Top 10 der Dinge, die im japanischen Alltag nerven

Auch Japan ist kein Friede-Freude-Eierkuchen-Land. Probleme wie sexuelle Belästigung, Überarbeitung und Selbstmord machen immer wieder Schlagzeilen.

Aber auch im Alltag kann einen manches ganz schön nerven. Hier eine Topliste, mit 10 Dingen, die so manchen Ausländer im japanischen Alltag zur Weißglut bringen.

Japanisiertes Englisch

Englische Wörter, wie man sie in Japan benutzt. Hier unter anderem: Nootopasokon für Notebook und Poketto für Taschen. Hättet ihr das verstanden?

Na, habt ihr schon mal versucht euch in Japan auf Englisch unterhalten? Für viele Ausländer ist es schockierend welch ein geringer Anteil an Japanern Englisch spricht. In europäischen Ländern ist man gewohnt, dass man sich mit Englisch irgendwie durchschlagen kann. Nicht so in Japan (mit Ausnahme von Touristen- und Groß-Städten wie Tokyo und Kyoto). Auch wird gerne ein japanisiertes Englisch benutzt – manchmal komplett unverständlich. Die Tatsache, dass Japanisch eine große Zahl an englischen Worten aufweist, ist auch nicht unbedingt hilfreich. Oft sind sie so „verunstaltet“, dass man sie kaum wiedererkennt, zB.: hankachi für handkerchief (deutsch:Taschentücher), oder  serebu für celebrity. Für einige Ausländer gar nicht lustig.

Was für japanisierte englische Wörter kennt ihr?

“Gaijin-Hunter“

Mal gemieden, dann heiß begehrt..wir Ausländer haben es in Japan schon nicht immer leicht.

Als Ausländer sind wir in Japan echte Exoten. Wir fallen auf und werden vor allem in ruralen Orten öfters angesprochen. Zudem empfinden viele Japaner recht helle Haut, großen Augen und helles Haare als hübsch. Kein Wunder, dass es auch Japaner gibt, die ganz besonders an uns Ausländern interessiert sind – in vielerlei Hinsicht. Einige Japaner besitzen ein romantisches Interesse, speziell an Ausländern. Für andere sind wir eine Art „Ausstellungsstück“. Man wird eingeladen und den Freunden präsentiert. Diese zwei Arten von “Gaijin Hunter” (Ausländer-Jäger) können manchmal recht unangenehm werden.

Straßenraudis

Topliste, verkehr
Drei Fahrräder nebeneinander…. Durchkommen: Fehlanzeige

Man glaubt es kaum, aber grade die braven Japaner sind ganz schöne Straßenraudis. Sowohl auf Fahrrädern, als auch in Autos nehmen sie oft wenig Rücksicht. Mit Fahrrädern wird auf einer beliebigen Straßenseite gefahren. Gerne fahren sie nebeneinander und blockieren die gesamte Straße bzw. den Bürgersteig. Abgestellt stehen die Fahrräder dann häufig im Weg oder parken andere ein. Bei Ausfahrten sollte man immer vorsichtig sein, denn nicht selten schießt ein Autofahrer ohne Rücksicht auf Verluste hervor.

Was hattet ihr schon für Erfahrungen?

7.Japaner sind immer beschäftigt

Japaner scheinen immer beschäftigt zu sein-ob nun beim Job, in Sport-clubs oder beim shoppen

Japaner richtig kennenzulernen ist schwer.  Man wird zwar oft angesprochen, dennoch geht das Gespräch meist nicht über Small-Talk hinaus. Wirklich treffen tut man sich auch mit befreundeten Japanern wenig. Dies hat sicher mehrere Gründe. Ein wichtiger ist jedoch, dass viele Japaner schlichtweg keine Zeit bzw. keine Freizeit haben. Sie sind mit Uni/Job, Clubs und Nebenjob völlig ausgelastet. Japanisches Leben ist stressig. Für uns auf jeden Fall mehr als schade.

6.Die “viel zu höflichen“ Japaner

Japaner gelten als äußerst höfliche Menschen. Doch diese teils übertriebene Höflichkeit kann auch anstrengend sein. In den seltensten Fällen begegnet man einem Japaner, der einem offen und ehrlich seine Meinung sagt. Auch die Vermeidung des Wortes „Nein“ ist eine Art unausgesprochenes Gesetz, sodass die Japaner lieber kompliziert um den heißen Brei herumreden, als Klartext zu sprechen. Besonders bei uns Deutschen, die wir als sehr direkt gelten, kann diese indirekte Art der Kommunikation manchmal die Geduld strapazieren oder schlichtweg zu Missverständnissen führen.

