Einblicke in den Fanart- und Doujinshi-Markt in Japan

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Viele der heute bekannten Mangaka starteten ihre Karriere als Doujinshi-Künstler. Doch wie genau sieht er aus, der japanische Fanart- und Doujinshi-Markt?

Doujinshi-Markt

Doujinshi im Toranoana | © matcha-jp.com

Japan ist das Geburtsland von Anime und Manga. Ununterbrochen werden immer wieder neue Serien veröffentlicht, die irgendwann eventuell auch den Weg zu uns finden. Die kreativen Köpfe dahinter sind dabei keineswegs immer dieselben – immer wieder schaffen neue Künstler mit ihren Werken den Durchbruch.
Im Schatten dieser großen Lichter steht der sogenannte Doujinshi-Markt – weit weniger beachtet aber dennoch nicht weniger bedeutend. Tatsächlich ist die Doujinshi-Kultur in Japan sehr verbreitet und bedient einen eigenen Nischenmarkt. Viele der heute bekannten Mangaka haben vor ihrem Durchbruch jahrelang Doujinshi und Fanart gezeichnet, um sich langsam hochzuarbeiten und in der Fangemeinde einen Namen zu machen.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Manga und Doujinshi?

Ganz grob kann man die beiden Kategorien durch die Art der Veröffentlichung unterscheiden. Doujinshi (同人誌, dt. „Zeitschrift von und für Gleichgesinnte“) sind im Gegensatz zu Manga in der Regel self-published. Sie können entsprechend von jedem produziert werden und sind daher häufig Werke von Amateur- und Hobbykünstlern. Es gibt jedoch auch professionelle Künstler, die zusätzlich zu ihren regulären Werken gelegentlich Doujinshi veröffentlichen.

In den meisten Fällen handelt es sich bei Doujinshi um Fanart zu existierenden Manga- oder Animeserien. Eine zweite große Kategorie bilden Doujinshi mit sexuellen bis pornografischen Inhalten. Nicht selten wird auch beides miteinander kombiniert. Auf der anderen Seite werden Doujinshi aber auch gerne für eigene Kurzgeschichten und One-Shots benutzt – quasi als erstes Sprungbrett um mit der eigenen Serie groß rauszukommen.

Grundsätzlich besteht der Hauptzweck von Doujinshi in der Selbstdarstellung und der Präsentation der eigenen Werke. Profit ist bei der Produktion von Doujinshi in der Regel eher zweitrangig.

Conventions
Comiket Doujinshi-Markt

Menschenmassen auf dem Comic Market | © ikidane-nippon.com

Ähnlich wie auch bei uns sind Conventions einer der Hauptwege, um seinen Bekanntheitsgrad als Künstler zu steigern. Im Gegensatz zu unseren Anime- und Manga-Conventions sind die in Japan jedoch nicht so breit gefächert, sondern decken immer nur einen bestimmten Themenbereich ab. Für Künstler am interessantesten sind hier die sogenannten Doujinshi-Märkte – Conventions, die sich ausschließlich auf die Ausstellung und den Verkauf von Doujinshi spezialisieren. Man kann sie sich wie eine einzige große Zeichnerallee vorstellen.

Der zweimal im Jahr stattfindende Comic Market (kurz. Comiket) ist der wohl größte und bekannteste Doujinshi-Markt Japans. Über drei Tage verteilt vertreiben über 35.000 Einzelkünstler sowie Doujinshi-Zirkel dort ihre Werke. Die meisten der dort verkauften Doujinshi sind Fanart zu bekannten Mangas, Animes und Games.

Comicbuchläden
Doujinshi Fanart Gacha

Gacha-Automat mit Love Live! Fanarts des spanischen Doujinshi-Zirkels CYCLIC★REDUNDANCY | © twitter/Ninamo_lcr

Doch nicht nur auf Conventions können Künstler in Japan ihre Doujinshi verkaufen. Spezialisierte Comicbuchläden wie zum Beispiel Toranoana vertreiben sowohl Mangas und Zeitschriften als auch Doujinshi. Man kann also sagen, dass dort gewissermaßen Mangas und die dazugehörigen Fanart-Doujinshi fast Seite an Seite verkauft werden.

Darüber hinaus ist Toranoana auch für seine Gacha-Automaten bekannt, in denen es regelmäßig neue Sets an Buttons oder Anhängern zu beliebten Serien gibt. Das Besondere daran: Hierbei handelt es sich um Merchandise von Fanart-Künstlern. Und zwar nicht nur um Fanart von japanischen Künstlern sondern auch von internationalen Künstlern. Auch Yaya-chan und Requi haben beispielsweise dort schon ihr Merchandise in den Gachas verkaufen dürfen.

Konflikte mit dem Urheberrecht

Hierzulande ist das Thema Fanart unter den Anime- und Mangazeichnern häufig ein großes Konfliktthema – viele Zeichner stehen dem Verkauf von Fanart eher kritisch gegenüber, weil es in gewisser Weise das Urheberrecht verletzt.
Die Gesetzeslage sieht auch in Japan theoretisch nicht viel anders aus als bei uns. Die Mentalität und der Umgang mit dem Thema sind in der japanischen Zeichnerszene jedoch gänzlich anders als bei uns.

Sailormoon Doujinshi Doujinshi-Markt

Auch Arina Tanemura zeichnet neben ihren eigenen Werken gerne mal Doujinshi | © animebooks.com

Japanische Mangaka sind in der Regel sehr tolerant gegenüber Fanarts und Doujinshi zu ihren eigenen Serien. Die meisten unterstützen es und sehen es als Ehre an, wenn jemand ihre Werke genug mag, um dazu einen Doujinshi zu zeichnen. Viele von ihnen haben selbst als Doujinshi-Künstler angefangen oder zeichnen immer noch gelegentlich Doujinshi zu anderen Serien nebenher.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die überhaupt nichts mit Doujinshi zu ihren Serien zu tun haben wollen, insbesondere wenn darin Charaktere sexualisiert werden, bei denen der Mangaka dies eher nicht sehen wollen würde. Da die Doujinshi-Kultur in Japan jedoch so groß ist, ist es für die Mangaka nicht empfehlenswert, sich dagegen zu stellen. Zu versuchen, Fanarts zu meiden oder gar zu verbieten, würde sie in ein schlechtes Licht rücken, was gleichzeitig schlechte Werbung für ihre Werke wäre. Deshalb ist es besser für sie, die Veröffentlichung von Fanarts und Doujinshi zu ihren Werken zu unterstützen oder zumindest einfach unkommentiert zu lassen.

Letztlich sind Mangaka jedoch vor allem aus einem Grund in ihrem Geschäft: um Geld zu verdienen. Fanarts und Doujinshi sind gewissermaßen kostenlose Werbung für eine Serie und jede Form von Werbung hilft, diese bekannter zu machen. Aus diesem Grund werden Fanarts in der Regel nicht als Bedrohung oder Konkurrenz angesehen sondern als Unterstützung. Wenn Mangaka keine Fanarts zu ihren Werken wollten, hätten sie gar nicht erst damit angefangen, Mangas zu zeichnen und zu veröffentlichen.

 

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