Erlebnisse in Kyoto von Kazekami

    Momichi, so werden in Japan die Blätter genannt, die während dieser herbstlich, kühlen Zeit ihre Farbe wechseln und Jahr für Jahr tausende in-, sowie ausländische Touristen in ihren Bann ziehen. Zu diesem Anlass begab ich mich dieses Jahr mit einer guten Freundin und einem japanischen Guide nach Kyoto, dem wohl beliebtesten und bekanntesten Ort, um diese Naturschönheit zu genießen.
    Kyoto ist bekannt für seine traditionellen Gemäuer, Tempel, Schreine und seine Altstadt. Meine französische Begleiterin und große Kenshin-Liebhaberin war größtenteils an diesem Teil Kyotos interessiert, in der Hoffnung ihren Lieblings Manga im wahren Leben anzutreffen zu können. Ich, welcher ebenfalls noch nie zuvor in dieser Stadt war, wollte von allem etwas mitnehmen. Als Liebhaber fernöstlicher Kultur und Geschichte, wollte ich keine Facette Kyotos unbeachtet lassen.

    So ging die kleine Reise los

    Dank unseres japanischen Guides, der uns zur Seite stand, waren wir in der Lage schnell und unkompliziert an unsere Shinkansen Tickets gekommen. Egal wie viel Japanisch ich hier lerne, Dinge wie Tickets bestellen oder Pakete verschicken klappt am Besten, wenn man einen Freund dabei hat, welcher der Sprache tatsächlich mächtig ist. Die Fahrt im Shinkansen selber war rasch und angenehm. Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell einen dieser Zug von Punkt A nach B bringen kann. Der Aufpreis lohnt sich also in den meisten Fällen, auch wenn es das Gewicht des eigenen Geldbeutels doch schneller reduziert, als einem lieb ist. Günstigere Alternativen wären der Nachtbus oder die normalen Züge.
    Am Kyotoer Hauptbahnhof angekommen, war unsere erste Aufgabe den gesuchten Ausgang zu finden, ohne in dem ganzen Trubel unterzugehen oder sich zu verlaufen. Die besten Zeiten, um Kyoto aufzusuchen sind im Herbst, wenn die Momichi ihre Farbe wechseln und im Frühling, wenn die Kirschblüten zu fallen beginnen. Und das merkt man auch ganz deutlich. Der Aufmarsch an Menschen ist unglaublich, selbst für japanische Verhältnisse. Wir behielten unseren japanisch, kühlen Kopf und fanden auch irgendwann, nachdem wir das eine oder andere mal die falsche Richtung eingeschlagen hatten, unsere Destination und kamen zu den Bussen, welche uns zu unserem ersten Tempel des Tages bringen sollten.

    Nach der erste Etappe kommt die zweite

    Die Fahrt mit dem Bus stellte sich als interessanter heraus, als zunächst gedacht. Ich persönlich hatte das Gefühl, dass die Bushaltestellen viel zu dicht angesiedelt waren, was unsere Fahrt deutlich verlangsamt hat. Die vielen älteren Menschen dort ließen mich den Grund dafür dann doch verstehen und ich finde es im Nachhinein auch ganz gut, dass man auch den einen oder anderen Gedanken für die ältere Generation übrig hat. Man steigt in japanischen Bussen grundsätzlich hinten ein und bezahlt vorne beim Busfahrer, sobald man an seiner Station angekommen ist. Funktioniert im Grunde genau so schnell wie bei uns, hinterlässt aber ein angenehmeres Gefühl, wenn man sich während des hinaus gehens beim Busfahrer bedanken kann und ein freundliches Nicken im Gegenzug bekommt. Ob das üblich ist, kann ich nicht sagen, als Ausländer geht das aber allemal in Ordnung.
    Als wir unsere erste Destination erreicht hatten, bot sich uns sogleich ein Einblick in das traditionelle Antlitz Kyotos, sowie die jahreszeitliche Naturschönheit. Wohnhäuser im traditionellen Stil, selbstverständlich aber mit moderner Isolation und Bauweise, sowie schöne Alleen mit Bäumen links und rechts, welche langsam Ihre Blätter verloren. Ungeduldig auf die kommenden Erlebnisse und Sehenswürdigkeiten, machten wir uns natürlich sogleich auf den Weg zu unserem ersten Tempel, dem Ginkakuji. Zwischendrin holten wir noch unser Frühstück nach, welches uns in einem kleinen traditionellen Restaurant von einer älteren Dame serviert wurde. Frisch gestärkt schritten wir unseres Weges, vorbei an Essensständen, alt aussenden Gebäude und Läden, welche uns allerlei Spezialitäten Kyotos und Touristenartikel verkaufen wollten.

