Butsudan – Der buddhistische Hausaltar

    Butsudan (Foto: Wikimedia Commons, Corpse Reviver, cc-by)
    Butsudan (Foto: Wikimedia Commons, Corpse Reviver, cc-by)

    Das Bild von Japanern, die sich vor einem Shinto-Schrein oder dem Altar eines Tempels verbeugen, ist vermutlich den meisten Menschen bekannt.

    Weniger bekannt ist, dass ursprünglich jeder Haushalt über einen eigenen buddhistischen Altar verfügte. Geschichte und insbesondere die Symbolik dieser „Butsudan“ (仏壇) wollen wir an dieser Stelle etwas näher beleuchten.

    Geschichte des buddhistischen Hausaltars

    Vorläufer des Butsudan waren leicht zu transportierende Schreine mit buddhistischen Bildnissen, so dass Statuen und Tisch nur bei Bedarf aufgestellt wurden. Eine erste Anordnung, jeder Haushalt müsse einen Altar haben, erfolgte bereits durch Kaiser Temmu im Jahr 686.

    Die verbreitete Verwendung von privaten Hausaltären begann in der Muromachi-Zeit (1336–1573), als die Jodo-Shinshu-Tradition an ihre Anhänger Kalligraphien mit der Verehrungsformel „Namu Amida Butsu“ ausgab und genaue Regeln für die Handhabung festlegte.

    Gegen Ende der Edo-Zeit (1603-1868) waren Butsudan in praktisch allen Haushalten zu finden, da durch das Shogunat die Registrierung der Bürger bei Familientempeln vorgeschrieben wurde.

    Dieses „danka-System“ (檀家制度) genannte Verwaltungskonzept setzte voraus, das ein Hausaltar vorhanden war und dort ein Mitgliedschaftsbeleg hinterlegt wurde. Der Altar zeigte zudem, das man nicht dem damals verfolgten Christentum angehörte.

    Die Vorstellung, dass die portablen Altäre der wandernden „Heiligen Männer“ oder „hijiri“ (), besondere Kräfte beinhalteten, dürfte ebenfalls zur Popularisierung beigetragen haben.

    Heute verfügen dagegen weniger als 60 Prozent der städtischen Haushalte über einen Butsudan. Trotz der Einführung von Miniatur-Altären, um dem geringen Platz in japanischen Wohnungen Rechnung zu tragen, sinkt ihre Zahl.

    Bedeutung des Butsudan

    Der Hausaltar dient der Verehrung des Buddha und der Respektsbezeugung gegenüber den Ahnen. Hier werden buddhistische Sutras gelesen und Opfergaben dargebracht.

    Heutzutage ist die Pflege des Butsudan und die religiöse Praxis oft Senioren vorbehalten, da sie über die notwendige Zeit verfügen, welche die täglichen Rituale in Anspruch nehmen.

    Durch die freiwillige Weiterführung des danka-Systems verdienen die Gemeindetempel auch heute noch an religiösen Dienstleistungen, wie der Durchführung von Zeremonien in Privathaushalten anlässlich von Todestagen.

    Unterschiedliche Typen des Butsudan

    Die Altäre der Privathaushalte sind den großen Vorbildern aus buddhistischen Tempeln nachgebildet. Die unterschiedlichen Formen des Butsudan ergeben sich nicht ausschließlich aus dem Platzbedarf, sondern entwickelten sich auch regional.

    Einige Variationen gehen teilweise bis auf die Edo-Zeit zurück. Man unterscheidet grob drei Formen des Hausaltars:

    Der Karaki-Butsudan (唐木仏壇) ist insbesondere bei den Zen-Traditionen (禅宗) üblich. Er besteht aus kostbaren Hölzern wie Ebenholz oder rotem Sandelholz.

    Der Kin-Butsudan (金仏壇) findet vor allem bei der Jodo-Schule (浄土宗) Verwendung. Sein Inneres, sowie die Altarflügel sind mit Gold verkleidet.

    Der Kagucho Butsudan (家具調仏壇) entspricht mit seiner hohen Bauweise westlichen Möbelformen und fügt sich daher auch in modern eingerichtete Wohnungen ein.

    Hausaltäre werden traditionellerweise ohne Schrauben oder Nägel gefertigt und die Abmessungen meist noch in alten Maßeinheiten „shaku“ und „sun“ angegeben.

    Gegenstände im Hausaltar

    In einem Butsudan, befinden sich zwei Arten von Gegenständen. Das Honzon (本尊), oder Hauptobjekt der Verehrung und die Butsugu (仏具) genannten Ritualgegenstände.

    Der Altar besteht aus drei Hauptebenen und die dort platzierten Gegenstände sind ihrer Wichtigkeit nach von oben nach unten absteigend angeordnet.

    Die Einzelheiten hängen von der Größe des Altars und der jeweiligen buddhistischen Linie ab, weshalb hier nur grobe Angaben möglich sind.

