JEFTA Freihandelsabkommen
Cecilia Malmstrom, EU Kommissarin für Handel, war auch bei JEFTA zentrale Ansprechpartnerin © Wikimedia

Beim transatlantischen Freihandelsabkommen mit den USA, kurz TTIP war die Protestwelle groß. Auch CETA, das den freien Handel mit Kanada verbessern sollte, war die mediale Aufmerksamkeit zumindest in Teilen vorhanden.

Ganz anders scheint es beim bald in Kraft tretenden Freihandelsabkommen mit Japan JEFTA zu sein. So besteht Japan weiterhin auf die, schon bei TTIP und CETA, umstrittenen Schiedsgerichte.

Irgendwie seltsam, das man als Verbraucher so wenig darüber hört. Höchstens in einer kleinen Randnotiz. Denn Japan ist schließlich laut der EU-Kommission der zweitgrößte asiatische Handelspartner der europäischen Union, direkt nach China. Da ist es nur logisch, die Grenzen für freien Handel aufzubrechen und eben diesen lukrativer zu machen. Damit sind aber auch viele Risiken verbunden, nicht nur in politischer oder rechtlicher Form. Wie die Schiedsgerichte, bei denen es Unternehmen möglich sein soll, bei Staaten Schadensersatzforderungen geltend zu machen. Nein, auch für Verbraucher kann sich so einiges ändern.

Die Importe, also die Güter, die aus Japan kommen, sind in der Mehrheit, Maschinen, Fahrzeugmotoren, medizinische Instrumente und Chemikalien. Wir hingegen exportieren zusätzlich zu dem oben Genannten noch Pharmazeutika und optische Instrumente, wie Mikroskope oder Photometer.

So ein Freihandelsabkommen ist aber noch wesentlich komplexer. Hier gibt es, zum Teil, wesentliche Unterschiede in der Verarbeitung der Lebensmittel und was rechtlichen Bestimmungen angeht. Den auch japanische Lebensmittel, die es jetzt schon in Deutschland zu kaufen gibt, fallen unter das neue Abkommen.

Auch Richtwerte bzw. die Kennzeichnung können komplett von der europäischen Norm abweichen. Da auf eine gemeinsame Kennzeichnung der Lebensmittel verzichtet wird, wird der Verbraucher in die Pflicht genommen, sich zu informieren. Wer sich also mit Kanji, Hiragana und Katakana nicht auskennt bzw. die entsprechende Symbolik für zum Beispiel gentechnisch veränderte Lebensmittel nicht kennt, der kann im besten Fall einfach mal daneben greifen.

Der Grenzwert für genveränderte Produkte, wie Sojabohnen oder Mais, liegt in Japan bei mehr als 5%. Das bedeutet, wenn mehr als 5% der Produkte genveränderte Bestandteile enthalten, muss dies auf der Verpackung vermerkt sein. Beispielsweise liegt dieser Wert in Deutschland bei 0,9%.

Weitere Kritikpunkte sind Antibiotika und Hormonbehandlung von Milch und Tierprodukten. Aber auch die Radioaktivität und deren Grenzwerte sind gerade nach der Katastrophe in Fukushima ein wichtiger Aspekt.

Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, hat es ebenfalls schwer mit japanischen Produkten. Hier gibt es keine Kennzeichnung. Im asiatischen Raum versteht man unter „vegetarisch“ zumeist nämlich, dass kein Fleisch enthalten ist. Also kann in vermeintlich vegetarischen Produkten, dennoch Fisch enthalten sein. In Europa gibt es zwar keine Kennzeichnungspflicht, aber immerhin ein vereinbartes Symbol. Vegetariern bleibt wohl nichts anderes übrig, als die Kanji-Symbole für Fleisch- und Fischprodukte auswendig zu lernen.

Und wo wir schon beim Fleisch sind. Geklontes Tier, und damit auch die betreffenden Fleischprodukte, gelten in Japan als unbedenklich. Grund dafür ist die amerikanische Food and Drug Administration, kurz FDA. Japan richtet sich in vielen Belangen nach der FDA. In Europa werden die Richtlinien der FDA nicht berücksichtigt. Konsumenten, die also auf Klonfleisch verzichten wollen, sollten einen genaueren Blick auf die Herkunft des Fleischs bzw. Fischs haben.

Laut der in Deutschland geltenden „Novel Food“ Regelung darf aber kein geklontes Fleisch in den Handel gebracht werden. Ob das auch für japanisches Fleisch gilt, und ob eine Kennzeichnungspflicht gefordert wird, ist zur Zeit unklar.

Wer sich jetzt denkt: „Ach, kein Problem, ich kaufe sowieso nichts vom Asialaden um die Ecke.“, aber trotzdem in einem asiatischen bzw. japanischen Restaurant essen geht, hat im übrigen ebenfalls die bereits genannten Probleme. Auch hier wäre ein genauerer Blick in die Menükarte von Vorteil.

Allergiker haben es mit japanischen Produkten auch nicht einfacher. So herrscht meist nur eine obligatorische Kennzeichnungspflicht für Weizen, Meeresfrüchte oder Erdnüsse. Andere Nahrungszusätze, wie Walnüsse oder Soja, haben nur eine freiwillige Kennzeichnungspflicht. Für Allergiker also eine Art russisches Roulette mit dem entziffern des Inhalts. Europäische Lebensmittel hingegen haben immer eine Liste der 14 am häufigsten Allergene auf der Verpackung stehen, sofern sie enthalten sind.

Es ist nicht wirklich viel bekannt über das Freihandelsabkommen JEFTA, auch wenn dank WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ mehrere hundert Seiten der nicht-öffentlichen Verhandlungsdokumente geleakt wurden.

Manchmal, am bestens jedoch immer, sollte ein Konsument, und damit jeder von uns, vorher lesen, welchen „Müll“ er zu sich nimmt.

2 KOMMENTARE

  1. Selten so viel Unsinn gelesen. Auch mit JAFTA müssen auch weiterhin in Deutschland vertriebenen Lebensmittel DEUTSCHES Recht einhalten, was zum Beispiel Kennzeichnung betrifft. Man wird also weiterhin kein japanisch können müssen, um im Supermarkt einkaufen zu gehen.
    Dieser Artikel ist wie die meisten zu dem Thema reine Panikmache.

    • Ach darum haben sich so viele auf Ceta und Acta gefreut, weil die Bestimmungen nicht aufgeweicht wurden. Natürlich ist der Artikel etwas überspitzt, aber leider ist das ganze auch nicht so mit „DEUTSCHEN Recht“ abgetan

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