    Angekommen am Ginkakuji Tempel

    Als wir dann letztendlich vor den Pforten Ginkakuji standen, war ich vor Begeisterung schon ganz aufgeregt. Ich war schon immer ein freudiger Besucher japanischer Tempel und Schreine. Und nun konnte ich es kaum abwarten, einen der bekanntesten Kyotos zu erleben. Die Gebühr betrug 500 Yen, so wie fast für jeden Tempel oder Schrein, den wir im Laufe des Tages aufgesucht hatten. Am Anfang nicht viel, summiert sich dies doch ziemlich schnell auf. Man mag gar nicht fassen, wie viele alte Gebetsstätten man hier doch auffinden kann. Das erste, was einem im Inneren dieses beinahe „Palastes“ ins Auge gestochen hat war die schiere Perfektion, mit denen hier Garten- und Tempelpflege angegangen wird. In unzähligen Stunden Arbeit werden feine, sorgfältige Linien in den Sand gezogen, Bäume, Blätter, Büsche und Sträucher werden mit feinem Werkzeug per Hand bearbeitet, um bloß nicht zu viel wegzuschneiden. Alles muss im Rahmen bleiben, alles muss dem Maß entsprechen.
    Touristen und japanische Besucher wussten Respekt zu zeigen. Obwohl die Menschenmenge alles andere als übersichtlich war, war es doch extrem ruhig, man konnte die Vögel zwitschern und den Wind in den Bäumen hören. Eine wunderschöne Erfahrung, welche jeder zumindest einmal in seinem Leben gemacht haben sollte. Zu den Momichi kann ich wirklich sagen, dass meine Erwartungen erfüllt wurden. Die Kraft der Farben und die Vielfalt war schlichtweg atemberaubend. Die Gelegenheit wahrnehmend machten wir auch sogleich eine Führung durch das innere des Tempels mit, was allerdings aufgrund der Sprachkenntnisse doch eher schwer ausfiel, da wir nicht alles verstanden haben. Im Anschluss meinte unser japanischer Freund, dass es selbst für ihn nicht leicht war, da man doch viele Ausdrücke benutzt habe, die im alltäglichen Leben unüblich sind. Dies beruhigte uns doch ein wenig und wir zogen weiter Richtung Altstadt, während ich mir für unterwegs noch einen Windbeutel mit Grünteefüllung gönnte. Der Geschmack? Fern jeder Möglichkeit der Beschreibung, da es schlichtweg keinen deutschen Vergleich gibt 😀
    Auf unserem Weg trafen wir so einige weitere kleinere sowieso größere Schreine und Tempel, welche ich zwar alle besuchen wollte, es allerdings aufgrund der zeitlichen und preislichen Lage nicht die beste Idee gewesen wäre. Natürlich sind 500 Yen nicht die Welt. Aber wenn man die sieben unterwegs abklappert und die ganz großen noch nicht gesehen hat, wird es doch irgendwann recht knapp mit den Finanzen. Irgendwann beschlossen wir einfach ein Taxi zu nehmen, was ich den Zartbesaiteten unter euch allerdings nicht wirklich empfehlen würde. Ich dachte mehr, als nur einmal, mein Leben an mir vorbeiziehen zu sehen. Mein voller Ernst, der Verkehr ist furchtbar!! Die Autofahrer sind um einiges rücksichtsloser, als ich es im Land des Lächelns und der Höflichkeit erwartet hätte.
    Nichtsdestotrotz haben wir unser Ziel lebend erreicht und schlenderten nach kurzem Marsch durch die breiten alten Straßen Kyotos. Mit alten Häusern links und rechts hat man sich wirkich gut in die Zeit der alten Samurai zurückversetzen können, als es die Lichter und Hochhäuser Tokios und Nagoyas möglich machen würden. Am Gesicht unserer französischen Begleitung konnte ich ihre Zufriedenheit ablesen.
    Zum Mittagessen hatten wir uns was Besonderes vorgenommen. Japanischer Aal in einem traditionellen Restaurant, welches sich auf diesen spezialisiert hat. Und hier kann ich auch ohne weiteres sagen, dass es eines der besten Dinge ist, die ich in meinem Leben essen durfte. Ich mochte Aal ja schon immer, doch der Geschmack hier war etwas ganz anderes, als ich es mir jemals hätte ausmalen können. Liebe Freunde, wenn ihr die Möglichkeit habt, probiert es aus! Eure Geschmacksknospen werden ihr blaues Wunder erleben. Keine Überraschung war allerdings die Rechnung, die uns im Anschluss erwartete. In einem Restaurant, welches so gut ist, habe ich mich dann auch nicht gewundert, meine 8000 Yen zu zahlen. Ich bereue jedenfalls nichts und würde es auch wieder machen.

