Kulturfest an der Universität Kyoto

    Das Kulturfest der Universität Kyoto: Zwischen Klischee und purem Spaß

    Nach einem mehr als gelungen Auftritt kann sich der Rope Skipping Club zu Recht feiern lassen. © Laura Thiel

    Vom 20.-23.11.2015 fand an der Universität Kyoto das 62. Kulturfest statt. Kulturfeste kennt man schon aus vielen Manga, Animes und Dorama. Das ganze Mal in echt zu erleben, zeigt einen klaren Unterschied zum Tag der offenen Tür, wie man ihn aus deutschen Schulen kennt.

    Die Kyoto Universität ist die zweitbeste staatliche Universität Japans und mit entsprechenden Erwartungen geht man zum Kulturfest. Wie also unterscheiden sich Kulturfeste an Schulen in Japan von denen, die wir aus Deutschland kennen?

    © Laura Thiel
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    An japanischen Schulen werden die Veranstaltungen nicht von Klassen, sondern von Clubs organisiert. Da wir in diesem Fall von einem Kulturfest an einer Hochschule sprechen, erkennt man hier den ersten, signifikanten Unterschied: An deutschen Universitäten gibt es keine Clubkultur, wie sie es an Japanischen gibt. In Japan gibt es verschiedene Musik-, Sport und allerlei kreative Clubs, die das Kulturfest zu einem besonderen Erlebnis machen.

    In Deutschland bekommen Oberstufenschüler die Möglichkeit, an dem Universitätsalltag teilzunehmen und freuen sich, die Luft der trügerischen, potentiellen Freiheit zu schnuppern, von den Fachschaften werden Kuchenstände aufgestellt und es gibt ein paar Infoflyer.

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    Wer sagt, dass man nur Kraniche falten sollte? © Laura Thiel

    Davon sind japanische Kulturfeste weit entfernt. Es gibt keinen Unterricht, stattdessen veranstalten die Clubs verschiedene Attraktionen, wie man sie aus den ganzen Medien schon kennt: Männliche Maidcafés, Geisterhäuser, Tanz- und Musikclubs. Die Liste könnte man wohl um alles Mögliche, was einem in den Sinn kommt, erweitern.

    Und wie man von einer der besten Universitäten Japans erwarten kann, waren alle Attraktionen absolut sehenswert. Es gab eine Ausstellung des Origamiclubs, die gezeigt hat, dass man neben Vögeln auch Godzilla, Drachen, oder auch sonstige, mehr als nur spektakuläre Dinge aus einem einfachen Stück Papier falten kann.

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    Die Keyboard-Cover-Band hatte wirklich alles auf Lager. © Laura Thiel

    Bei den Musikclubs gab es von wirklichen talentierten Sängern der Acapellaband bis hin zu Covern allermöglicher Songs mit Keyboards und anderen Livebands alles zu sehen. Auf dem Sportplatz gab es eine große Bühne, auf der die Rockbands der Universität mit ihren Fanclubs gefeiert haben, nur um später über die Akte des Comedyclubs zu lachen. Umrandet waren sie von allen möglichen Essensbuden.

    Das fertige Selfie während der Tanzperformance würden wohl viele gerne sehen. © Laura Thiel
    Das fertige Selfie während der Tanzperformance würden wohl viele gerne sehen.
    © Laura Thiel

    Ein besonderes und vor allem unerwartetes Highlight war für uns der Rope Skipping Club (Seilspringclub). Durch Zufall sind wir an der Performance vorbeigekommen und konnten nicht gehen, bis die Mischung aus Seilspringen und unglaublich gelungenen Tanzchoreographien vorbei war.

    Ein anderes Highlight, das mehr als nur unerwartet kam, war der Peacock Club (dt. Pfauen Club). Aufmerksamkeit hat er mit den seltenen Vögeln, die sich haben Streicheln und Anfassen lassen, ohne Probleme auf sich ziehen können.

    © Laura Thiel
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    Die männlichen Maids, bestehend aus den Mitgliedern des Running Clubs, die ganz offen darüber gescherzt haben, dass es keine bessere Möglichkeit gibt, Frauen kennen zu lernen, waren wohl eher eine nicht so schön anzusehende, aber dafür umso lustigere Attraktion des Kulturfestes. Skurril zahlt sich eben doch aus.

    Der „Jelly Fish“ Club hat mit seinen Performances ebenso begeistert. Das Highlight war in diesem Fall ganz klar das Jonglieren mit Messern (uns wurde deutlich vorgeführt, dass es sich um keine Plastikmesser

    © Laura Thiel
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    handelte), während sich das Mädchen, genannt Onee-San (dt. „Große Schwester“), auf einem Brett balancieren musste. Zwar wurde dort mehr gekreischt als wahrscheinlich nötig gewesen wäre um die Spannung im Publikum anzuheizen, aber eine beachtliche Leistung konnte man definitiv nicht abstreiten.

    Als Besucher an einem japanischen Kulturfest fühlt man sich tatsächlich ein wenig wie im Manga. Auch wenn man immer wieder hört ‚die Realität sieht doch ganz anders aus‘, hat dieses Kulturfest wohl alle möglichen Klischees mehr als zu genüge erfüllt und gezeigt, wie viel Spaß Universität in Japan machen kann. Diese 4 Jahre der Freiheit nutzen japanische Studenten mit aller Kraft, um sich in ihren Clubs einzubringen und das Kulturfest zu einem großen Erfolg zu machen. Wer bei seinem nächsten Japanaufenthalt im November ein wenig Zeit über hat, sollte sich unbedingt informieren, ob in der Nähe ein Kulturfest an einer Universität oder Schule stattfindet. Ein Abstecher bei tollen Performances und ein kleiner Einblick ins Universitätsleben ist es sicher wert.

    Und zum Schluss: Der Rope Skipping Club in action!