Japanische Lehrerin kritisiert AG-Pflicht an ihrer Schule

Japanische Schülerinnen diskutieren-164069
Bild: Flickr / tata_aka_T

Viele Schulen verpflichten ihre Schüler dazu nach dem Unterricht an einer AG teilzunehmen. Eine japanische Lehrerin stellte diese Praxis nun in Frage, weil die Schüler selbst nicht unbedingt von der AG-Pflicht profitieren würden.

Die japanische Gesellschaft gilt als sehr gruppen-orientiert, da ist auch die Schulbildung keine Ausnahme. Die Schüler werden stark dazu ermutigt an einer der zahlreichen außerschulischen AGs für Sport, Kunst oder Musik teilzunehmen. Wer sich nicht für einen Club begeistern kann, wird nicht selten als Mitglied des „kitakubu“ oder „Zuhause-Clubs“ betitelt.

Manche Schulen gehen sogar so weit, dass die Teilnahme an einem der Schul-Clubs für alle Schüler verpflichtend ist. Auch die japanische Highschool, an der die Twitter-Nutzerin @kimamanigo0815 als Lehrerin arbeitet, gehört dazu. Sie hinterfragt allerdings die Tatsache, dass die Kinder an einer AG teilnehmen müssen, selbst wenn sie es eigentlich nicht möchten.

Schüler in japanischer Schule
Bild:すしぱく / Pakutaso

Daher startete die Pädagogin eine Umfrage unter den Lehrern, in der ihre Kollegen beantworten sollten, ob die obligatorische Teilnahme an den Aktivitäten wirklich nötig sei und wenn ja, warum. Ungefähr 80 Prozent der Lehrer antworteten, dass die Schule in ihren Augen aus diesen vier Gründen auf die AGs bestehen sollte:

  1. Die Schüler benähmen sich öfter daneben, wenn sie nicht an einer der außerschulischen AGs teilnehmen.
  2. Ohne den Zwang würden einige Clubs keine neuen Mitglieder anlocken können und somit irgendwann eingestellt werden.
  3. Ohne die Clubs wäre es schwieriger, neue Schüler beziehungsweise deren Eltern für die Schule zu begeistern.
  4. Die Schule könnte nicht mehr von allen Schülern eine Gebühr für die AGs verlangen, wenn einige nicht daran teilnehmen würden.

Obwohl diese Gründe nachvollziehbar sind, kam die Lehrerin nicht umhin festzustellen, dass eine Antwort nicht in ihrer Umfrage vorkam. Nämlich, dass die Schüler von diesen Aktivitäten profitieren.

Unter dem Tweet der Lehrerin äußern sich auch viele andere Nutzer zu ihren Erfahrungen mit AGs und Clubs.

Meine Schule war schon so, also blieb mir nichts anderes übrig, als einem Club beizutreten. Ich landete in einer AG, in die ich nicht wollte, und da wir nicht einfach den Club wechseln konnten, wenn wir wollten, war ich gezwungen in der AG zu bleiben. Wie kann irgendjemand denken, dass das ein gutes System ist?

Einige Twitter-Nutzer sind der Meinung, dass die AGs dazu dienen die Schüler einfacher zu kontrollieren. Wieder andere berichten davon, dass sich die Schüler trotzdem weiterhin gut benahmen, obwohl die Aktivitäten in ihren Schulen zurückgefahren wurden. Diejenigen, die gern an einem Club teilnehmen wollten, wurden genauso behandelt wie diejenigen, die gern etwas anderes am Nachmittag unternahmen.

Als Grund für obligatorische außerschulische Aktivitäten gaben die meisten Lehrer an, dass sie das Gefühl hätten, die Schüler so am ehesten davon abhalten zu können in Schwierigkeiten zu geraten. Zusätzlich würden die AGs helfen die Schüler an sportliche und kulturelle Aktivitäten heranzuführen, die dann wiederum gut für ihre Bildung und ihre Gesundheit sind. Auf der anderen Seite argumentierten @kimamanigo0815 und viele andere Nutzer, dass man niemanden zwingen kann etwas zu mögen und die AG-Pflicht dazu führen könnte, dass einige Schüler die Schule im Allgemeinen hassen.

Kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here