5.Regeln, Regeln, Regeln…

verbot

Wir Deutsche gelten als diszipliniert und regelkonform. Aber Japan schießt den Vogel ab. Manchmal kann die Hingabe mit der viele Japaner auch unsinnig wirkenden Regeln ohne Hinterfragen ausführen, recht lästig sein. Auf Nachfragen wird dann schlichtweg zur Antwort gegeben, dass das eben die Regel sei. Nicht grade befriedigend!

4.Der Verpackungswahn

Hübsch verpackte sind sie ja, die zahlreichen Omiyage (Mitbringsel)..aber auch 10.000 mal verpackt

Dass die Japaner Verpackungskünstler sind, wissen wir … . Aber muss man wirklich alles zehntausend Mal verpacken? So manche Süßigkeit ist in dutzende Lagen Plastik verpackt. Das kostet Zeit und Nerven (ganz ehrlich wer will schon Jahrzehnte mit dem Öffnen von Verpackungen verbringen?). Zusätzlich produziert es extrem viel Müll. Das geht bestimmt auch anders.

3.Der teure Arztbesuch

Was macht ihr, wenn ihr einen Fahrradunfall hattet oder krank seid? Ihr geht bestimmt zu einem Arzt oder direkt ins Krankenhaus. In Japan ist das allerdings gar nicht so billig. Mit Krankenversicherung muss man immer noch 30% Selbstbeteiligung zahlen. Autsch. Da tut alles gleich doppelt weh.

2.Obst als unbezahlbares Luxusgut

Luxusfrüchte wie diese quadratische Melone, sind nahezu unbezahlbar! Foto von Koichi Kamoshida/Getty Images

Ein Blick auf ein Preisschild für Erdbeeren und ich hätte mich fast verschluckt. Das muss doch ein Fehler sein, eine 0 zu viel! Aber nein. In Japan isst man nur das beste. Japanisches Gemüse und vor allem Obst ist oft deutlich teurer als deutsches. Edle Luxus-Früchte, einzeln verpackt und schick präsentiert sind nahezu unbezahlbar. So kann eine Melone im Supermarkt schon mal 60 Euro kosten. Aber auch „Standart-Obst“, wie Äpfel, kosten pro Stück knapp 1,50 Euro. Würdet ihr so viel zahlen?

Wer sich länger in Japan aufhält und nicht auf Obst &Co verzichten will, muss tief in die Tasche greifen, oder begibt sich auf eine verzweifelte Suche nach billigen Angeboten.

Tipp für bezahlbares Obst und Gemüse:  Nach 19 Uhr verkaufen viele Supermärkte Nahrungsmittel billiger. Oder kauft doch Gemüse und Obst zweiter Wahl bei “Don Quijote”.

1.Wo zur Hölle sind die Mülleimer?

Mülleimer, wie auf diesem Foto zu finden ist eine richtige Kunst. Kein Wunder, dass diese Exemplare so überladen sind.

Seid ihr auch schon verzweifelt auf der Suche nach einem Mülleimer mit eurem Abfall durch halb-Tokyo gerannt? Oft scheint in ganz Japan keiner auffindbar. Also muss man seine kleinen Onigiri Verpackungen mit sich durch die Gegend schleppen oder zum nächsten Supermarket mit Mülleimer pilgern. Spätestens, wenn man in seiner Tasche kramt und vor lauter Abfall, Handy und Schlüssel nicht mehr findet, kann einem das gehörig auf den Senkel gehen.

Mülleimer sind in Japan übrigens aus Angst vor Anschlägen so drastisch reduziert worden. Nach Giftgasanschlägen in Tokyos U-Bahnen, in 1995 befand, man Mülleimer als Sicherheitsrisiken, in denen unerkannt Giftgasbehälter, Bomben oder ähnliches versteckt werden könnten.

Selbstverständlich ist dies nur eine kleine Auswahl. Was bringt euch in Japan so richtig auf die Palme?

12 KOMMENTARE

  1. In Tokyo hat man das “Problem” mit Gajin Huntern faktisch nicht mehr gerade weil auch mehr Ausländer in Tokyo leben. Leider ist es aber dadurch auch schwerer mit Japanern überhaupt in Kontakt zu kommen. Man kriegt zwar wenn man fragt alles erklärt und es wird einem geholfen. Es geht aber selten darüber hinaus. Unter der Woche hat der Japaner faktisch keine Zeit um sich länger zu unterhalten und um jemanden kennenzulernen hat man dann faktisch nur in Roppongi und Co. Zeit. Wobei dann viele Japaner betrunken sind und sich gehen lassen. Da hilft nur mittrinken.

  2. Also, das mit den Gaijin-Jägern ist mir völlig neu! O_o
    In Japan ist es doch eher so, dass man als Ausländer nicht gerne gesehen wird, oder? Japan ist nach wie vor ein recht nationales Land und die Anzahl an Ausländern dort ist ja wirklich gering. Wundert mich jetzt schon irgendwie.

