sein, aber alles, was man einnehmen muss, wäre besser, wenn man es mitbringt. Kopfschmerztabletten, Schmerzgel, ja, notfalls auch Magnesiumtabletten für teures Urin. Genau wie beim Shampoo und Deo gilt, dass all das natürlich den Japanern angepasst ist. Allerdings kann man, um auf den Effekt einer Ibu Prophen 400 Tablette zu kommen, die ganze Packung auf einmal schlucken (was man allerdings auf keinen Fall tun sollte). Wer was haben will, was hilft, muss leider zum Arzt gehen. Das kostet aber Geld und Nerven, besonders wer nicht die nötigen Sprachkenntnisse hat.
    • Man kann viele Sachen in der Drogerie kaufen ohne vorher zum Arzt gehen zu müssen, meistens hat man auch nette Bildchen drauf, aber dennoch. Wenn man die Beipackzettel nicht lesen kann, ist man  auf der sicheren Seite, Produkte aus der Heimat zu nehmen. Das gilt aber in erster Linie für Freiverkäufliche Medikamte und Medikamente, die ihr regelmäßig einnehmen müsst.  Grippemittel oder ähnliches braucht man nicht mitnehmen, Viren und Bakterien können ebenfalls je nach Land unterschiedlich sein und müssen mit entsprechenden Medikamenten vor Ort behandelt werden.

Zwar keine Kofferproblematik, aber was euch auch bewusst sein sollte, damit ihr euch Platz für DVDs und Ähnliches spart:

Onlinestreamingdienste

  • Wenn man einmal drüber nachdenkt, macht es Sinn, aber dennoch ist es eine Erwähnung wert: Man kann deutsche Streamingdienste in Japan nicht verwenden. Sprich: Amazon, Netflix und was es sonst noch gibt, wird man nur auf Japanisch benutzen können. An sich ja kein Drama, besonders wenn man eh Japanisch lernen will, aber: es gibt wesentliche Unterschiede zu dem, was wir aus Deutschland kennen. Bei Amazon Prime in Deutschland kann man viele Serien und Filme kostenlos auf Amazon gucken, in Japan geht das nicht. Da bezahlt man pro Folge/Film. Wer also spontan alle 11 Staffeln von Supernatural mit 22 Folgen à 250Yen gucken will, kann sich das ja selbst ausrechnen.
  • Netflix hat hier gerade erst seine Pforten geöffnet und die Auswahl ist noch mehr als Überschaubar, aber wie von Netflix gewohnt, erweitert sich das Sortiment sehr schnell.
  • Für die Anime-Gucker: Crunchyroll funktioniert auch nicht, aber dafür nimmt Netflix immer mehr neue Serien ins Angebot auf.
  • Für Musikhörer: Wer Spotify auch in Japan nutzen möchte, sollte einen Premiumaccount haben. Als Student kostet der auch nur 5€.

Dinge wie Notizhefte, Lernmaterialien, Kosmetikprodukte (außer man braucht bestimmte Produkte wegen seiner Haut), Schmuck, Lotions, Handtücher, Fertigprodukte wie Tütensuppen (Nehmen manche tatsächlich mit) und all solche Sachen solltet ihr nur einpacken, wenn ihr sie wirklich unbedingt aus irgendeinem Grund braucht. All das bekommt man auch günstig in Japan oder kann von der Familie mal in einem Care-Paket geschickt werden. Lasst lieber etwas Platz für Omiyage bei euren japanischen Bekannten.

 

Habt ihr sonst noch Tipps, was man auf jeden Fall mitnehmen sollte?

 

Nächste Woche: Kulturschock oder Paradies? Wie man sich am besten auf seine ersten Tage in Japan vorbereitet.

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