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Götterboten und Plage zugleich – Die Sikahirsche in Nara

Über Tausend freilebende Sikahirsche säumen die Straßen und Parks der Stadt Nara. Die Nationalheiligtümer sind allerdings nicht nur eine beliebte Touristenattraktion, sondern auch eine zunehmende Plage für die Landwirtschaft. Nun hat sich die Stadt dazu entschlossen, überschüssige Hirschbestände zu erlegen.

Die Stadt Nara in der gleichnamigen Präfektur gehört wegen ihrer großen Anzahl an bedeutenden Schrein- und Tempelanlagen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Japan. Besonders bekannt sind hier nicht nur der Todai-Ji oder der Toshodaiji-Tempel, sondern vor allem auch der Nara-Park mit seinen unzähligen freilaufenden Sikahirschen.

Shikahirsche – Die prominentesten Bewohner von Nara

Die Hirsche sind vermutlich auch ein tragender Grund, weshalb der Nara Park unter die Top 30 der beliebtesten TripAdvisor-Sehenswürdigkeiten Japans 2017 gewählt wurde. Die freilaufenden Tiere, die hier von den Menschen gefüttert und gestreichelt werden, sind die eigentliche Attraktion im Stadtpark von Nara. Doch nicht nur hier kann man die prominentesten Bewohner der Stadt beobachten. In Nara säumen sie Straßen, Bahnhöfe, Tempelanlagen und es ist auch keine Seltenheit, dass Hirsche rudelweise den Verkehr lahmlegen oder den ein oder anderen Straßenstand belagern.

Shikahirsche in Nara
Heilige Götterboten und Ärgernis zugleich: Die Sikahirsche von Nara @ Naomi Iwagami Dillenséger

Auch wenn die Hirsche manchmal nicht gerade zimperlich mit den vielen Besuchern umgehen, ihnen mitunter an den Jacken zerren, das Futter aus den Händen reißen oder Passanten vor sich hertreiben, so sind sie doch immer ein Blickfang und eine populäre Attraktion. Damit die Hirsche den Besuchern nicht zur Gefahr werden, werden ihnen einmal im Jahr in einer feierlichen Zeremonie die Hörner geschnitten.

Landwirte beklagen Ernteschäden

Für die Stadt Nara werden die über Tausend freilebenden Hirsche allerdings langsam zum Ärgernis. In den letzten Jahren haben sich regionale Landwirte immer wieder über die wachsende Anzahl der Sikahirsche beschwert. Diese würden über die Ernten auf den Feldern herfallen und finanzielle Schäden anrichten. Auch die Konstruktion von Zäunen konnte wenig Abhilfe verschaffen, da die Tiere bis zu 2m hoch springen können.

Sikahirsche in Nara
Die Bewohner von Nara sind es gewohnt, im Einkaufszentrum, auf der Fußgängerzone oder am Straßenrand auf freilaufende Sikahirsche zu treffen | Flickr © Caribb (CC BY-NC-ND 2.0)

Nun hat die Stadt damit angefangen, überschüssige Tierbestände auszumerzen. Dabei werden Hirschfallen in Gegenden rund um die Stadt aufgestellt, die die Tiere fangen sollen. Die Zahl der Hirsche, die auf diese Weise gefangen und im weiteren Verlauf getötet werden sollen, wird sich auf insgesamt 120 Tiere bis zum Ende des Jahres belaufen.

„Die unnötige Tötung von Tieren ist ein Verbrechen“

Zwar sind nicht die Hirsche im beliebten Nara-Park, sondern freilaufende Tiere in den Randbezirken von der Aktion betroffen, doch die Maßnahme ist nicht ganz unumstritten: Die Japan Bear and Forest Society kritisierte bereits, dass das „unnötige Töten der Tiere ein Verbrechen darstelle.“ Die Sikahirsche (jap. Shika) gelten im Shintoismus als heilige Götterboten und genießen in Japan sogar den Status eines Nationalheiligtums.

Auf Seiten der Bauern heißt es, dass man keine anderen Möglichkeiten sehe, die Hirsch-Plage in den Griff zu bekommen. Gegenüber der Japan Times äußerte ein Landwirt, dass er zwar wisse, dass die Hirsche heilige Götterboten darstellen, aber die Tiere hätten eben auch wenig Interesse daran, in die Wälder zurückzukehren und würden darüber hinaus zunehmend aggressiver werden.

Quelle
Japan Today

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