Bestattungen in der Sperrzone um Fukushima in Japan
Vor über sechs Jahren vertrieb die Nuklearkatastrophe die Bewohner aus Fukushima. Die Sperrzone könnte noch Jahrzehnte bestehen bleiben | Flickr @ Warren Antiola (CC BY-NC-ND 2.0)

In der Sperrzone rund um das havarierte Atomkraftwerk von Fukushima warten noch immer Menschen darauf, ihre Angehörigen rechtmäßig bestatten zu können. Viele sehen sich gezwungen, ihre Familiengräber an andere Orte zu verlegen.

Sechs Jahre sind vergangen, seit Japan von der verheerenden Dreifachkatastrophe in Fukushima heimgesucht wurde. Am 11. März 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9 den Inselstaat und löste einen gewaltigen Tsunami aus, der über 15,000 Menschen in den Tod riss. Im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi führte der Tsunami zu einer Reihe katastrophaler Ausfälle und dem schwersten Atomunfall seit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Mehr als 150,000 Menschen mussten damals Hals über Kopf ihre Heimatorte verlassen und vor der Radioaktivität fliehen. Noch heute lebt ein großer Teil der sogenannten Fukushima-Flüchtlinge in provisorisch eingerichteten Flüchtlingsunterkünften und Containern. Zwar bleiben die meisten Fukushima-Flüchtlinge ihrer alten Heimat aus Angst vor der Strahlung fern, doch viele Menschen warten noch immer auf eine Rückkehr in ihre Heimatorte.

Ein besonderes Problem für die Fukushima-Flüchtlinge ist die sogenannte „Heimkehr“ bereits verstorbener Menschen. Weil die Menschen nicht in die Sperrzonen rund um die havarierte Atomruine zurückkehren dürfen, können die Verstorbenen auch nicht regulär bestattet werden. Das betrifft vor allem diejenigen, die im Familiengrab ihrer Vorfahren beigesetzt werden möchten. Viele Familien haben sich aus diesem Grund bereits dazu entschieden, ihre Familiengräber umzuverlegen oder die Überreste ihrer Angehörigen vorerst in die Obhut lokaler Tempel und Schreine zu geben.

Der Choanji-Tempel in der Sperrzone Namie hat eigens zu diesem Zweck eine Niederlassung gegründet, in der die sterblichen Überreste von über Hundert Menschen aufbewahrt werden. Im Gespräch mit der Japan Times äußert Priester Shuho Yokoyama, dass die Evakuierten die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen nicht in strahlenkontaminierten Gegenden begraben wollen. Lieber wartet man darauf, dass die Seelen der Verstorbenen irgendwann wieder zurückkehren dürfen.

Zwar können die ehemaligen Einwohner der Sperrzone einen Antrag bei der Lokalregierung stellen, um die verlassenen Gebiete zu besuchen, aber die behördlichen Auflagen erschweren es den Menschen, ihre Familien zusammenzuführen oder die Gräber ihrer Angehörigen zu besuchen. 20% der Bewohner der Gemeinde Choanji haben bereits eine Umverlegung ihrer Familiengräber beantragt, doch viele Menschen fürchten, dass sie mit diesem Schritt ihre alte Heimat aufgeben. „Auch wenn es nun eine Sperrzone ist, das ist meine Heimat“, sagt ein 57-Jähriger im Gespräch mit der Japan Times. „Das ist das Land meiner Vorfahren, also würde ich es niemals erwägen, mein Familiengrab an einen anderen Ort zu verlegen“.

Quelle: Japan Times

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