Nehan-e – Der Todestag des Buddha

    Traditionen und Gebräuche zum Todestag des großen Lehrers

    Nirvana des Buddha: Bild des Kongōbuji, Koyasan (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)
    Nehan-e - Das Nirvana des Buddha: Bild des Kongōbuji, Koyasan (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)

    Der Eingang des Buddha ins Nirvana (nehan 涅槃)  ist für buddhistische Gemeinschaften auf der ganzen Welt ein Anlass für Zeremonien – so auch in Japan.

    Dort ist diesem Ereignis zwar kein gesetzlicher Feiertag gewidmet, dennoch hat es Spuren in Kunst, Kultur und Traditionen dieses Landes hinterlassen. Wir spüren diesen nach.

    Das Datum des Nehan

    Der 15. Tag des zweiten Monats nach dem Mondkalender, ist jener Tag, an dem Buddha Shakamuni in der Nähe der Stadt Kushinagara verstorben sein soll.  Man spricht davon, er sei „ins endgültige Nirvana übergegangen“ und habe somit den Kreislauf der Wiedergeburten verlassen.

    Daher wird dieser Gedenktag  „Nirvana-Tag“ genannt. Anlässlich dieses Ereignisses findet dann eine feierliche Versammlung der buddhistischen Gemeinschaft statt – das Nehan-e (涅槃会).

    Nach der Einführung des gregorianischen Kalenders in Japan, wurde das offizielle Datum auf den 15. März verlegt, so dass ein Teil der Tempel die Zeremonien erst im März durchführen. Insbesondere in internationalen Gemeinschaften hat sich jedoch der 15. Februar als Datum für die Feierlichkeiten erhalten.

    Die Nirvana-Feier gehört neben der Feier zur Geburt des Buddha (kanbutsu-e 灌仏会) am 8. April und dem Fest zur Erleuchtung des Buddha (jōdō-e 成道会) am 8. Dezember zu den drei großen buddhistischen Feiern, oder „sandai hō-e“ (三大法会) in Japan.

    Im Theravada-Buddhismus, der vor allem in Südostasien vorherrscht, werden Geburtstag, Erleuchtung und Nirvana, dagegen in einem gemeinsamen Fest, dem „Vesakh“ gefeiert, das im Mai stattfindet.

    Die Legende vom Tod des Buddha

    Nach seinem Erwachen im Alter von 35 Jahren habe der Buddha sein restliches Leben, bis zum Alter von 80 Jahren damit verbracht, seine Lehre zu verbreiten. Schließlich sei er nach dem Verzehr einer Mahlzeit, die ihm der Schmied Chunda (junda 純陀) zubereitet hatte, ernsthaft erkrankt.

    Ob es sich dabei um eine Speise mit Schweinefleisch, oder um eine von Schweinen bevorzugte Pilzart handelte, ist nicht endgültig geklärt und wird im Streit um Vegetarismus im Buddhismus gerne diskutiert.

    Trotz dieser Lebensmittelvergiftung lehrte der Buddha weiterhin und als er immer schwächer wurde, bereiteten seine Schüler ihm eine Liegestatt zwischen zwei Salbäumen. Er hielt dort seine letzte Lehrrede (yuikyōgyō 遺教経) und sei dann verstorben.

    Wichtigster Teil dieser Lehre war, dass seine Schüler sich nicht von seiner Person abhängig machen, sondern in ihre buddhistische Praxis und die Lehre vertrauen sollten.

    Als letzte Worte wird eine Aufforderung überliefert, die sich in unterschiedlich detaillierten Übersetzungen findet. Eine einfache Übertragung lautet:

    „Hört Mönche, dies ist mein Rat: Alle Dinge sind der Vergänglichkeit unterworfen. Übt ernsthaft!“

    Zeremonien zum Nehan-e

    Als Zeichen der Dankbarkeit, dass er bis zum Ende seines Lebens an das Wohl anderer Wesen gedacht und sie belehrt habe, anstatt sich zurückzuziehen, findet jährlich eine Zeremonie in buddhistischen Tempeln statt.