    Und über das “japanisierte englisch”, hach, da kommt mir immer wieder dieses Bild in den Kopf:

    https://2ch.hk/old/src/41377/14261554918750.jpg

    Aber eigentlich ist das nicht lustig, sondern regelrecht peinlich. Hört man ja auch sehr oft in Animes, wie schlecht ihre Englischkenntnisse sind. Manchmal hört es sich lustig an (You like fish = Yuu rike a fiiish), aber manchmal muss ich doch facepalmen.

    Ach ja, und man hat automatisch ein Schwestern-Komplex, wenn man sagt, dass man seine Schwester mag.

    • Gerade weil es nicht viele Ausländer gibt, “schmücken” sich manche Japaner regelrecht mit unserer Bekanntschaft. Ich wurde schon von reizenden Pärchen eingeladen, die ganze Schränke voll mit Fotos von sich und Ausländern, die sie zu sich nach hause eingeladen hatten, besaßen. Sie haben sozusagen “gesammelt”.

    • Ich hatte den Spaß als Hintergrund für das regionale Fernsehen herhalten zu dürfen, weil in unseren Flitterwochen durch einen Stromausfall in Tokyo die Shinkansen für mehrere Stunden ausgefallen waren und wir mit all den anderen Reisenden bei der Information auf unseren Zug warteten. Ich saß da und habe zur Zeitüberbrückung gestrickt und merkte plötzlich, wie sich das Team vor mir aufbaute und ihren Beitrag abdrehte. Die Halle war riesig und voll mit zig Leuten, aber ich musste unbedingt mit ins Bild. x_x
      Auch in kleineren Städten wurden wir angesprochen und ganz besonders behandelt.

      • Das kann ich nur bestätigen. Als ausländer wirst du sowieso anders behandelt, aber wenn sie dann erfahren das du aus deutschland kommst, dann wird man noch bevorzugter behandelt. Ich weiß nicht warum das so ist. Ich hatte mal das erlebniss das, daß Hotel meine Zimmerkategorie eine upgrade abkam, nur weil sie im Pass gelesen haben das ich aus Deutschland komme. Das mit dem TV Kameras kenne ich auch zu gut, ich war auf drei Konzerten und ich hatte jedesmal einen Kamera vor der Nase. In Kamakura hatte ich das Gefühl die Kamera verfolgt mich, egal wo ich hin ging sie folgte mir.

  3. Schöner Artikel! Vor allem der Beitrag über die Radfahrer hat mich schmunzeln lassen. Ich musste ca. ein halbes Jahr lang immer mit dem Fahrrad eine Stunde von A nach B radeln…. Es gilt das Recht des stärkeren, also der, der als letztes ausweicht. Echt wirr. Ansonsten finde ich die Gaijinhunter und die Mülleimer-Situation am schlimmsten

  4. Am aller meisten nervt mich eben ihre deartig indirekte Art, dass man nicht mal Nein sagen kann oder offen seine Meinung sagt. Ich kann an sich beides: taktvoll, vorsichtig & um den heißen Brei reden, wenn es nötig ist (gegenüber einer bestimmten Person oder in einer bestimmten Situation). Aber ansonsten…vor allem wenn ich genervt oder ungeduldig (und werde beides leicht) werde, würde ich dort mit meiner Ausdrucksstarken Art sicher als komplett unhöflich gelten. Höflich sein ok…in Japan ist es toll, dass sich alle für die Öffis in Schlangen anstellen und geduldig nacheinander hineingehen… aber man kann es auch eeeecht übertreiben. Und das Obst als Luxusgut gehandhabt wird, ist auch so richtig übertrieben… die immer mit ihrer Perfektion (die kann auch nerven).

  5. Da ich selber schon mal in Japan war, kann ich alles bis auf die Strassenraudis bestätigen.
    Ich bin in yokohama mal gegen die nächste Wand gelaufen, weil ich den Preis von den wirklich super
    gut aussehenden erdbeeren nicht glauben konnte. Aber ich habe mir einen Apfel in kobe gekönnte für ca. 1,60 € aber er war es wert. Ich hatte so einen Heisshunger auf Obst. Egal ob Apfel, Birne oder Banane.

  6. Ein wirklich toller Bericht, schön geschrieben und informativ. (Gerade für uns nicht Japaner)^^
    Punkt 8 war mir noch nicht bekannt: “Man glaubt es kaum, aber grade die braven Japaner sind ganz schöne Straßenraudis.” Genial. XD Ich hatte leider noch nicht das Vergnügen in Japan den Alltag mit all seinen Marotten kennen zu lernen. Trotzdem, danke für den Artikel. 🙂

  7. Kleiner Hinweis: Notebook heißt Nootopasokon (da hat der Autor wohl ‘so’ mit ‘n’ verwechselt). 😉 Das Wort bildet sich aus den Wörtern Nooto (=Note) und Pasokon (=Personal Computer).

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