Katagami in Dresden – Ausstellung im japanischen Palais

    Katagami-Muster by KittyKaty
    Katagami-Muster by KittyKaty

    Vor einigen Monaten wurden im Depot des Kunstgewerbemuseums in Pillnitz nach 125 Jahren über 15.000 Katagami (Färbeschablonen für den Textildruck) gefunden. Damit besitzt Dresden den weltgrößten Bestand an Katagami-Mustern. Erstmals werden im Japanischen Palais 140 dieser Muster ausgestellt.

    Unter dem Titel „Die Logik des Regens (Der Katagami-Schatz in Dresden)“ werden die ersten Muster der über 15.000 Katagami-Färbeschablonen im Japanischen Palais in Dresden ausgestellt.
    Es wurden die Muster ausgewählt, die an Darstellungen des Regens erinnern.
    Weiterhin sind drei Kimonos zu sehen, die mit Hilfe der Katagami gestaltet wurden. Eine passende Atmosphäre liefert die vom italienischen Elektromusiker Renato Rinaldo entwickelte Sound-Installation, die das Geräusch fallenden Regens moduliert.

    Fassade des Japanischen Palais by KittyKaty
    Fassade des Japanischen Palais by KittyKaty
    Anzeige der Ausstellung vor dem Japanischen Palais by KittyKaty
    Anzeige der Ausstellung vor dem Japanischen Palais by KittyKaty

     

    Blick in die Ausstellungshalle by KittyKaty
    Blick in die Ausstellungshalle by KittyKaty

     

     

     

    Katagami sind Färbeschablonen, die zum Bedrucken von Kimonos verwendet wurden. Auf den ersten Blick denkt man, dass die Schablonen auf den Stoff aufgelegt wurden und die Farbe durch die Löcher auf den Stoff übertragen wurde.
    Dem ist jedoch nicht so.
    Für die Technik wird zuerst „nori“, eine Klebreispaste aus Stärke, Mehl und Kleie von Reis benötigt. Diese zu einer festen Schicht getrockneten Masse wird mit Hilfe von Bambus-Rakeln durch die Lücken der Schablone auf den Stoff aufgebracht. Durch wiederholtes, sehr genaues Anlegen der Schablonen, wird die gesamte Stoffbahn des Kimonos damit präpariert. Anschließend wird der Stoff mit einem Pinsel gefärbt und die Farbe mit Hilfe von Dampf fixiert. Im letzten Schritt wird die Klebreispaste wieder abgewaschen und abgebürstet. Nun erscheint das Muster in der ursprünglichen Farbe des Gewebes.

    Katagami-Muster by KittyKaty
    Katagami-Muster by KittyKaty

    Der Name „Katagami“ gibt bereits Aufschluss auf die Herstellung und Beschaffenheit. „Kata“ bedeutet „stechen“ oder „ausschneiden“ während der zweite Teil des Wortes (stimmhaft verändert) „kami“ ist und damit auf „Papier“ hinweist.
    Den Papierwerkstoff, aus dem die Muster dann ausgeschnitten werden, herzustellen, ist schon eine Kunst an sich. Aus der inneren Rinde des japanischen Papiermaulbeerbaums wird das japanische „Washi-Papier“ geschöpft. Dieses wird dann in mehreren Lagen mit einander kreuzendem Faserverlauf laminiert. Es können zwischen 2 und 6 Papierlagen aufeinander geschichtet werden. Die Anzahl hängt dabei von der Art und Feinheit des später auszustechenden Motives ab.
    Der Klebstoff, der die Blätter zusammenhält wurde aus den unreifen Früchten der Persimone (eine Art Kakibaum) gewonnen, der über längere Zeit fermentiert wird und so seine klebenden Fähigkeiten entwickelt. Die Papierlagen werden mit diesem Klebstoff getränkt und danach entweder sehr lange luftgetrocknet oder geräuchert. Weiterhin verleiht der Klebstoff den Schablonen ihre dunkle Farbe sowie die Eigenschaft der Wasserbeständigkeit.

    Katagami-Muster by KittyKaty
    Katagami-Muster by KittyKaty

    Die Muster der Katagami lassen sich in zwei verschiedene Grundtypen der Gestaltung unterteilen – „Komon“ und „Chuugata“.
    „Komon“ sind kleine, feine Muster, die den Stoff gleichmäßig und repetitiv bedecken und nicht als einzelnes, großes Muster sondern als Musterganzes wahrgenommen werden. Sie können reingeometrische Muster sein oder von Naturdaestellungen oder Schreiftzeichen abgeleitet sein. Trotzdem wirken sie durch ihre endlose Wiederholung vordergründig wie grafische Abstraktionen. Die „Komon-Muster“ waren häufig auf der Kleidung der Samurai, auch bei festlichen Anlässen, zu sehen.
    „Chuugata“ hingegen sind größere, gegenständliche Motive, die zwar auch wiederholt werden können, aber dennoch als separater Bildinhalt erkennbar bleiben. Dabei wurden die plakativen und oft bunteren „Chuugata-Motive“ eher der Kleidermode der Frauen und später dem Geschmack der Mittelklasse zugeordnet.

    Katagami-Muster by KittyKaty
    Katagami-Muster by KittyKaty

    Weitere Informationen:

    Webseite des Japanischen Palais