Eindrücke der Nippon Connection 2015

    © Nippon Connection
    © Nippon Connection

    Vom 02.Juni bis 07. Juni 2015 fand die Nippon Connection zum 15. mal in Frankfurt statt. Wir waren für Euch vor Ort und haben sie uns ein bisschen genauer angesehen.

    Was ist die Nippon Connection eigentlich?
    Das bekommt man oft gestellt wenn man erzählt, dass man auf der Nippon Connection unterwegs ist. Das Festival ist ein Festival der japanischen Filme. Außer vielen hoch interessanten japanischen Movies, Animes und Live Action Adaptionen (gezeigt werden nicht nur die neuesten Streifen, sondern auch Retro Filme!), sondern auch Workshops, Vorlesungen, Ausstellungen, Vorträge und Aktivitäten rund um das Thema Japan.

    Angefangen hatte es mit einer Studenten Initiative die sich allerdings rasant entwickelte. Und nun ist die Nippon Connection das größte Event auf der Welt die sich um den japanischen Film dreht. Das Event erstreckt sich auf ganze sechs Veranstaltungsorte. Hört sich erstmal komisch an, ist aber nicht anders zu erwarten, da es über 100 Filme auf Leinwände zu projizieren gab. Nicht zu vergessen die Ausstellungen, Info- und Verkaufsstände und Workshopräume.

    Das Programm
    Schon zu Anfang war es auch für uns schwierig einen Plan zu erstellen um so viel mitzunehmen wie nur möglich. Es ist unmöglich alles zu unternehmen. Es gab einfach viel zu viel zu sehen und zu tun und auszuprobieren! Das größte Problem war schlicht und ergreifend die viel zu vielen äußerst Interessanten Programmpunkte. Selbst wenn die einzelnen Aktivitäten zeitlich versetzt stattfanden, waren sie meist in verschiedenen Veranstaltungsorten zu denen man ja noch hin gehen/fahren musste. Außerdem durfte man die Spielfimlänge der Japaner nicht unterschätzen! Wir waren in keinem Film der weniger als 160 Minuten hatte. Es gab zwar einen schönen Zeitplaner von der Nippon Connection, aber wenn man nicht ständig im Programmheft hin und her blätterte um herauszufinden ob der Film interessant war und oder wie lange er dauerte hatte man eigentlich verloren. Das wäre vielleicht als Kurzinfo in der Übersicht noch mit einzufügen – Wie lange der Film dauert. Wegen der fehlenden Information oder eher unserer Faulheit nochmal nachzusehen saßen wir also in den Filmen statt bei Workshops mitzumachen. Macht euch also unbedingt einen ordentlichen Plan, falls ihr nicht nur Filme schauen wollt.

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    Die Filme waren in Kategorien eingeteilt worden. Diese bekamen die Namen: Nippon Cinema, Nippon Vision, Nippon Animation und Nippon Retro. Die Titel sind vielleicht nicht auf Anhieb definierbar aber einfach zu merken. Cinema bezieht sich auf Spielfime, Vision auf Dokumentar-, Art- und Kurzfilme, Animation natürlich wie der Name schon sagt auf Anime und Retro auf die Filme der 80er und 90er Jahre. Alle Filme waren natürlich im Originalton zu hören und mit englischem Untertitel versehen. Denn die Nippon Connection hatte nicht nur japanische und deutsche Gäste.

    Alle Filme aufzuzählen würde wohl den Rahmen dieses Beitrags sprengen – es sind einfach viel zu viele. Highlights gingen da schon eher. Titel wie „My Man“, „A Courtesan with flowered Skin“, „Appleseed Alpha“, „Kaza Hana“ oder „Pale Moon“ gehörten unter vielen anderen zum Programm. Zu jeder der Kategorien gibt es natürlich auf Wettbewerbe. Jeder Zuschauer hatte die Möglichkeit nach dem Film seine Meinung abzugeben. Dazu bekam man am Anfang einen Zettel der bereits mit Sternchen versehen war, die anzeigten wie gut man den Film fand. Nur noch schnell an der richtigen Stelle einreißen und beim Herausgehen in eine Box stecken. Welche Filme gewannen wurde am letzten Tag bekannt gegeben. Diese wären für die jeweiligen Kategorien:

