Spannendes Filmprogramm auf dem 16. Japan-Filmfest Hamburg

    © JFFH
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    Ab dem 27. Mai präsentiert das Japan-Filmfest Hamburg fünf Tage lang die bunte Vielfalt aktueller Kinoproduktionen aus Japan, darunter zahlreiche Europa- und Deutschlandpremieren. Japanische Filmemacher präsentieren ihre Filme persönlich vor Ort in den jeweiligen Kinos. Besucher des Filmfests haben so die Möglichkeit, direkt mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

    Am 27.05.2015 ist es soweit: Im Metropolis Kino wird das 16. Japan-Filmfest Hamburg (JFFH) mit der bunten Anime-Realverfilmung LUPIN THE 3RD (ルパン??) eröffnet. Ryūhei Kitamura (u.a. VERSUS, LOVE DEATH, AZUMI) schuf mit LUPIN THE 3RD eine rasant inszenierte Gauner-Komödie, die zum Filmfest ihre Deutschlandpremiere feiert. Vor Spielfreude sprühende Darsteller, ein irrwitziges hakenschlagendes Drehbuch, wilde Action-Szenen und skurrile Typen. Ein schwungvoller Beginn des JFFH ist damit garantiert. Die Live-Action-Verfilmung von LUPIN THE 3RD fußt auf dem Erfolgs-Manga des japanischen Comic-Autors „Monkey Punch“. Meisterdieb Arsène Lupin (Shun Oguri) begibt sich nach der Ermordung seines Mentors auf eine wilde Jagd um die Welt, um das „Große Herz Kleopatras“, ein von Erzschurke Pramuk gestohlenes Juwel, zurückzufordern. Über 50 Filme in 5 Tagen – darunter viele Deutschland- und Europapremieren Takahiro Ishihara war 2010 mit seinem Film VIOLENCE PM zu Gast auf dem JFFH. Nun präsentieren wir in Hamburg als Deutschlandpremiere sein neuestes Werk CONTROL OF VIOLENCE, eine düster-brutales Manifest über die zerstörerische Kraft der Gewalt. In Osakas Straßen beherrschte die Yakuza bisher unangefochten die Unterwelt. Mit Sub Zero, dem psychopatischen Anführer einer Straßengang, erwächst den Gangstern ein ernstzunehmender Gegner. Ein grausamer Krieg beginnt. Die Gewalt frisst ihre Kinder, bis nichts mehr bleibt als blinde Wut. Ein großartiger schwarzweißer Furor, der
    einen beklemmenden Sog entwickelt. Einer der erschreckendsten und besten Filme des JFFH 2015.

    Die Atombombenabwürfe, die sich dieses Jahr zum siebzigsten Mal jähren, bilden eine fundamentale Säule der japanischen Identität. Doch mit dem Sterben der Kriegsgeneration gerät das Leid zunehmend in Vergessenheit. Auf dem NGO Peace Boat treffen 2008 Überlebende der Atombombenabwürfe von 1945, selbst zu jung, um sich bewusst zu erinnern, auf Opfer aus anderen Kriegen. Durch das emotionale Band, das zwischen den Menschen aus den verschiedenen Kulturen geknüpft wird, entsteht eine kraftvolle Friedensbotschaft. MEIN REISE MIT ATOMBOMBENÜBERLEBENDEN (OmdU) von Takashi Kunimoto ist ein wichtiger Dokumentarfilm über und wider das Vergessen. Die Neuverfilmung eines Klassikers, wie Eastwoods UNFORGIVEN (1992), erscheint als Wagnis, das zum Scheitern verurteilt ist. Doch Lee Sang-il gelingt mit THE UNFORGIVEN (OmeU) dieses Kunststück erstaunlich stilsicher. Zwar ähnelt die japanische Version dem düsteren Original in vielerlei Hinsicht, doch gelingt es, dem Stoff genügend originär japanische Seiten abzugewinnen. So schwingen im Hintergrund der Untergang der Kriegerkaste der Samurai und das Schicksal der vor der Auslöschung stehenden Ainu-Kultur mit. Aufgrund seiner atemberaubenden Landschaftsaufnahmen gewann THE UNFORGIVEN 2014 den Japanese Academy Award für die beste Cinematographie und Lichtsetzung. Regie Tausendsassa Takashi Miike schlägt wieder zu. Mit einem unglaublichen Output von bis zu 5 Spielfilmen im Jahr gehört er zu den produktivsten Regisseuren der Gegenwart. Erlangte er zunächst durch sein waghalsiges Genre-Kino einen legendären Ruf als Regie-Berserker (u.a. ICHI THE KILLER, AUDITION), hat er sich mittlerweile auch als zuverlässiger Mainstream-Lieferant etabliert. Mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans WARA NO TATE – DIE GEJAGTEN von Kazuhiro Kiuchi präsentiert er nun einen waschechten Polizeithriller. Dem Zuschauer stellt sich die provokante Frage: Pflichterfüllung oder Selbstjustiz, wie würdest du dich entscheiden? (OmdU) Noboru Iguchi hat sich mit seinen Genre-Krachern auf dem JFFH eine treue Fangemeinde gesichert.
    Zuletzt sorgte er 2014 mit GOTHIC LOLITA BATTLE BEAR für einen vollen Kino-Saal. Mit der Adaption des Romans von Yūsuke Yamada LIVE (2015, OmdU) kehrt er jetzt als Europapremiere auf das 16. JFFH zurück.

