Das Japanische Neujahrsfest

    Neujahrsbräuche in Japan

    Japanischer Neujahrsschmuck / © チョコラテ (www.photo-ac.com)
    Japanischer Neujahrsschmuck / © チョコラテ (www.photo-ac.com)

    Das japanische Neujahrsfest ist ein Event, das am ehesten mit dem christlichen Weihnachten zu vergleichen ist. Familien finden sich zusammen, es wird viel gegessen und man verbringt einige entspannte Tage gemeinsam mit seinen Liebsten. Was man in Japan an den Neujahrstagen macht und welche Gebräuche damit verbunden sind, erzählen wir euch in den folgenden Abschnitten.

    Allgemeines

    Die Neujahrszeit (お正月) spannt sich, wie der Advent bei uns, über mehrere Tage oder Wochen hinweg. Üblicherweise beginnt die Festivität am 01. Januar eines Jahres und endet am 07. Januar. In manchen Gegenden in Japan wird das Neujahr jedoch bis zum 15. oder 20. begangen. Die Zeit bis zum 07. bzw. 15. wird „Matsu no uchi“ (松の内) oder „Kadomatsu“ (門松) (zwischen den Kiefernbäumen) genannt, die Tage bis zum 20. tragen den Namen „Koshōgatsu“ (小正月) (kleines Neujahr). Unterschiede bezüglich des Ende des Neujahres haben einen geschichtlichen Grund: Ursprünglich war landesweit der 20. Tag des ersten Monats der letzte Tag des Neujahrs, da jedoch der Shōgun Tokugawa Iemitsu (徳川家光) vor mehreren hundert Jahren an jenem Tag verstarb, wurde dieser zum Trauertag erklärt. Da dieser Trauertag aber nicht von allen Landesteilen offiziell begangen wurde, verlegten nur manche Regionen ihr Neujahrsfest auf ein anderes Datum.

    Traditionell nehmen sich die Japaner an den Tagen frei, um in Ihre Heimat zurück zu kehren. In konservativen Familien besuchen Ehepaare die Familie des Mannes. Da Frauen ursprünglich in die Linie des Mannes einheirateten und so nicht mehr Teil der Familie ihres Vaters waren, wurden diese aus dem Koseki (戸籍)(Familienregister) gestrichen. Deshalb war es lange weit verbreitete Praxis, dass Frauen das Neujahrsfest nicht mehr mit ihren Eltern verbringen konnten. In den letzten Jahrzehnten änderte sich dies jedoch dahingehend, dass viele Paare die Familien abwechselnd besuchen. Japanische Firmen sind in den Dezemberwochen immer sehr beschäftigt, da nicht nur das Wirtschaftsjahresende ansteht, sondern auch die Angestellten für mehrere Tage nicht erreichbar sind. Viele Unternehmen stehen deswegen über die Feiertage still.

    Die religiösen Gebräuche der Neujahrszeit haben wenig mit ausgelassenen Feiern zu tun. Das Oshōgatsu genannte Neujahr wurde ursprünglich mit großem Ernst begangen. Die meisten Bräuche im Zusammenhang mit dem Neujahr gehen auf den Shintoismus zurück. Auch wenn die meisten Bräuche früher bereits ab dem 13. Dezember begonnen wurden, gilt heute meist der 28. Dezember als idealer Tag für die rituellen Maßnahmen der Neujahrszeit. Aus numerologischen Gründen gilt der 29. als unglückverheißend, so dass keine Neujahrsbräuche vorgenommen werden sollten. Die Neujahrsbräuche enden in der Regel am 7. Januar. Einen Überblick über einige der Vorstellungen und traditionellen Sitten dieser Zeit, die sich bis in das moderne Japan gehalten haben, möchten wir im Folgenden bieten.

    Ursprung des Neujahrsfestes
    Seit frühester Zeit besteht der Glaube, dass am Neujahrsmorgen der Gott des Neujahrs „Toshigami sama“ (年神様) (auch 歳徳神 “Toshitokujin“) in die Häuser der Familien kommt, um großes Glück zu bringen. Toshigami sama vereint viele positive Dinge in sich, so ist er ein Geist der Ahnen, Gott des Feldes und Gott der Berge. Er bringt Kindersegen, eine reiche Ernte, Gesundheit und Glück. Wenn man zu diesem Gott betet und ihm die Möglichkeit gibt in sein Haus einzukehren, so wird man besonders gesegnet. „Toshigami sama“ wird also wie ein besonderer Gast im eigenen Heim willkommen geheißen, worin Traditionen wie z.B. der Neujahrsputz ihren logischen Ursprung finden.

    1 Kommentar

    1. Ein sehr, sehr schöner Artikel. Danke dafür.

      In Kyoto hat unser Hotel zum 31.12. „Nishin Soba“ (Soba Nudeln mit getrocknetem Hering) als „Toshikoshi Soba“ angeboten. Sehr, sehr lecker. 🙂
      Eine andere Neujahrstradition die mir auch gefallen hat, ist Hatsuhinode (初日の出). Dabei betrachtet man gemeinsam den ersten Sonnenaufgang des Jahres. Je nach Wohnort, geht man dazu vor Sonnenaufgang zu einem Aussichtspunkt mit guter Sicht in Richtung Osten. Für Leute, die am frühen Morgen noch nicht so weit/lange laufen wollen oder in den Großstädten wohnen gibt es auch eine Variante: einige Sehenswürdigkeiten wie der Tokyo Tower, Sky Tree oder Kyoto Tower öffnen am 1.1. schon eher. Die Eintrittskarten sollte man allerdings schon ein paar Tage vorher besorgen, da der Andrang entsprechend groß ist.

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