    Erlebnisse in Kyoto, nach dem Mittagessen

    Nach diesem kulinarischen Abenteuer machten wir uns auf zu Kyotos Touristenbezirk mit seinen hiesigen Tempeln, wundervollen Schreinen, seinen Essensständen, welche genauso aussahen, wie man sie von Festivals in Anime und Manga kennt und den Unmengen an kleinen Läden, welche zuverlässig dabei sind, Touristen mit gewissen Lasten zu helfen. Da unsere Mägen allerdings bereits ausreichend gefüllt waren, mussten wir schweren Herzens an all dem gut aussehenden Essen vorbeiziehen und dies auf den nächsten Tag verschieben.
    Den Rest des Tages verbrachten wir damit, umherzuwandern, uns Touristenartikel und Attraktionen anzusehen, Tempel zu besuchen und uns allgemein an Kyotos Atmosphäre zu erfreuen. Gegen Abend musste uns unser japanischer Freund aufgrund unitechnischer Termine verlassen, was uns nicht ganz hilflos aber doch ein wenig planloser gelassen hat, als wir zunächst dachten. Nichtsdestotrotz hatten wir noch eine schöne Zeit, konnten unterschiedliche Spezialitäten Kyotos ausprobieren.
    Gegen Abend machten wir uns planlos auf die Suche nach einem Ort zum Übernachten. Da uns unser japanischer Freund Hilfe zugesprochen hatte, haben wir uns da nicht zu viel Gedanken gemacht, aber im Endeffekt war seine Hilfe unzureichend und wir in dem Moment alleine und ein wenig verloren. Wir beschlossen uns auf die Suche nach einem Manga Café zu machen und machten uns deswegen auf in Richtung Hauptbahnhof. Unterwegs fiel uns auf, dass es eigentlich nicht wirklich möglich ist, komplett ohne Bleibe auf der Straße zu übernachten. Überall fand man Karaoke Häuser, wo man gegen eine Gebühr die Nacht verbringen konnte und was auch nicht von gerade wenigen Personen genutzt wird. Wir jedenfalls hatten unseren Plan ein Manga Café zu finden fest im Sinn und ließen uns davon auch nicht abbringen. Nach einer knappen halben Stunde Fußmarsch fanden wir ein Schild an einem so großen Gebäude, dass es nur ein Blinder übersehen könnte. Da hatte man offensichtlich an uns gedacht. Erleichtert und extrem erschöpft buchten wir uns ein „Doppelzimmer“, tranken Softdrinks, Kaffee und Kakao bis zum Abwinken, erfreuten uns an all den Manga, welche wir leider nicht lesen konnten und schliefen dann doch tatsächlich ein,während wir uns eine Folge Gurren Lagann auf einem unserer PCs angesehen haben.

    Der zweite Tag und die Abresie

    Am nächsten Morgen machten wir uns, motiviert und ausgeruht, auf zum goldenen Tempel Kinkakuji. Die schienen es damals wohl nicht so ganz mit Namen zu haben. Als wir dem Eingang näher kamen, sprachen uns zwei japanische Studentinnen an und boten uns eine Führung durch den Tempel an. Überrascht und erfreut nahmen wir natürlich sofort an und hatten somit wesentlich mehr von diesem Besuch. Wir bekamen unterschiedlichste Geschichten zu hören, fanden heraus, dass die beiden jungen Damen mindestens so große Anime Fans waren wie wir und hörten die Ursprungsgeschichte unseres Lieblings Pokemons Karpador. Im Anschluss hatten wir die beiden zum Eis Essen eingeladen, nach weiteren Gesprächen und gemeinsamen Fotos zogen wir unseres Weges.
    Der zweite Tag unserer Kyoto Reise war etwas entspannender aber nicht ärmer an Erfahrungen und Erlebnissen. Wir haben wieder viel zu viel gegessen, die ganzen Stände abgeklappert, einen kleinen Flohmarkt besucht, uns weitere Schreine angesehen und Weihnachtsgeschenke für unsere Geliebten in Deutschland und Frankreich eingekauft.
    Die Abreise verlief ebenfalls recht reibungslos. Größtenteils allerdings aufgrund der guten Hilfe japanischer Hilfskräfte, welche uns Touristen geholfen hatten, den richtigen Bus zum Hauptbahnhof zu finden, etc. Im Shinkansen hatten wir leider nur noch Stehplätze erwischt, aber auch die zweieinhalb Stunden vergingen recht schnell, da sich ein älterer japanischer Herr mit guten Englischkenntnissen fand und sich die eine oder andere Unterhaltung auftat.
    Kyoto ist ein wunderschöner Ort, den man einmal in seinem Leben gesehen haben muss. Ich kann es kaum abwarten da im Frühling nochmal hinzugehen und mir diesmal die Kirschblüten anzusehen.

    Weitere Fotos aus Kyoto und von meinem Aufenthalt in Japan, findet ihr in diesem Album auf meiner Facebook-Seite, einfach hier klicken dafür.

    Ein Bericht für euch, von Kazekami aus Japan

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Bildquelle & Copyright: Kazekami