Räucherkult in Japan

    Tokyo: Räucherbecken im Sensoji, Asakusa (Foto: flickr, gelli rosario cc-by)
    Tokyo: Räucherbecken im Sensoji, Asakusa (Foto: flickr, gelli rosario cc-by)

    Egal ob bei privaten Andachten vor dem heimischen Hausaltar, großen Tempelzeremonien, oder Begräbnisriten während einer Bestattung – Räucherwerk ist ein wichtiger Teil der religiösen Kultur Japans.

    Geschichte der religiösen Räucherung

    Die Praxis, Räucherwerk zu opfern, gehört zu den traditionellen Riten und soll während der Asuka-Zeit (538-710) mit dem Buddhismus nach Japan gekommen sein.

    Der chinesische Mönch Ganjin (鑑真) habe bei seiner Reise nach Japan im Jahr 754 dann die Kenntnis zur Fertigung von Räucherwerk aus seiner Heimat mitgebracht.

    Die Verwendung von Duftstoffen blieb bis zum 9. Jahrhundert rein religiösen Zwecken vorbehalten, bevor dann die Höflinge der Heian-Zeit (794–1185) mit dem „Weg des Duftes“ oder „kōdō“ (香道) eine weltliche Verwendung fanden.

    Der letzte große Schritt ergab sich durch die Herstellung von Räucherstäbchen zu Beginn der Edo-Zeit. Damals wurde der Gebrauch von Räucherwerk der allgemeinen Bevölkerung möglich. Anstatt nun aber in die Räucherkultur des Duftwegs einzutauchen, werfen wir stattdessen einen Blick auf den religiösen Gebrauch.

    Räuchertradition in Klöstern

    Die rituelle Opferung im Rahmen von klösterlichen Zeremonien kann in langstieligen Behältern, den „egōro“ (柄香炉) erfolgen, bei denen das Räucherwerk auf einer Schicht aus „makko“ (抹香) liegt – ein annähernd geruchloses Pulver, das den Duft verstärkt.

    "Kloster Eiheiji (Foto: 663highland, Wikimedia Commons, cc-by)
    „Kloster Eiheiji (Foto: 663highland, Wikimedia Commons, cc-by)

    Das Räucherwerk in Klöstern hat allerdings nicht allein die Funktion einer symbolischen Opfergabe, sondern verfolgt auch praktische Zwecke.

    Ähnlich wie Tee, der von Mönchen als konzentrationsförderndes Getränk entdeckt wurde, sollen Räucherstäbchen den Geist beruhigen und die Konzentration fördern.

    Daher riechen entsprechende „Meditationsräucherstäbchen“ teilweise eher würzig und weniger balsamisch.

    Außerdem wurden Räucherstäbchen einer bestimmten Länge auch zur Zeitmessung für die Meditation genutzt. Eine Sitzperiode entsprach der Zeiteinheit eines „isshu“ (一炷), etwa 40 Minuten.

    Diese Art der Duftuhr, oder „kōban dokei“ (香盤時計) bzw. „jikōban“ (時香盤), fand im Übrigen auch bei der Berechnung der Bezahlungen von Geisha ihre Verwendung und so lautet eine der traditionellen Bezeichnungen für ihre Gebühren heute noch „senkō-dai“ (線香代) – Räucherstäbchengebühr.

    Kenkō (献香) Räucheropfer

    Das Verbrennen von Räuchergranulat, oder ”shokō” (焼香), ist neben den Opfern von Blumen ein fester Teil der buddhistischen Bestattungsriten in Japan.

    Das genaue Protokoll zur Darbringung von Räucheropfern vor dem gerahmten Portrait des Verstorbenen weicht je nach buddhistischer Traditionslinie voneinander ab. Als Beispiel soll hier das Vorgehen bei der Sōtōshu (曹洞宗) dienen:

    Die Person tritt vor das Bild, die Gebetskette in der linken Hand. Dann streift sie die Kette über die Finger und legt die Hände in der „gasshō“ (合掌) genannte Geste aneinander, bevor sie sich verbeugt.

    Anschließend entnimmt sie mit der rechten Hand eine Prise des Räucherwerks und führt es an die Stirn, nach buddhistischer Vorstellung der Sitz des „dritte Auges“

    Dann wird die Prise auf dem kleinen Metallplätchen im Räucherbehälter abgelegt. Eine zweite Prise folgt, jedoch ohne das Berühren der Stirn. Nach einer abschließenden Verbeugung tritt man zurück und macht Platz für den nächsten Trauergast.

    Haka Senkō (墓線香) Grabräucherung

    Räucherwerk-Verkauf in einem Tempel in Nara (Foto: Public Domain)
    Räucherwerk-Verkauf in einem Tempel in Nara (Foto: Public Domain)

    Bei den Besuchen der Familiengräber werden Bündel von Räucherstäbchen entzündet. Besonders geschätzt wird dabei der Duft von Zedernnadeln.

    Dieses Zedernräucherwerk, „sugi senkō“ (杉線香) ist typisch japanisch und besteht aus einer gepressten Paste, die ohne weitere Bindemittel, oder Räucherstoffe auskommt.

    Die Rauchopfer auf Friedhöfen werden teilweise nicht senkrecht abgebrannt, sondern das entzündete Bündel wird flach in den Metalleinsatz eines steinernen Räuchergefäßes gelegt.

    Praktischerweise bieten die Tempel vor Ort den Angehörigen meist den Kauf des passenden Räucherwerks an.

    Kyōmōnkō (経文香) Sutra-Räucherung

    Doch Räucherwerk dient in Japan nicht nur der Darbringung wohlriechender Düfte als Opfergaben. Mit den Kyomonkō gibt es duftarme, oder sogar gänzlich duftlose Form des Räucherwerks.

    Bei diesen Räucherstäbchen verbrennt bei dem schrittweisen Verglimmen der Asche lediglich die äußere Schicht des Räucherstäbchens und darunter kommt ein religiöses Symbol, in Form einer Zeichnung oder eines Schriftzugs zum Vorschein.

    Meist handelt es sich um die Schriftzeichen einer buddhistischen Verehrungsformel, wie etwa „Namu Shakamuni Butsu“ (南無釈迦牟尼佛). Derartiges Räucherwerk wird Anlässlich von Gedenkfeiern für Verstorbene und zum Totenfest Obon verbrannt.

    Wie diese Beispiele zeigen, hat, neben der Beduftung von Privaträumen mit „mainichi kō“ (毎日香), dem Räucherwerk für den alltäglichen Gebrauch, die religiöse Verwendung somit weiterhin seinen Stellenwert im modernen Japan.

    Religiöse Räucherung in der Populärkultur

    In Asakusa, einem Bezirk von Japans Hauptstadt Tokyo, steht der Tempel „Sensōji“ (浅草寺). Er ist unter anderem auch für sein großes Räucherbecken bekannt, dessen Rauch heilende Wirkung haben soll.

    Einige religiöse Stätten werden mit bestimmten Räucherwerk in Verbindung gebracht. So wird im Kloster „Daihonzan Eiheiji“ (大本山永平寺), in der Präfektur Fukui, vor allem die Sorte „Reiryokō“ (零陵香) verwendet. Durch die teilweise vorhandene Exklusivität sind beispielsweise Räucherstäbchen von den Tempeln des Koyasan ein beliebtes Reisesouvenir unter Duftliebhabern.

    Shinnichi Tatamika
    Shinnichi ist japanophiler Zen-Buddhist der Soto-Tradition. Grüntee-Enthusiast und Enka-Karaoke-Sänger. Neigt dazu, lange Sätze zu schreiben, wenn er nicht aufpasst.