Setsubun (節分) besteht seit der Heian-Zeit (794–1185) und ist ein Fest, mit dem das Ende des Winters und der Beginn des Frühjahrs gefeiert wird. Weshalb die damit verbundenen Gebräuche an Neujahr erinnern, und was es mit dem berühmten „Bohnenwerfen“ auf sich hat, wollen wir hier kurz erläutern.

Datum des Setsubun
Auch wenn Japan im Jahr 1873 den gregorianischen Kalender einführte, finden sich in der Gegenwart immer noch Hinweise auf die alte Zeitrechnung. Dazu gehören neben den Äranamen für die Regierunszeit des Tenno auch die Termine einiger Volksfeste – wie etwa Setsubun.

Setsubun markiert die japanische Jahreszeitenwende zwischen Frühling, Sommer, Herbst und Winter, weshalb es ursprünglich mehrmals im Jahr gefeiert wurde. In den letzten Jahren gerieten jedoch die meisten Tage in Vergessenheit und nur der 03. Feburuar bliebt als Feiertag erhalten.

Durch die Charakteristika der Rituale kann man eigentlich auch von einer Art „Neujahrsbrauch“ sprechen. Das zeigt sich vor allem  in der rituellen Reinigung, der Vertreibung des Alten und dem Willkommenheisen von allem Neuen – eigentlich typische Sitten für den Beginn eines neuen Jahres.

Himmelsrichtung und Setsubun
Wie wir im weiteren Verlauf sehen werden, spielen Vorstellungen der chinesischen Yin-Yang-Lehre aus dem Taoismus, eine wichtige Rolle bei mehreren Bräuchen zu Setsubun. Denn gemäß dieser Lehre, die auf Japanisch „onymyōdō“ (陰陽道) genannt wird, gibt es sowohl „glückbringende“, als auch „unglückbringende“ Richtungen. Für jedes Jahr errechnet sich im Rahmen eines Fünf-Jahres Zyklus eine neue glückbringende Richtung, oder Ehô (吉方). Für das Jahr 2016 ist Süd-Süd-Ost –„nannantō“ (南南東) – die glückbringende Richtung.

Mamemaki (豆まき) Das Bohnenwerfen

Setsubun no Oni (節分の鬼) des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai (葛飾北斎)
Setsubun no Oni (節分の鬼) des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai (葛飾北斎)

Der vermutlich bekannteste Ritual anlässlich des Jahreszeitenwechsels ist das rituelle Bohnenwerfen, oder „mamemaki„. Bei den so genannten „Glücksbohnen“ handelte es sich traditionell um geröstete Sojabohnen. Heutzutage werden auch Erdnüsse genutzt.

Ursprünglich war es ein rein familiärer Brauch, geht es doch darum, das Böse des alten Jahres aus dem Haus zu vertreiben und das Gute des neuen Jahres willkommen zu heißen.

Warum aber werden Bohnen geworfen?
Es gibt zwei Erklärungen, die sich auf Wortspiele beziehen. Demnach ist entweder die lautliche Ähnlichkeit des Wortes „mame“ (豆) für „Bohne“ mit „mametsu“ (魔滅) oder „Böses auslöschen“  oder „ma no me“ (魔の目) den „Auge der Dämonen“ dafür verantwortlich.

Wer wirft die Mamemaki?
Wer die Bohnen wirft und wohin sie geworfen werden ist unterschiedlich. Zu alter Zeit, als Großfamilien nicht selten waren, warf das Familienmitglied, dessen Sternzeichen mit dem des neuen Jahres übereinstimmte, die Bohnen. Das Jahr 2016 ist das Jahr des Affen – „sarudoshi“ (申年), so dass jemand, der unter diesem Zeichen geboren wurde, die Bohnen werfen müsste.

Doch gerade heute kann es aufgrund der deutlich kleineren Haushalte schwierig werden, einen Angehörigen mit dem passenden Sternzeichen zu finden. Daher hat sich durchgesetzt, dass das Familienoberhaupt die rituellen Bohnen wirft.

Wohin werden die Bohnen geworfen?
Das familiäre Mamemaki kann sehr formell erfolgen – dann werden die Bohnen jeweils zweimal in die glückbringende und die unglückbringende Richtung geworfen. Nicht nur für Kinder ist es jedoch lustiger, wenn das Böse spektakulär ausgetrieben wird. Daher ist der Brauch, die als Dämonen maskierten Eltern mit den gerösteten Bohnen zu bewerfen mittlerweile deutlich populärer.

Mamemaki-Rufe
Die Vertreibung der Dämonen ist mit lauten Rufen verbunden, die regionalen Unterschieden unterliegen und von denen verschiedene Versionen existieren. Die wahrscheinlich bekannteste Formel zur Austreibung am Setsubun ist sicher „Oni wa Soto! Fuku wa uchi!“ (鬼は外!福は内! – „Dämonen raus! Glück hinein!“.

In Japan ist man der Meinung, dass Jahreswechsel und Jahreszeitenwechsel oft Teufel und Dämon in die Welt ruft, weshalb man mit diesem Ruf oder Aufschrei diese verscheucht.

Das Festessen

Ehomaki (恵方巻)
Kein Fest ist ohne besondere Speisen zu diesem Anlass denkbar. Die ursprünglich aus der Region Osaka stammenden Ehomaki haben sich dank hervorragenden Marketings mittlerweile in ganz Japan etabliert.

Beim Essen dieser überlangen Sushi-Rollen, deren Füllung aus sieben Zutaten an die sieben Glücksgötter – shichifukujin (七福神) – erinnern sollen, spielt die bereits mehrfach genannte Glücksrichtung ebenfalls eine Rolle (was auch den zunächst seltsam anmutenden Namen des Gerichts erklärt).

