Arbeiten in Japan aus der Sicht von ausländischen Arbeitnehmern

Über 40% klagen über Diskriminierung am Arbeitsplatz

Arbeiten in Japan aus der Sicht ausländischer Arbeitnehmer
Shinjuku, Tokyo. Bild: Naomi Dillenséger

Japan ist nicht nur bei Touristen so beliebt wie nie zuvor. Auch die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer nimmt kontinuierlich zu. Doch wie nehmen Ausländer die japanische Unternehmenskultur wahr? Was stört sie und was empfinden sie als positiv?

Eine Studie des japanischen Personalentwicklungs-Unternehmens Adecco Ltd. hat im letzten Jahr insgesamt 300 ausländische Büroangestellte im Alter zwischen 20 und 60 Jahren zu ihrem Arbeitsalltag in Japan befragt und ist unter anderem zu folgendem Ergebnis gekommen: Über 40 Prozent der Teilnehmer haben mit Diskriminierung am Arbeitsplatz zu kämpfen.

Auf die Frage hin, was den Studienteilnehmern am Arbeiten in Japan missfalle, gaben 43 Prozent Geschlechterungleichheiten an. 40 Prozent haben mit nonverbalen und indirekten Kommunikationsschwierigkeiten zu kämpfen und 47 Prozent – also knapp die Hälfte aller befragten ausländischen Büroangestellten – fühlen sich im Vergleich zu japanischen Arbeitskollegen nicht gleichberechtigt.

Die Arbeitsleistung der japanischen Kollegen empfinden über 80 Prozent der befragten Teilnehmer als sehr präzise – auch wenn sich 72 Prozent über „zu viele sinnlose Meetings“ beschwerten. So äußerte beispielsweise ein britischer Büroangestellter gegenüber der Japan Times: „Die Menschen hier diskutieren nicht in Meetings, was dazu führt, dass selten relevante Entscheidungen getroffen werden.“

Auch die „Ineffizienz der japanischen Arbeitsweise“ ist ein Kritikpunkt. So gaben einige der Befragten an, dass Aufgaben in den USA beispielsweise unabhängig erledigt werden und man Vorgesetzten lediglich Ergebnisse präsentiert. Nur wenn Probleme im Arbeitsprozess aufkommen, zieht man den Vorgesetzten zu Rat. In Japan hingegen lege man viel Wert darauf, sich immer wieder die Zustimmung vom Chef zu holen, während man seine Aufgaben bearbeitet, so ein US-amerikanischer Büroangestellter.

Auch das sogenannte Sempai-Kohai-Beziehungsgeflecht, nach dem man höher Gestellten und Älteren Respekt zollen muss, findet nicht überall Anklang. So gaben einige der Befragten an, dass zahlreiche junge Menschen in den USA schon in Führungspositionen arbeiten. In Japan gäbe es aber zahlreiche hierarchische Stufen, die häufig mit dem Alter und der Dauer der Firmenzugehörigkeit einhergehen statt mit der Arbeitsleistung.

Tomoyuki Ishikawa, Pressesprecher von Adecco, hofft, dass die Studie japanischen Firmen dabei hilft zu verstehen, was ausländische Arbeitnehmer unter „guten Arbeitsbedingungen“ verstehen und was sie von japanischen Unternehmen erwarten. Auch soll die Befragung dazu beitragen, geltende Arbeitsbedingungen in Japan zu überdenken und das gegenseitige Verständnis von ausländischen und japanischen Arbeitnehmern zu vertiefen.

Ausländer in Japan

In Japan leben derzeit ungefähr 2,3 Millionen Ausländer (Stand April 2017). Das entspricht einem Anteil von 1,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Zwar ist diese Zahl im internationalen Vergleich verschwindend gering, doch die Tendenz ist steigend. Besonders vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und dem damit einhergehenden Bevölkerungsrückgang setzen viele Unternehmen und Sektoren verstärkt auf ausländische Arbeitnehmer, um dem akuten Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken.

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