Gewalt und Missbrauch von Kindern in Japan
Bild: すしぱく

Die Zentralregierung Japans plant landesweit den Kindesmissbrauch unter Kindern in Sozialeinrichtungen zu untersuchen, nachdem zahlreiche alte Fälle kürzlich auftauchten.

Ein Fall in der Präfektur Mie sorgt gerade beim japanischen Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für viel Aufruhr. Zwischen 2008 und 2017 kam es zu mindestens 111 Fällen von sexuellem Missbrauch von Kindern in sozialen Kinderbetreuungseinrichtungen in der Präfektur, die die Behörden nicht meldeten.

Die Präfekturbehörden sind nach dem Kinderhilfegesetz dazu verpflichtet, die Zentralregierung über jeden Fall von sexueller Gewalt gegen Kinder durch Angestellte der Einrichtungen zu informieren. Allerdings gilt das Gesetz nicht, wenn es sich bei den Beteiligten um Bewohner der Einrichtung handelt. Das betrifft die 111 Fälle, bei denen es zu sexuellem Missbrauch unter den Kindern selbst kam.

Kei Kawajiri vom Ministerium für Familienangelegenheiten ist von den Neuigkeiten entsetzt und verspricht Besserung. Nach Mie prüft das Ministerium Einrichtungen in ganz Japan auf Fälle von Gewalt zwischen Kindern der Einrichtung, die ebenfalls sexuelle Übergriffe einschließen.

Die 111 Fälle wären wahrscheinlich gar nicht bekannt geworden, wenn nicht die Gruppe Mie Shisetsunai Boryoku to Seiboryoku o Nakusu Kai sich mit den Übergriffen beschäftigt hätte. Die Gruppe setzt sich für die Beseitigung von physischer und sexueller Gewalt in Kinderbetreuungseinrichtungen ein. Gründerin ist eine Mutter, deren Tochter in einem Sozialzentrum von einem anderen Jungen missbraucht wurde.

Laut der Präfektur Mie leben mehr als 600 Kinder in Sozialeinrichtungen in der Region und sind dauerhaft von ihren Eltern getrennt. Mie gibt zu, dass die Anzahl der Fälle auf die Zahl der Kinder gerechnet hoch ist. Allerdings greifen die Beamten ein, wenn es nötig ist und versuchen das Problem zu lösen.

Die Präfekturbehörden forderten vor einer Weile Kinderhilfseinrichtungen auf, Fälle von körperlicher und sexueller Gewalt zwischen Kindern sofort zu melden. Das tun allerdings viele nicht oder nur zögerlich, da sie Vorurteile und Missverständnisse bei den Kindern und der Einrichtung befürchten. Zwischen 2008 und 2016 waren 274 Bewohner der Einrichtungen als Täter oder Opfer in sexuellem Missbrauch involviert.

Allerdings sind die sexuellen Übergriffe unter Kindern ebenfalls in anderen Sozialeinrichtungen in Japan ein Problem. Oft haben die Kinder selbst Missbrauch erlebt und werden vom Opfer zum Täter. In Tokyo fordert deswegen eine Organisation, dass Einrichtungen dazu verpflichtet sind, die Übergriffe zu melden und den Kindern zu helfen.

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