Unterwegs: Sumikai beim Shinnenkai 2016 der DJG-Baden-Württemberg in Stuttgart

    © Deutsch-Japanische Gesellschaft Baden-Württemberg
    © Deutsch-Japanische Gesellschaft Baden-Württemberg

    Unser Sumikai-Team war für euch auf dem Shinnenkai der Deutsch-Japanischen-Gesellschaft Baden-Württemberg unterwegs. Was wir so erlebt haben und welche tollen Auftritte auf uns warteten, das möchten wir euch in diesem kleinen Bericht erzählen.

    Es war ein kalter Abend in Stuttgart als wir beim Linden-Museum in der Innenstadt ankamen. Veranstaltungsbeginn war 18 Uhr, doch bereits kurz nach 17 Uhr füllte sich der große Wanner-Saal. Der Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Baden-Württemberg Herr Grosse begrüßte am Eingang alle Gäste persönlich und nahm sich auch die Zeit für ein nettes Pläuschchen mit unserem Sumikai-Team. Auf die Leinwand im Hintergrund war passend zum diesjährigen Jahr des Affen ein Foto von einer Affen-Statue projiziert, die aus der Netske-Sammlung des Linden-Museums stammt.

    Das Event begann mit der Begrüßung der Japanologin und Vize-Vorsitzenden Frau Dr. Germann, die im letzten Jahr ein Buch über den ersten deutschen Arzt an der Toyko Universität (Erwin von Baelz) veröffentlich hatte. Frau Germann wünschte allen Anwesenden zunächst auf Japanisch, dann auf Deutsch ein Frohes Neues Jahr. Sie führte als souveräne und sympathische Moderatorin durch den Abend und stellte die einzelnen Programmpunkte vor. Die Moderatorin wies unter anderem auf die „Affen-Kalligraphie“ und die Ikebana hin, die extra anlässlich der Feier und des Jahr des Affen angefertigt worden waren.

    Als erste im Programm spielte die japanische Band ASUKA, die aus den Mitgliedern Eiko Krüger (Trommel), Shigeko Fukui-Fauser (Flöte) und Chikako Inoue (Klavier) besteht. Frau Eiko Krüger war wenig zuvor nach Japan gereist, kam jedoch extra für das Event in Stuttgart wieder für einige Tage zurück. Dies war eine Bereicherung für alle Zuschauer, denn die Harmonie der Band und die vorgetragenen Musikstücke zauberten auch den Menschen auf den hintersten Bänken die lebhafte Landschaft Japans in die Herzen. Gespielt wurden u.a. Klassiker wie Uneri und Haru no Umi.

    Nach dem gelungen Auftritt der Band wandten sich der Vorsitzende Grosse, der Generalkonsul aus München, Herr Yanagi, und Frau Dr. Werlich, die Leiterin der Asien-Abteilung des Linden-Museums, an die Besucher. Herr Grosse sprach über bemerkenswerten Veranstaltungen in der Vergangenheit und darüber, dass die DJG mit anderen Japaninstitutionen in Stuttgart den japanischen Garten pflegten und Kirschbäume pflanzten, um gemeinsam Hanami begehen zu können.
    Herr Yanagi versprach eine stärkere Zusammenarbeit zwischen dem Konsulat und den Japan-Gruppen in Süddeutschland. Die Vereine seien wichtige Brückenbauer zwischen den Ländern und unabdingbare Pfeiler des kulturellen und menschlichen Austausches. Der Generalkonsul sprach auch über das Thema Flüchtlinge und darüber, dass Japan finanzielle Unterstützung in den Flüchtlingsgebiete zusage. Zudem freue er sich über die Oishii-Ausstellung in den Räumlichkeiten des Linden-Museums.
    Frau Dr. Werlich erzählte, dass das Linden-Museum im Jahre 2016 ganz im Zeichen Japans stünde. Ab dem 15.10.2016 bis April 2017 fände hier nämlich die neue Ausstellung „Oishii“ über die Esskultur Japans statt. Zusätzlich werden auch viele Netske-Figuren aus der Sammlung TRUMPF ausgestellt werden.