    Nippon Visions Jury Award
    THE COCKPIT von Sho MIYAKE

    Nippon Visions Audience Award
    1. -1287 von Ian Thomas Ash
    2. LITTLE VOICES FROM FUKUSHIMA von Hitomi KAMANAKA
    3. A LITTLE GIRL’S DREAM von Yoshiaki TOKITA

    Nippon Visions Cinema Award
    1. UZUMASA LIMELIGHT von Ken OCHIAI
    2. HER GRANDDAUGHTER von Ryuichi HIROKI
    3. 100 YEN LOVE von Masaharu TAKE

    Workshop & andere Aktivitäten
    Workshops gabe es natürlich auch Unmengen! So zum Beispiel Origami. Es gab dazu einen extra Workshop aber gleichzeitig war ein Tisch im Mousonturm aufgebaut worden an dem man ganz einfach hingehen konnte und mitfalten konnte. Es war immer jemand dort, der einem zumindest den Kranich beibringen konnte. Natürlich haben wir mitgemacht!

    Aikido, Bento, Onigiri, Benshi, Sanshin und so viele Workshops mehr! Benshi sind die Geschichtenerzähler die Stummfilme begleiten – sodass sie nicht ganz stumm waren, Sanshin das Saiteninstrument aus Okinawa oder Aikido ist eine Kampfkunst die nicht als Sport gilt – daher keine Wettkämpfe bestreitet. Unser Team hat sich das ein bisschen genauer unter die Lupe genommen und beim Schnupper Workshop mitgemacht. Ein sehr zu empfehlende Selbstverteidigungskunst! Auch für Menschen mit wenig Kraft! Friedvolle Kampfkunst die das Bewusstsein seiner Umgebung stärkt. Wir waren sehr fasziniert davon. (Und das sage ich, die jahrelang Shotokan Karate gemacht hatte.)
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    Die Nippon Connection hatte soviel Abwechslung und interessante kulturelle Angebote, dass ich mir unsicher bin ob ich nichts vergessen werde… Wir waren einfach so überwältigt. Aber auf der Nippon Connection Seite steht das komplette Programm natürlich auch!

    Auch Kinder genossen Workshops! Und das fing bereits bei den ganz kleinen an. Baby Shiatsu – Baby Massage, gab es zum Beispiel. Kinder Kalligrafie, Kinder Schminken und japanisch für Kinder.

    Vorträge über Filme, Filmkritik und Animationen gab es ebenfalls. Wir waren für euch im „The coming of Anime“ Vortrag. Wusstet ihr denn wie der Name Anime entstand und wie Anime definiert wird? Und wusstet ihr, dass es vor 1988 andere Bezeichnungen wie „Senga“, „Douga“ und „Telebi Manga“ gab? Mittlerweile gibt es eine neuen Titel „Japanimation“. Denn in Japan bedeutet Anime jegliche Art von Animation, egal aus welchem Land sie ursprünglich kommt. Doch viele andere Länder, außer Japan, definieren das Wort so, dass es sich um Animationen aus Japan handeln muss um Anime genannt zu werden. Sehr interessanter Vortrag über den Ursprung von Anime.

    Achja! Konzerte und Live Music gab es natürlich auch! Karaoke darf ebenfalls auf einem japanischen Festival fehlen.

    Merchandise
    Neben all den Aktivitäten die man dort machen konnte, gab es natürlich auch einen japanischen Markt, auch Nippon Yatai genannt. Der war allerdings recht übersichtlich und wurde von allein von unserem Partner Yakitori geführt. Yakitori ist außerdem Partner der Nippon Connections, so wurden die Fan-Tshirts von ihnen gedruckt und auf dem Event verkauft. Jede Menge Merchandise konnte man in der Eingangshalle des Mousonturm erstehen. Genauso wie japanische Filme und Krimskrams.

    Übrigens kamen noch Stände am Wochenende dazu. Solltet ihr also auf Japan-Stuff aus sein, dann besucht den Japan-Markt am Wochenende.

    Einige vereinzelte Infostände über Japan waren ebenfalls da, so auch ein unabhängiger Pauschalreisenanbieter, dessen Programme äußerst interessant waren. Auch für Retro Unterhaltung war gesorgt! Nämlich im Separé mit pinken Vorhängen. In diesem kleinen Raum konnte man nach Herzenslust alte Videospiele mit großen Pixeln spielen!

