Katzencafé im Zug - Japan
Der Neko Cafe Train - Japans erstes Katzencafé im Zug © 養老鉄道株式会社 (Yoro Railway Co., Ltd. Official Facebook)

In Japan ist am Wochenende ein Zugabteil der besonderen Art auf Jungfernfahrt gegangen. Das Katzencafé auf Schienen entzückte Passagiere und Tierliebhaber gleichermaßen, doch hinter der Aktion steht ein ernstes Anliegen.

Dass die Japaner gerade zu besessen von Katzen sind, ist wohl kaum ein Geheimnis. Immerhin gibt es in Japan Katzencafés, Büros, in denen Katzen zur Stressreduzierung beitragen, eine bei Reisenden populäre Katzeninsel, die fröhlich-winkende Glückskatze Maneki-Neko und natürlich Hello Kitty, unangefochtener Superstar der Comicfiguren und der Inbegriff japanischer Niedlichkeit. Dass Japan allerdings seit Jahrzehnten ein Problem mit herumstreunenden Straßenkatzen hat, das wissen nur wenige. Nun hat die NGO Kitten Cafe Sanctuary in Zusammenarbeit mit der Yoro Railway Co. Ltd. ein ungewöhnliches Projekt ins Leben gerufen, um mehr Aufmerksamkeit für das Schicksal heimatloser Samtpfoten zu erregen.

Ein ganzes Zug-Abteil des Nahverkehrszugs in Ogaki (Gifu) wurde am Sonntag, den 10.09.2017 für das Projekt in ein Katzencafé auf Schienen umgewandelt und Zugreisende hatten das Vergnügen, die flauschigen Fellnasen zu streicheln, mit ihnen zu spielen oder in deren Beisein einen Tee zu trinken.

Japan kämpft mit einer Katzenplage

“Es ist großartig, wenn solche Aktionen das Bewusstsein für die Problematik von Straßenkatzen steigern”, äußert Passagierin Mikiko Hayashi gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Herrenlose Katzen sind in vielen japanischen Städten und Gemeinden zu einem ernsthaften Problem geworden. Sie durchforsten Abfälle, lärmen in der Nacht und vermehren sich unkontrolliert.

Das traurige Schicksal herrenloser Haustiere in Japan

Insgesamt 72,624 Straßenkatzen wurden im Jahr 2016 eingefangen und ins Tierheim gebracht. Zwar ist diese Zahl im Gegensatz zu vorigen Jahren zurückgefallen, doch nur wenige wissen, dass die meisten Tiere im Tierheim getötet werden, sobald sie nicht weiter vermittelt werden können. Es ist der Mangel an Ressourcen und Platz, der die Tierheime dazu veranlasst, die Tiere einzuschläfern, bzw. unter anderem auch zu vergasen. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 45,574 Katzen auf diese Art und Weise getötet.

Yuriko Koike, die Büromeisterin von Tokyo, hat sich im Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Spiele bereits 2016 dafür ausgesprochen, das Einschläfern von Straßentieren abzuschaffen. Auch auf regionaler Ebene versucht man, das Straßenkatzenproblem mit neuen Ansätzen wie beispielsweise Sterilisation in den Griff zu bekommen, aber ob diese Bemühungen auf nationaler Ebene durchgreifen, bleibt abzuwarten.

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