    Nehan: Bild des Hōsenji in Kesennuma (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)
    Nehan-e: Nirvana-Bild des Hōsenji in Kesennuma (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)

    Hierbei wird in der Regel ein großes Rollbild aufgehängt, auf dem der Buddha in liegender Haltung zu sehen ist (butsu nehan-zu 仏涅槃図).

    Um ihn herum sind seine Schüler, sowie himmlische Wesen und Tiere zu sehen, die sich dort versammelt haben und trauern.

    Diese Kunstwerke können sehr alt sein und nicht jeder Tempel führt diese Zeremonie für die Allgemeinheit zugänglich durch.

    Doch einige stellen sie öffentlich aus und veranstalten offizielle Zeremonien, an denen die Gemeinde teilnehmen kann.

    Besonders bekannt sind die Nehan-zu des Senyūji (泉涌寺) als größtes derartiges Bildnis in Japan und des Tōfukuji (東福寺), das für seinen Detailreichtum bekannt ist.

    Während der Zeremonie wird das „Yuikyōgyō“ rezitiert und die Laienanhänger  singen poetische religiöse Lieder (goeika 御詠歌). In der Sōtō-Tradition nennt man die Praxis des Gesangs mit Begleitung von Handglöckchen „Baikaryū Eisanka“ (梅花流詠讃歌).

    Zu diesem Anlass werden vor allem das „Daisho Shakanyorai Nehan Goeika“ (大聖釋迦如來涅槃御詠歌) und das „Daisho Shakanyorai Nehan Wasan“ (大聖釈迦如来涅槃御和讃) gesungen.

    (In diesem Video singt eine Gemeinde des Sōtōshū-Tempels „Sōryoji“ (蒼龍寺) in der Präfektur Akita anlässlich des Nirvana-Tags das „Nehan Wasan“)

    Gebräuche zum Nehan-e

    In einigen Gegenden Japans ist es zu diesem Anlass üblich, Klebreisklöße herzustellen. Diese werden „Blumenklöße“ (hana dango 花団子), oder „Nirvana-Klöße“ (nehan dango 涅槃団子) genannt und sind meist in bunten Farben gehalten.

    Sie sollen an die Bäume erinnern, die beim Tod des Buddha wundersamerweise außerhalb der Jahreszeit blühten.

    Die Dango werden entweder zuhause gemacht und dann zur Zeremonie in den Tempel mitgebracht, oder sogar dort zubereitet. Nachdem sie als zeremonielle Opfergabe dargebracht wurden, werden sie im Anschluss an die Anwesenden verteilt.

    Der Verzehr der Klöße soll sowohl Krankheiten fern halten, als auch vor Unglück schützende Wirkung haben.

    Sonstiges

    Es heißt, der Buddha habe bei seinem Eingang ins Nirvana auf der rechten Seite, mit dem Kopf Richtung Norden gelegen und sein Gesicht sei nach Westen gewandt gewesen.

    Aus diesem Grund werden Verstorbene in Japan heute noch mit dem Kopf nach Norden  aufgebahrt und abergläubische Menschen vermeiden in dieser Richtung zu schlafen (kitamakura 北枕).

    Die beiden  weißen Blumen, die bei Bestattungsriten der Sōtō-Tradition verwendet werden, sollen auf den himmlischen Blütenregen beim Tod des Buddha zurückgehen.

    Der Begriff „Nehan nishi“ (涅槃西風) bezeichnet einen Westwind, der aus dem Nirvana kommt und ist ein poetischer Jahreszeitenbegriff (gomei ご銘), der für den Februar steht.

    Shinnichi Tatamika
    Shinnichi ist japanophiler Zen-Buddhist der Soto-Tradition. Grüntee-Enthusiast und Enka-Karaoke-Sänger. Neigt dazu, lange Sätze zu schreiben, wenn er nicht aufpasst.