Die Überfischung in Japan, von der niemand etwas weiß

Die Kontroverse um Walfang in Japan kennt wohl jeder, aber vielen ist nicht bewusst, dass der unbändige Appetit der Japaner auf Blauflossenthunfisch diesen an den Rand des Aussterbens gebracht hat. Ein Kommentar von Azathoth.

© AP Photo/Koji Sasahara

Japan ist eine Fischerei-Nation, das weiß so ziemlich jeder. Der Inselstaat lebt schon seit frühester Zeit von Reis, Meeresfrüchten und Fischen, weshalb es in dem Land meistens als Angriff gesehen wird, wenn man den Fischfang dort als Außenstehender kritisiert.

Was viele Menschen hier bei uns und auch in Japan aber selbst nicht wissen: Walfang ist vielleicht gar nicht das allergrößte Problem, wenn es um Fischfang in Japan geht. Natürlich sind die Tiere vom Aussterben bedroht und jeder Wal, der für „Forschungszwecke“ erlegt wird, ist einer zu viel. Aber es gibt auch eine andere Fischgattung, die durch den Appetit der japanischen Bevölkerung innerhalb von fast 50 Jahren an den Rand des Aussterbens getrieben wurde. Ich spreche hier von einem der wichtigsten Speisefische der Welt – dem Blauflossenthunfisch.

Täglich frischer Fisch
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Die japanische Bevölkerung ist für 80% des weltweiten Konsums an Blauflossenthunfisch verantwortlich. Und das ist eine ganze Menge. Wenn man den Fischbestand von heute mit dem von 1970 vergleicht, sind gerade einmal noch 2,6% der Fische übrig.

Der Blauflossenthunfisch – Eine bedrohte Existenz

Für mich persönlich ist Blauflossenthunfisch der leckerste Fisch, den ich mir vorstellen kann. Da die Japaner diese bei uns nicht gerade billige Spezialität jedoch oftmals täglich essen, ist dieser starke Rückgang der Fischbestände relativ einfach nachzuvollziehen. Das Hauptproblem ist die Art des Fischfangs in Japan: die Verantwortlichen setzen auch heute noch auf Schleppnetze, durch die nicht nur ausgewachsene Fische, sondern auch Jungtiere gefangen werden, die noch nicht einmal geschlechtsreif sind – und wie soll sich eine bedrohte Tierart wieder regenerieren, wenn sie täglich ihres Nachwuchses beraubt wird?

Selbst nach drei Jahren sind erst 20% der Tiere dieser Fischart dazu fähig, Nachwuchs zu zeugen. Sie wiegen dann 30 Kilogramm. Ein ausgewachsener Fisch hingegen wiegt nach 15 Jahren im Ozean im Schnitt 300 Kilogramm und ist gute fünf Meter lang. Die Tiere werden also abgefischt, lange bevor sie überhaupt ihre optimale Größe erreicht haben.

© AP Photo/Shuji Kajiyama
Mangelnde Aufklärung in Japan

Ein Großteil der japanischen Gesellschaft weiß davon jedoch gar nichts, da die Massenmedien dort von der Abfischung – wie auch über andere kontroverse Themen wie Fukushima – nur unzureichend berichten. Als Beispiel hierzu könnte ich eine japanische Freundin aufführen, die früher nicht einmal wusste, dass Wale eine gefährdete Tierart sind. Bis ich sie über die wissenschaftlichen Fakten aufgeklärt hatte, dachte sie, dass es von diesen mehr als genug gebe, vor allem in Japan, und dass deren Fang deshalb vollkommen in Ordnung wäre. Ähnlich verhält es sich in Japan auch mit dem Blauflossenthunfisch – die Leute sehen im Fernsehen nicht wirklich, wie es um die Fischstände steht. Stattdessen bekommen sie Berichte von z.B. Duellen zwischen zwei einzelnen Fischern vorgesetzt, die klassische Angelduelle ausführen. Das dies nur wenig von der harschen Realität widerspiegelt, wissen nur die Wenigsten.

Der Fischkonsum in Japan ist ein Problem, das weltweite Auswirkungen hat. Wenn die Nation so weitermacht wie bisher, wird es irgendwann keine Blauflossenthunfische mehr geben. Dies ist nicht nur ein schwerwiegender Schlag für diverse Tierschutz- und auch Fischerei-Verbände, die sich für nachhaltigen Fischfang einsetzen, sondern auch für die japanische Bevölkerung, die von diesem Problem viel zu wenig weiß.

Wie würdet ihr reagieren, wenn man euch von einem Tag auf den Nächsten euer Steak oder ein ähnliches Lieblingsgericht wegnehmen würde, das ihr seit eurer Kindheit zu essen gewohnt seid? Klar, das würde euch nicht gefallen. Den Japanern sicherlich genauso wenig.

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