    Kodama Kozue, die Künstlerin, war neben weiteren Stargästen auch anwesend. Sie malte, genauso wie auf anderen Events wie der Dokomi, live ein Gemälde, dass ersteigert werden konnte. Der Erlös ging an die Regionen Japans die vom Erdbeben betroffen waren.
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    Getränke und Speisen
    Für das leibliche Wohl war natürlich auch gesorgt! Von Bentos bis Yakisoba gab es viele japanische Leckerein! Das zwar zu Festival Preisen, aber dafür mit einem großen Angebot. Anders wie beispielsweise auf dem Japantag, direkt am Rhein, gab es nicht nur Takoyaki, Yakisoba, Onigiri, Sushi und Ramen. Nein, es gab auch Melonpan, Kare-Pan, Udon, Kare-Raisu, Karaage, Maccha-Pan, Kagigori und vieles Mehr. Aufgeteilt auf zwei Stände. Der eine war in der Naxoshalle ansäßig und der andere befand sich im ersten Stock des Mousonturms. Preis-, Angebots- und Geschmacksunterschiede gab es schon, was darauf schließen lässt, dass es sich um verschiedene Anbieter handelte. Auch ein kleiner Stand mit Süßwaren verkaufte seine Speisen wie Macchapudding, Dango, Daifuku und Gebäck.

    Was ist DAS japanische Getränk? Ramune? Sake? Maccha? Genmai? Calips? Was auch immer ihr euch unter dem japanischen Getränk vorstellt – es war da. Zum größten Teil. Leider auch recht teuer. Ein eigener kleiner Sake-Tisch war im Mousonturm der Proben für wenig Geld servierte. Flaschen konnte man dort natürlich auch erwerben. An der Bar bekam man gekühlten Tee, kleine Sakeflaschen, Ramune und japanisches Bier. Allerdings zu einem verhältnismäßig hohen Preis.

    Es gab allerdings auch eine Tee Lounge. Mit Strohmatten ausgelegt und mit einem Paravan abgegrenzt, konnte man sich auf Kissen niederlassen und gemütlich Maccha Tee trinken, einen Keks oder einen Cup Cake dazu essen und Go spielen. (Übrigens Shogi gab es auch.)
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    Fazit
    Schon vom ersten Tag hatten wir berichtet (hier). Und ein kleines „Erster Tag Fazit“ gezogen. Trotz, dass Tadanobu Asano aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Deutschland reisen konnte und persönlich seinen Nippon Honor Award entgegennehmen konnte und auch nicht an einigen anderen Veranstaltungen der Nippon Connection mitwirken konnte, hat das Organisationsteam alles sehr gut durchgedacht. Nicht ein einziges Mal dachte man, dass etwas schief lief. Jedenfalls nicht was die Organisation betraf. Klar, kleine Fehler wie – Drucker geht nicht, passieren immer, aber sowas großes wie „der Hauptehrengast ist nicht da“ wurde ordentlich entschuldigt und der Ersatzplan funktionierte einwandfrei. Man glaubt auch nicht, dass die Mitarbeiter alle ehrenamtlich arbeiten, wenn man es nicht besser wüsste. Größtenteils merkte man den Elan und die Motivation des Personals, aber nach dem vierten Tag war so langsam auch ihnen anzumerken, dass es anstrengend war. Immerhin arbeiteten sie bei Temperaturen die bei über 30 Grad lagen. Die Räume waren nicht klimatisiert – nur der Mousonturm Saal war es. Das wäre noch ein Kritikpunkt den wir anmerken müssten. (Im kleinen Mal Sehen Kino wurde es nach 4 1/2 Stunden Filmschauen doch sehr heiß und stickig…)

    Und doch können wir ganz ehrlich sagen, dass die Nippon Connection ein tolles Event ist!

    Reibungslose Abläufe, nettes motiviertes Personal, riesiges kulturelles als auch filmisches Angebot (wobei man dann noch kritisieren müsste, dass man sich zumindest zweiteilen müsste um all die Sachen zu machen/sehen die man interessant findet) und tolle Ehrengäste!

    Rundum ein sehr gelungenes Event, dass sich unglaublich lohnt und Spaß macht.