    Als dritten Teil der Veranstaltungen zeigten die Nachwuchskünstler Fluteens ihr Können. Zur Einführung zeigten sie kleine Filmausschnitt ihrer Japanreise. Die Fluteens begaben im letzten Jahr sich auf Konzerttour nach Japan, wo sie mit ihren Querflöten bekannte Anime-Stücke spielten. Danach gaben die jungen Damen eine kleine Kostprobe und spielten Ohrwürmer der bekannten Animes „Laputa – das Schloss im Himmel“ und „Mein Nachbar Totoro“.

    Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit beim Festvortrag / © sumikai.com/Denise
    Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit beim Festvortrag / © sumikai.com/Denise

    Der Festvortrag der Veranstaltung wurde von der Japanologin Prof. Dr. Hijiya-Kirschnereit der Universität Berlin übernommen. Sie sprach über Haiku, deren Wandel während der Jahrhunderte und den berühmten japanischen Dichter Kobayashi Issa. Sie sagt, dass Haiku zwar wichtiges Kulturexportgut seien, aber trotzdem immer als eine reine japanische Kunst angesehen wurden. Anhand eigener Anekdoten und am Beispiel des berühmten Frosch-Gedichtes von Basho zeigte sie jedoch, dass Haiku schon immer den Strömungen der Jahrzehnte und Jahrhunderte ausgesetzt waren und sich bis heute stets veränderten. So wurden sie z.B. auch zu Zeiten der letzten Jahrtausendwende oft für Werbeplakate und für Polizeiwarnungen verwendet. Selbst Hausfrauen gewannen bei Haiku-Wettbewerben mit Gedichten über ihr alltägliches Leben Preise bei Wettbewerben. Zum Thema „Haiku“ als Kulturexportgut brachte Prof. Dr. Hijiya-Kirschnereit den ehemaligen Europapräsidenten Herman Van Rompuy zur Sprache, der ein komplettes Reisetagebuch in Haiku-Form veröffentlicht hatte und somit mit viel Humor die Szenerie in Japan beschrieb. Zum Schluss kam die Japanologin auf Kobayashi Issa zu sprechen. Issa war der Künstlername des Dichters und bedeutet so viel wie „ein Schluck Tee“. Damit wollte er ausdrücken, dass das Leben so kurz und vergänglich sei wie ein Schluck Tee, in dem aber trotzdem alles Mögliche erhalten sein kann. Kobayashi Issas Leben war geprägt von Armut und Leid und trotzdem griff er in seinen Gedichten immer wieder Heiterkeit, Freude und Lebenslust auf. Er fokussierte oft auf die kleinen Dinge, wie z.B. Schnecken und Schwalben und personifizierte diese – schon zu seinen Lebzeiten war dies ein Bruch mit den traditionellen Regeln der Haiku-Dichtung. Die Rednerin schloss mit dem Fazit ab, dass man anhand ihrer Beispiele gut sehen könne, dass die Haiku-Dichtung eine sich wandelnde Kunst sei.

    Der letzte Auftakt bildete die Band ASUKA mit ihrem zweiten Auftritt an jenem Abend. Zunächst mit einem selbst kreierten Solo-Stück von Eiko Krüger und zum Schluss mit dem Lied „Senbonzakura“, welches mit einem tosenden Applaus gewürdigt wurde.

    Das leckere Sushi von Tokyo Dining in Stuttgart© sumikai.com/Denise
    Das leckere Sushi von Tokyo Dining in Stuttgart© sumikai.com/Denise

    Das Programm endete etwa um 19:30 Uhr. Zur Stärkung gab es kostenlose Getränke, auch Sake, und für ca. 7,50€ fischhaltige und vegetarische Sushi-Lunch-Boxen des Restaurants Tokyo-Dining. Tokyo Dining besteht bereits seit 6 Jahren in Stuttgart und wurde auch als Referent für die Bento-Kultur in Japan für die Ausstellung „Oishii“ im Linden-Museum hinzugezogen. Neben der Verköstigung gab es einen Buchstand des Verlagsagenten Tillman Eberhard, der sowohl Bücher über Japan, als auch japanischsprachige Bücher verkaufte. Herr Eberhard ist bei allen Veranstaltungen der DJG mit seinem Stand dabei und verkauft jedes Jahr Bücher beim JLPT.

    Das Ende der Veranstaltung fand sich gegen 21:00 Uhr. Es war eine angenehme und schöne Runde, die zum Verweilen einlud und einen guten Anfang zum Jahr des Affen markierte

    Das Sumikai-Team bedankt sich für die Einladung zum Shinnenkai und wünscht allen ein angenehmes Jahr des Affen.