    Grotesker Humor, pralle Oberweiten und irrwitzige Gore-Effekte, das sind die Zutaten, um Iguchis Fans glücklich zu machen. Eines Tages erhält Naoto in einem Paket den Roman „Live“ und eine Videobotschaft. Nur durch den Gewinn eines tödlichen Triathlons kann er seine entführte Mutter retten. Ein gnadenloser Wettlauf ums Überleben beginnt. Der Regisseur Guillaume Tauveron, geboren 1979 in Frankreich, wurde maßgeblich durch das Zusammentreffen mit dem japanischen Filmemacher Hiroshi Toda beeinflusst. Nach mehreren gemeinsamen Projekten (u.a. SAKURA NO KAGE, 2007) reifte in ihm die Idee zu seinem bisher ehrgeizigsten Film, BEYOND THE BLOOD (OmeU, 2014). Shinjis familiäres Glück findet mit der Ermordung seiner Ehefrau Akemi ein jähes Ende. Auf einer nächtlichen Odyssee durch Tokyo, von dem Wunsch beseelt den Mörder zu töten, trifft er auf weitere einsame Gestalten, die Verzweiflung der Nacht in den Herzen. Mit BEYOND THE BLOOD gelingt Tauveron ein düsterer Trip in die Abgründe der Seele.

    Samurai X Tripple-Feature – Film-Trilogie RUROUNI KENSHIN
    Die Figur des Samurai RUROUNI KENSHIN basiert auf dem Mangabestseller von Nobuhiro Watsuki. Nach zahlreichen Anime-Adaptionen folgte 2012 schließlich die Umsetzung als Realfilmtrilogie. Unter der Regie von Keishi Ōtomo entstand ein actiongeladener, auf ein junges Publikum zugeschnittener Jidaigeki, dessen erster Teil schon auf dem 14. JFFH die Zuschauer begeisterte. Rasant inszenierte Schwertkämpfe und große Gefühle vor dem Hintergrund einer durch historische Umbrüche erschütterten Welt. Mit RUROUNI KENSHIN, RUROUNI KENSHIN: KYOTO INFERNO und RUROUNI KENSHIN: THE LEGEND ENDS präsentiert das 16. JFFH exklusiv alle Teile der kultigen Trilogie hintereinander. Für Fans des Manga oder Liebhaber des modernen Samurai-Kinos ein Muss.
    Filmemacher aus Japan präsentieren persönlich Ihre Werke Besonders freut es uns, das Zombie-Drama RAIN FOR THE DEAD von Bishop Koyama und den Pink-Splatter MAI-CHAN’S DAILY LIFE – THE MOVIE von Sade Sato, die Verfilmungen der Werke des Manga-Künstlers Waita Uziga, ankündigen zu können. Regisseur Sade Sato stellt die Umsetzung von Uzigas Manga-Vorlagen als internationale Premieren dem Hamburger Publikum vor:

    In Erotic-Gore-Fankreisen gehört der Manga MAI-CHANS DAILY LIFE bereits seit Langem zur Pflichtlektüre. In Kooperation mit dem Manga-Künstler Waita Uziga bringt Regisseur Sado Satō nun die eigentlich unverfilmbare Geschichte des unsterblichen Hausmädchens Mai auf Hamburgs große Leinwand (OmdU). Als Miyako ihren Job als Hausmädchen antritt, erlebt sie eine Überraschung. Zufällig beobachtet sie, wie das Hausmädchen Mai von ihrer Vorgesetzten Kaede auf brutalste Weise massakriert wird. Doch das eigentlich Unglaubliche ist nicht der bestialische Mord, sondern dass Mai schon kurz darauf vollkommen unversehrt und als sei nichts gewesen ihrer Arbeit nachgeht. Regisseur Bishop Koyama gelingt mit dem Horrordrama RAIN FOR THE DEAD (OmdU, 2014) der etwas andere Zombiefilm. Auch für die Manga-Vorlage AME-AGARI NO KIMI dieser Untoten-Groteske zeichnet sich Waita Uziga verantwortlich. Yōjirōs Freundin Mami wurde von einem Untoten gebissen und verwandelt sich in einen Zombie. Doch Yōjirō will ihre Existenz als Monster nicht akzeptieren. In einer Endzeitwelt voller Untoter versucht er mit seiner Freundin, ein “normales” Leben zu führen, von der Hoffnung beseelt, sie könne wieder Menschlichkeit erlangen.

    Als weitere Gäste erwarten wir auf dem 16. JFFH die Regisseure des Episodenfilm SHOUT (OmeU), Shunta Kezuka, Riku Sanjo, Aya Itabe, Jun Sekiguchi und Hisato Sakoda. Auf der Deutschlandpremiere ihres Filmprojektes stellen sie sich den Fragen des Hamburger Publikums: Fünf Filme, fünf Schreie, fünf Regisseure: Ein Schrei kann vielem Ausdruck verleihen – Freude, Überraschung, Wut, Schmerz, Verzweiflung, Schrecken, und noch vieles mehr. Vielschichtig wie die Beweggründe sind auch die hier versammelten Filme. Keiner ähnelt dem anderen und gemeinsam bilden sie nicht nur eine variationsreiche Sammlung menschlicher Emotionen, sondern bedienen auch unterschiedlichste Genres. Die fünf Beiträge des Episodenfilms SHOUT (2014), jeder für sich auf eigene Weise gelungen, verbinden sich unter ihrem gemeinsamen Thema zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk.

    Weitere Höhepunkte des Festivalprogramms 2015 sind als Deutschlandpremieren das Gerichtsdrama COURT OF ZEUS von Takahashi Gen (OmeU,2014), die Zombie-Kracher SAMURAI OF THE DEAD (2014, OmeU) von Kazushi Watanabe und Z – THE LAST SUMMER ON EARTH (OmeU, 2014) von Naoyoshi Kawamatsu (internationale Premiere) sowie die Ninja-Granate THE NINJA WAR OF TORAKAGE (2014, OmeU) von Kultregisseur Yoshihiro Nishimura. Doch auch die Arthousefreunde kommen mit dem fröstelnden Großstadt-Portrait UNKNOWN TOWN (OmeU, 2014) von Shingo Ohuchi und der schrägen Komödie HARUKO’S PARANORMAL LABORATORY (2014, OmeU) von Lisa Tabeka zu ihrem Recht. Nicht zu vergessen die sensible Dokumentation LOVE HOTEL (OmeU) von Philip Cox und Hiraku Toda (2014).

    Für aufregende Filmfesttage ist also gesorgt! Seien Sie dabei, wenn Nihon Media e. V. derungezügelten Magie des japanischen Kinos freien Lauf lässt.

    Aktuelle Informationen zum geplanten Programm des 16. JFFH im Web:
    http://www.jffh.de (Website)
    http://blog.jffh.de/ (Blog)
    http://www.facebook.com/japan.filmfest.hamburg (offizielle JFFH-Facebookseite)

    Micha
    Ein alter Hase im Geschäft. Seit Akira 1991 in die deutschen Kinos kam, brennender Anime-Fan und noch die gute alte Zeit miterlebt als Carlsen Manga in Farbe und Bunt auf den Markt brachte. Ghost in the Shell Fan der ersten Stunde und bevorzugt mittlerweile Slice of Life Anime