Diese in Nori-Algen gewickelten Rollen sollen schweigend und an einem Stück gegessen werden, während man mit geschlossenen Augen in die Glücksrichtung blickt. Dadurch soll der dabei gedachte, stille Wunsch noch in diesem Jahr in Erfüllung gehen.

Sojabohnen
Eine weiteres Lebensmittel, wer hätte das gedacht, sind die Sojabohnen. Dies hat einen ähnlichen Grund, wie das Bohnenwerfen. Indem man die Sojabohnen isst, nimmt man das Glück in sich auf und vertreibt den Hauch des Bösen, aber auch Krankheit und Leid (邪気) aus seinem Körper, auf dass man ohne Probleme durch die folgenden Monate kommt.

Brauch ist es zudem immer entsprechend der Anzahl seiner erlebten Jahren, also seines Alters, die Anzahl der gegessenen Bohnen zu erhöhen (z.B. 20 Jahre —> 20 Bohnen, 90 Jahre —> 90 Bohnen), was je nach Lebensabschnitt zu einem recht trockenen Mund führen kann. Dafür sorgt man, dass das gute der letzten Jahre anhält und die folgende Zeit ebenfalls von Frieden, Glück und Gesundheit geprägt wird.

Hiragiiwashi / © Tonusamuel (wikicommons)
Hiragiiwashi / © Tonusamuel (wikicommons)

Regionale Unterschiede
In der Westjapan werden an diesem Tag Sardinen () gegessen. Den Grund hierfür erkennt man am besten, wenn man sich das Kanji für die Fischsorte genauer ansieht.

Die Lesung „Iwashi“ (いわし) lässt sich von den Eigenschaften der Sardine – „Yowashii“ (弱しい) (schwach) “Iyashii“(卑しい) (gefräßig) – ableiten.

Auch im Kanji ist neben dem Zeichen für Fisch () das Schriftzeichen für „schwach“ () enthalten. Zudem hat der Fisch einen bestimmten „Geruch“, den manche auch als „Gestank“ bezeichnen.

Beim Grillen des Fisches entsteht dann ein reinigender, stinkender Rauch, der die schlechten Energien und Oni vertreiben sollen. Man sagt, dass dieser schwache und gefräßige Fisch mit seinem Gestank das Böse vertreiben kann. Beim Verspeisen nimmt man die guten Eigenschaften des Fisches in seinen eigenen schwachen Körper auf und reinigt diesen Körper damit.

Man isst den Fisch jedoch nicht einfach nur, sonder spiest die Köpfe des gegrillten Fisches auf Stechpalmen und bringt diese draußen an der Hauswand an. Auch hier soll der Geruch vor Bösem Schützen. Genannt wird dieses Rituale „Hiragiiwashi“ (柊鰯) (Iwashi auf Stechpalme).

Kenchinjiru / © User:Kentin (wikicommons)
Kenchinjiru / © User:Kentin (wikicommons)

In der Region Kansai isst man Kenchinjiru (けんちん汁). Dies ist eine fleischlose Gemüsesuppe, die laut einer Legende aus den Köpfen der Mönche des Kenchō-jis (健長寺) in Kamakura entsprungen sein soll. Die Suppe galt als sehr gesund und wurde immer unter dem Namen Kenchōjiru (健長汁) gerne gegessen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus „Kenchō“ „Kenchin“. Setsubun hat unter anderem den Sinn den Körper von allem Bösen zu reinigen, um diesen Vorgang zu unterstützen bürgerte sich in Kansai auch das Zubereiten dieser sehr nahrhaften Suppe ein.

Konnyaku (こんにゃく) aus der Taro-Kartoffel wird am 03.02. auf der Insel Shikoku gegessen. Man sagt, dass dieses besondere Lebensmittel zum ersten Mal dort hergestellt und gegessen worden sein soll. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Konnyaku sich auch in den Gebräuchen wiederfindet.

Konnyaku wird viele gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt, so soll es zur Darmreinigung beitragen und unerwünschte Dinge aus dem Körper schwämmen. Außerdem soll es präventiv gegen Diabetes und Krebs wirken. Auch hier steht der reinigende Aspekt im Vordergrund und wird deshalb aus ähnlichen Gründen wie Kenchinjiru bei Setsubun gegessen.

Das Setsubun Mantōrō Fest (節分万燈籠)
Das berühmteste Matsuri, das mit Setsubun in Verbindung steht, ist sicherlich das Setsubun Mantōrō Fest im Kasuga Taisha-Schrein (春日大社), im Schrein des Frühlingstags, in Nara. Ab dem 03. wird dieser von mehr als 3.000 Laternen erleuchtet, die zum Großteil von Anwohnern gespendet werden.

Das Fest besteht seit etwa 800 Jahren entwickelte sich jedoch während der Sengoku-Zeit (戦国時代) (1477 – 1573) dahingehen, dass man den gefallenen Samurai der Ära gedachte. Abends um 15:30 Uhr bis 18 Uhr wird zu deren Ehren auch der traditionelle japanische Hoftanz Bugaku (舞楽) aufgeführt.
Während des Fests können Bohnen erworben werden, die man im Hof des Schreins zur Teufelsabwehr werfen kann.

Dieser Artikel entstand in einer Kooperation unserer Redakteure Shinnichi Tatamika und Denise.

Shinnichi Tatamika
Shinnichi ist japanophiler Zen-Buddhist der Soto-Tradition. Grüntee-Enthusiast und Enka-Karaoke-Sänger. Neigt dazu, lange Sätze zu schreiben, wenn er nicht aufpasst.