    Schauen wir uns mal den Aufbau eines solchen Butsudan an:

    Grafik eines Butsudan im Stil der Sotoshu (Grafik: Sumikai)
    Grafik eines Butsudan im Stil der Sotoshu (Grafik: Sumikai)

    Oberste Ebene

    Hier befindet sich das Hauptobjekt der Verehrung. Je nach Tradition kann es eine unterschiedliche Buddhafigur, aber auch eine Kalligraphie sein, wie etwa bei der Nichiren-Schule (日蓮宗).

    Die „koji“ (脇侍) genannten Darstellungen zu beiden Seiten des Buddha zeigen oft die Gründer der Traditionslinie.

    So besteht das Honzon im Altar der Sotoshu aus Buddha Shakyamuni in der Mitte, flankiert von den Gründern Keizan und Dogen links und rechts davon.

    Manchmal finden sich hier zusätzlich die die „tsurikoro“ (吊灯籠) genannten Hängelaternen, die das Honzon beleuchten, sowie die girlandenartigen Dekorationen, oder „yoraku“ (瓔珞).

    Die „ihai“ (位牌) genannten Ahnentafeln mit den posthumen buddhistischen Namen der Verstorbenen, werden entweder links und rechts vom Honzon, oder aber auf einer Stufe darunter aufgestellt. Die Ihai in den Butsudan zu stellen ist nicht in jeder Tradition üblich und wurde vermutlich aus dem Konfuzianismus übernommen.

    Die Butsugu, als Ritualgegenstände befinden sich auf den darunter liegenden Stufen des Hausaltars. In der Regel sind das die fünf traditionellen Opfergaben – Kerzen , Räucherwerk, Blumen, Speisen und Wasser

    Mittlere Ebene

    Hier stehen die „takatsuki“ (高坏) – Standtabletts für Speiseopfer und die Schälchen für Tee und Wasseropfer. Die Lebensmittel werden praktisch niemals weggeworfen, sondern von den Angehörigen des Haushalts verzehrt. Wer nicht täglich die Speisen vor den Mahlzeiten der Familie darbringen will, setzt auf haltbare Opfergaben.

    Untere Ebene

    Ein Butsudan (Foto: kontenten-san, Photozou, cc-by-nd)
    Ein Butsudan (Foto: kontenten-san, Photozou, cc-by-nd)

    Blumen, Kerzen und das Räuchergefäß finden sich auf der unteren Ebene und gelten als Minimalvorgaben für den Altar. Diese Gegenstände werden auf Brokattüchern aufgestellt.

    Das „uchishiki“ (打敷), ein Dreiecktuch, hängt an der Vorderseite herab. Hier sind oft die offiziellen Symbole der buddhistischen Tradition aufgesteckt.

    Diese Tücher sollen auf die Zeit des historischen Buddha zurückgehen und die Stoffbahnen symbolisieren, die ihm als Sitzmöglichkeit angeboten wurden.

    Aufgrund der Brandgefahr durch offenes Feuer werden heutzutage teilweise schwer entflammbare Kunstblumen, feuerfeste Altartücher und elektrische Kerzen genutzt.

    Vor dem Altar

    Auf einem vor dem Butsudan platzierten Podest werden die für Andachten benötigten Dinge aufgestellt. Dazu gehören das Kakochō (過去帳) genannte Totenregister, mit den Namen der Vorfahren, die buddhistische Gebetskette, oder „juzu“ (数珠) sowie die rituellen Instrumente.

    Dabei handelt es sich um die Rin-Klangschale und der „mokugyo“ (木魚), ein Rhythmusinstrument aus Holz. Beide werden mit eigenen Schlegeln genutzt und dienen der Begleitung der Sutrarezitation.

    Abschluss

    Diese Beschreibung ist wie bereits gesagt nur sehr grob, da die unterschiedlichen buddhistischen Traditionen verschiedene Vorschriften im Bezug auf die Gestaltung des Altars haben.

    Ich hoffe, trotzdem einen kleinen Einblick in die Welt buddhistischer Hausaltäre in Japan geboten zu haben.

    Butsudan in der Populärkultur

    In der US-amerikanischen Fernsehserie „Ohara“ (1987-1988) erhält der Hauptcharakter, ein japanischstämmiger Polizeibeamter, wichtige Inspirationen bei der Meditation vor dem Butsudan.

    Die „Vereinigung der Händler für religiöse Waren“ erklärte den 27. jedes Monats zum Tag des Familienaltars – „Butsudan no Hi“ (仏壇の日).

    Shinnichi Tatamika
    Shinnichi ist japanophiler Zen-Buddhist der Soto-Tradition. Grüntee-Enthusiast und Enka-Karaoke-Sänger. Neigt dazu, lange Sätze zu schreiben, wenn er nicht aufpasst.