Tsukimi – Mondschau im herbstlichen Japan

    Tsukimi/Nadine Häntsch

    Das Tsukimi, oft auch Jūgoya genannt, ist eine seit langer Zeit in Japan gefeierte Tradition.

    Vornehmlich werden zum Tsukimi (月見 oder お月見; wortwörtlich „Mondschau“) bei Vollmond die Decken ausgepackt, herbstliche Snacks und Gerichte gegessen und der scheinende Mond betrachtet. Schon in der Heian-Zeit (平安時代, heian-jidai; 794-1185) wurde davon berichtet, dass man dabei gemeinsam mit seinem Liebsten romantische Stunden verbrachte oder große Feste zu Ehren des vollen Mondes veranstaltete. So mancher ließ sich schon damals zum Verfassen von Gedichten und Liedern hinreisen, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass aus jener Zeit viele Waka-Gedichte (和歌) überliefert sind. Auch in den alten Texten des Taketori-Monogataris (竹取物語), unter anderem über die Prinzessin Kaguya (かぐや姫), spielt der Vollmond im Herbst eine tragende Rolle.

    Heutzutage ist das Betrachten des Mondes nicht mehr ganz so beliebt wie das Hanami (花見; Blütenbetrachten) im Frühling, trotzdem zieht es immer noch Menschen nach draußen, um in den kühlen Abendstunden das Mondlicht zu genießen. Laut der alten Geschichte Tsukiusagi (月ウサギ) kann man im Herbst auf dem Mond die Umrisse eines Hasen erkennen, der Reis zerstampft. Die Folklore geht bis auf das alte China zurück, in der der Hase sich selbst für einen armen, hungrigen Bettler opfert, damit dieser etwas zu essen hat. Der Bettler war jedoch ein buddhistischer Heiliger und verewigte die Gestalt des Hasen im Mond, um ihm für seine Nächstenliebe zu danken.

    Seit der Edo-Zeit (江戸時代, 1600 – 1867) werden beim Tsukimi traditionell frisch geerntete Taro-Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Reis gegessen. Besonders beliebt sind Dango (団子), da sie der Form des Vollmondes ähneln und somit dem Mond für sein tägliches Aufgehen gedankt werden kann. Entsprechend der Anzahl der bisherigen Monde im Kalender verändert sich auch die Zahl der Dango, die man verspeisen sollte. Fällt das Tsukimi auf den 12 Mond im Kalender werden 12. Dango verspeist, ist es der 15. Mond, dann isst man 15.Dango usw.

    Schöne Orte um den Mond zu betrachten sind im ganzen Land verstreut. In Osaka gibt es aber ein spezielles Tsukimi-Fest, das dieses Jahr am 26. und 27. September im Mozuhachimangū-Schrein (百舌鳥八幡宮) stattfindet. Unter anderem wird eine Kinderprozession und eine Taiko (太鼓)-Weihe veranstaltet. Für Japaninteressierte ist aber vor allem das Ereignis danach sehr interessant. Dann wird nämlich unter lautem Rufen das Allerheiligste des Schreins zu Ehren des Gottes Hachiman (八幡) auf dem Rücken der Anwesenden durch die Straßen getragen. Japanreisende, die sich an diesen Tagen in und um Osaka aufhalten, sollten sich dieses Spektakel nicht entegehen lassen.

    Die diesjährigen Tsukimi-Termine in Japan fallen auf den 27. September und den 25. Oktober. In Deutschland ist der nächste Vollmond am 28. September zu bestaunen.

    Falls ihr selbst den Hasen entdecken wollt, beliebte Tsukimi-Spots der Metropolen Tokyo/Yokohama und Osaka/Kobe findet ihr hier:

    Tokyo/Yokohama:

    • Der Tokyo Tower ist mit Abstand einer der besten Plätze, um als Pärchen oder mit Freunden den schönen Herbstmond zu betrachten. In bis zu 250m Höhe hat man einen schönen Blick auf Tokyo und kann bei Jazz-Musik im Kaffee auf dem 2. Stock den Abend ausklingen lassen.
    • Im Sakuragaoka-Koen in Tokyo gibt es einen kleinen Hügel von dem aus man einen wunderbaren Blick auf das nächtlich erleuchtete Tokyo hat. Ein Pluspunkt für die Mondschau sind die vielen Bänke, die sehr zum Verweilen einladen. Der Park ist außerdem rund um die Uhr geöffnet.
    • Ein weiterer schöner Ort, um die ruhige Stimmung des Herbstes genießen zu können, ist der Landmark Tower in Yokohama. Mit seinen 70 Stockwerken bietet er eine schöne Sicht auf den Vollmond und die hell erleuchtete Stadt zu Füßen des Gebäudes.

    Osaka/Kobe:

    • In Osaka ist besonders die Shijo-Oohashi beliebt. Das Ur-Konstrukt geht bis auf das Jahr 1142 zurück und bildet heute eine der größten Fußgänger-Überführungen Japans. In der Nähe der Brücke gibt es viele Izakayas und Restaurants, weshalb man sich hier wahrscheinlich mit einem etwas lauteren Geräuschpegel zufrieden geben muss.
    • Für ein ausgefalleneres Erlebnis hat man die Möglichkeit in die Berge zu gehen. Der Maya-san in Kobe zählt zu den drei schönsten nächtlichen Aussichtsplätzen in Japan. Von einem der höchsten Punkte aus hat man einen unvergesslichen Ausblick auf Kobe und hat die seltene klare Sicht auf die Sternbilder.

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    Tsukimi im September/ac-illust.com
    Tsukimi im September/ac-illust.com
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    Tsukimidango/photo-ac.com
    Tsukimidango/photo-ac.com
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    Die Hasen im Mond/photo-ac.com
    Die Hasen im Mond/photo-ac.com
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