Hinamatsuri: Das Puppenfest

    Hinamatsuri Illustration Kaiserpaar
    © みさきのイラスト素材

    Für jedes japanische Mädchen ist das hinamatsuri (Puppenfest) wahrscheinlich einer der liebsten Feiertage.

    In den letzten Wochen hat sich unübersehbar in den Kaufhäusern, Zeitschriften und Fernsehen der Kollektivgeburtstag nur für Mädchen angekündigt: Das Hina-Fest (hinamatsuri) am 3. März. In den Kaufhäusern werden wunderschöne traditionelle Sammlerpuppen mit Accessoires verkauft. Angeboten werden außerdem kleine bunte Bonbons (hina-arare) oder ähnliche Süßigkeiten in Geschenkschachteln und eine bestimmte Art Sake mit wenig Alkoholgehalt (ama- oder usu-zake). In Familie und Kindergarten wird eifrig gebastelt und gebacken.

    Hinamatsuri Große, 7-geschossiges hinadan
    Puppentreppe by wikipedia.org

    Von Februar bis genau zu diesem Tag werden für die Töchter einer Familie zu Hause hinadan aufgestellt, eine Art Puppenstube in Treppenform, die den kaiserlichen Hofstaat darstellen, wie er vor 1000 Jahren in der Zeitepoche Heian (heian-jidai) aussah. Die Kaiserin und Hofdamen tragen mehrschichtige weite Kimonos und der Kaiser, die Musiker und Minister eine Art Pumphose mit weitem Oberteil. Die Hofkleidung, die das japanische Kaiserpaar zur Hochzeit und zum Neujahrsempfang trägt, stammt übrigens aus dieser Zeit.
    Weiterhin werden auf der mit rotem Filz ausgelegten Treppe Haushaltsgegenstände wie Wagen und Sänften, Tabletts mit Lebensmitteln, Laternen usw. ausgestellt. Im Stil können sich die hinadan verschiedener Hersteller und in verschiedenen Jahren stark unterscheiden, es gibt sie sogar mit beliebten Mangafiguren.

    Hinamatsuri Hochzeit Kronprinz Akihito 1959 by Wikipedia.org
    Hochzeit Kronprinz Akihito 1959 by Wikipedia.org

    Ursprünglich wurde das Hinamatsuri vor nur am Kaiserhof als Pfirsichblütenfest gefeiert, um für die gesunde Entwicklung der Töchter zu danken. Volkstümlich ist das hina-nagashi, bei dem Strohpuppen in den Fluß geworfen werden, damit mit ihnen Unglück und Sorgen ihrer Besitzer davon schwimmen.
    Die Puppentreppen waren eine Art Puppenstube, mit der die Mädchen ganz spielerisch die Bestandteile und die Hierarchie der kaiserlichen Hofhaltung lernen konnten. Vor ca. 300 Jahren entwickelte sich in den Städten Japans ein wohlhabendes Bürgertum, das gern die Sitten des Adels nachahmen wollte. Ein prächtiges hinadan im Empfangsraum repräsentierte den Reichtum der Familie nach außen, ohne die strengen Vorschriften für Bürgerliche gegen Prunk zu verletzen, weil es ja innerhalb des Hauses mit der bescheidenen Fassade stand. Mit dem wachsenden Wohlstand nach dem 2. Weltkrieg wurde das Aufstellen von hinadan in Familien mit Töchtern allgemein üblich.

    Idealerweise bekommt das Mädchen bei dem ersten Hinamatsuri nach ihrer Geburt die ganze Ausstattung, beziehungsweise Geschenkgutscheine für einen bestimmten Anbieter geschenkt. Der Stil der Puppen wird nämlich auch beim gleichen Anbieter jährlich verändert, so dass ein schrittweises jährliches Zukaufen einzelner Bestandteile zusammengewürfelt aussehen würde. Ein Kaiserpaar allein genügt aber, falls die Familie sparsam sein möchte. Jede Tochter sollte ihre eigenen Puppen bekommen, die sie dann nach der Hochzeit in ihr neues Heim mitnimmt. Aber nicht, um sie an ihre Töchter weiterzugeben. Puppen sind an ihren Besitzer gebunden, weil sie dessen Seele beschützen (siehe oben bei hina-nagashi) und werden nicht weiterverschenkt. Stirbt der Besitzer, gibt es idealerweise auch eine (Feuer-)Bestattung für die Puppen. Im 20. Jahrhundert fanden viele japanische Puppen Sammler außerhalb Japans und haben auch so überlebt.

    Man mag sich wundern, weshalb das Hinamatsuri mit Pfirsichblüten dekoriert wird, die Anfang März auch in Kyoto, der alten Kaiserstadt, noch nicht blühen. Das liegt daran, dass vor der Umstellung vom Mondkalender auf den Gregorianischen Kalender 1873 der dritte Tag des dritten Monats (der 3.3.) im heutigen April lag. Und da blühen dann schon die Pfirsichbäume und auch die Kirschblüten.
    Die hinadan können schon im Februar aufgestellt werden. Am 3. März wird dann mit chirashizushi (Sushi in der Schüssel, auch Sushi-Salat genannt), Süßigkeiten in rosa, weiß und grün und dem amazake gefeiert. Vielleicht gibt es sogar eine Torte. Danach muss das hinadan aber bis Mitternacht weggeräumt werden, denn falls die Puppen länger stehen bleiben, wird das Mädchen erst sehr spät einen Mann finden.

    Japan-Begeisterte können sich die Elemente des Hinamatsuri raussuchen, die ihnen gefallen und einfach Freude an einem schönen Frühlingsfest haben, egal ob sie kleine Töchter oder große Freundinnen haben. Chirashizushi ist schnell gemacht, japanische Süßigkeiten kann man im Internet bestellen und Bastelanleitungen runterladen. Pfirsichzweige kann man bei manchen Blumenhändlern kaufen (immer schön in warmes Wasser stellen). Und wer die Puppen als Torte bäckt, kann sie ja vor Mitternacht aufessen!
    Viel Spaß!

    Bastelanleitung für Kinder
    Bastelanleitung für Erwachsene