Japanische Schulen setzen vermehrt Apps im Unterricht ein

Computer werden heutzutage in vielen Schulen eingesetzt
Bild: Hadrien Sayf

Immer mehr Schulen in Japan setzen auch für den Unterricht auf Apps für Smartphone oder Tablet. Für viele Schüler sind die mobilen Geräte inzwischen das Fenster zur Welt, was die Schulen für sich nutzen wollen.

Diese virtuellen Unterrichts-Hilfen werden vor allem für jene Fächer eingesetzt, in denen viele japanische Lehrer Schwierigkeiten haben die Schüler adäquat zu unterrichten. Eines dieser Fächer ist Englisch. Dort haben die Lehrer immer noch Defizite, obwohl die Sprachkenntnisse immer wichtiger werden. Für das Schuljahr 2020 ist angedacht, einen gemeinsamen Leistungstest für die besten Hochschulen landesweit durchzuführen. Dieser Test soll vollständig in Englisch gelöst werden.

Die japanische Universität für Sportwissenschaften Kashiwa in der Präfektur Chiba, östlich von Tokio, nutzt zum Beispiel eine App namens TerraTalk, um die Englischkenntnisse ihrer Schüler zu verbessern. Die Universität hat die Applikation im letzten Sommer allen Schülern zur Verfügung gestellt, die sich auf ein Auslandssemester vorbereiten. Inzwischen ist geplant, das Angebot auch jenen zugänglich zu machen, die sich auf eine Aufnahmeprüfung für eine weiterführende Schule vorbereiten.

Englisch App
Bild: Joyz Inc.

Mittlerweile haben schon einige andere Schulen die TerraTalk-App für ihre Schüler bereitgestellt. Anfang November 2017 verbredeten sich Schüler verschiedener Lehreinrichtungen mit Hilfe der App, um gemeinsam ihre Fähigkeiten in der englischen Konversation zu erweitern.

Die App ist in der Lage verschiedene Szenarien durchzuspielen, in denen die Anwender Englisch sprechen müssen. Auf ihrem Handy oder Tablet bekommen die Schüler direkt danach angezeigt, ob die Aussprache und der Satzbau richtig sind.

Die meisten Studenten sagten, dass sie größtenteils durch die App ihre Sprachfähigkeiten verbessern konnten. Vor allem im Gespräch mit anderen sind sie dadurch wesentlich sicherer geworden. Auch die Mitarbeit im Unterricht konnte durch die Übungen gesteigert werden, denn die App hilft, Hemmungen abzubauen und die Schüler im Umgang mit der Sprache sicherer zu machen.

Auch die Lehrer haben die Vorteile der App für ihren Unterricht inzwischen erkannt und wollen sie nutzen, um die manchmal fehlende Konversation während der Schulstunden auszugleichen.

Yoshiyuki Kakihara, der Präsident von Joyz Inc., dem Entwickler von TerraTalk zeigte sich erfreut darüber, dass so viele Schüler mit der App so große Fortschritte machen. Seit 2016 stellt Joyz die Applikation für Android- und iOS-Systeme bereit.

Ein weiterer Bereich, in dem Apps oft genutzt werden, ist der IT-Unterricht. Vor allem wenn es darum geht Programmierung zu erklären und diese Kenntnisse zu vermitteln, brauchen viele japanische Lehrer oft noch Hilfe.

Ab 2020 sollen schon Grundschul-Kinder den Umgang mit einer App erlernen, die dafür genutzt werden kann Programme zu schreiben. Das Internet-Unternehmen DeNa Co. veröffentlichte im Oktober letzten Jahres ein entsprechendes Programm namens Zemi. Dieses wird aktuell von Erstklässlern einer Tokioter Grundschule versuchsweise genutzt.

Während des Unterrichts müssen die Schüler einfache Tabellen auf ihren mobilen Geräten zusammenstellen, um einen virtuellen Charakter laufen oder springen lernen zu lassen. Tomoko Namba, die Gründerin von DeNa, erklärt, dass die App Kindern helfen soll, im Umgang mit Computern und deren Kodierung sicherer zu werden.

Gemäß Angaben des japanischen Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie gab es im März 2016 in Japan schon 1,95 Millionen Computer, die von Schülern der öffentlichen Schulen, Grundschule bis Oberstufe, regelmäßig genutzt werden. Von diesen Rechnern sind mittlerweile schon über 250.000 Tablets.

Japanische Schüler sind einem hohen Leistungsdruck ausgesetzt
Bild: Flickr / Angie Harms

Selbstverständlich variiert die Einführung der virtuellen Unterrichts-Helfer von Schule zu Schule. Erfreulicherweise sind bisher die Allgemein-Schulen Vorreiter, was die Nutzung von Apps angeht. Aber auch viele Nachhilfe-Schulen rüsten inzwischen technologisch auf.

Die Nachhilfe-Schule Gakken Study und das Yoyogi Seminar sind in Japan weit verbreitete Anbieter von Nachhilfe-Unterricht für Schüler. Beide bieten eine App namens Studyplus an, um den Schülern zu helfen eigene Lernprogramme zusammenzustellen. Über die Anwendung geben die Schülerinnen und Schüler einfach ein, welche Themen sie aktuell im Unterricht behandeln und welchen zeitlichen Umfang sie dafür bisher aufgewandt haben. Zusätzlich können sie auch ihre Lehrmaterialien eintragen.

Auf Grundlage dieser Daten sind die Nachhilfe-Schulen in der Lage, sich ein genaueres Bild über ihre Schüler und deren Lernmethoden zu machen. Das Projekt ist so erfolgreich, dass es schon bald an allen 40 Standorten der Nachhilfe-Institute angewendet werden soll.

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